
Wer derzeit ein gebrauchtes Elektroauto kaufen möchte, muss mit deutlich höheren Angebotspreisen rechnen als noch zu Jahresbeginn. Während viele Gebrauchtwagen in Deutschland günstiger geworden sind, entwickelt sich der Markt für Elektrofahrzeuge in die entgegengesetzte Richtung. Im September 2026 lag der durchschnittliche Angebotspreis für einen gebrauchten Stromer auf AutoScout24 bei 39.006 Euro. Im Januar waren es noch 32.980 Euro. Das entspricht einem rechnerischen Anstieg um rund 18,3 Prozent innerhalb von acht Monaten.
Die Preise für gebrauchte Elektroautos haben sich damit deutlich stärker entwickelt als der übrige Gebrauchtwagenmarkt. Über alle Antriebsarten hinweg sank der durchschnittliche Angebotspreis auf AutoScout24 von 27.758 Euro im Januar auf 26.878 Euro im September. Gebrauchte Elektroautos verteuerten sich im gleichen Zeitraum dagegen um durchschnittlich 6.026 Euro. Die Zahlen beziehen sich auf inserierte Fahrzeuge. Sie bilden weder die tatsächlich vereinbarten Kaufpreise noch die Wertentwicklung einzelner Modelle ab.
Auch auf europäischer Ebene zeigt sich der Unterschied. Nach dem Preisindex der AUTO1 Group waren batterieelektrische Gebrauchtwagen im September 20,6 Prozent teurer als im Januar. Gegenüber September 2025 lag das Plus bei 13,8 Prozent. Der Index erfasst allerdings Preise im europäischen Fahrzeughandel und ist deshalb nicht unmittelbar mit deutschen Endkundenangeboten vergleichbar.
Ein wesentlicher Faktor ist das wachsende Interesse an gebrauchten Elektrofahrzeugen. Nach Angaben von AutoScout24 stieg die Zahl der Kaufanfragen für Elektroautos im September gegenüber August um 26,8 Prozent. Gleichzeitig ging das Angebot um 1,2 Prozent zurück. Damit traf eine deutlich höhere Nachfrage auf eine etwas kleinere Auswahl an verfügbaren Fahrzeugen.
Als einen möglichen Grund nennt die Plattform die gestiegenen Kraftstoffkosten. Für Autofahrer, die regelmäßig längere Strecken zurücklegen und vergleichsweise günstig laden können, gewinnt der elektrische Antrieb dadurch an wirtschaftlicher Attraktivität. Neben dem Kaufpreis rücken die laufenden Kosten stärker in den Vordergrund. Allerdings bedeutet eine höhere Nachfrage nicht, dass sämtliche Elektroautos gleichermaßen teurer werden. Je nach Modell, Alter und Ausstattung entwickeln sich die Angebotspreise unterschiedlich.
Während sich gebrauchte Elektroautos bis September deutlich verteuerten, setzte sich der Preisrückgang auf dem europäischen Gesamtmarkt zuletzt fort. Der AUTO1 Group Price Index sank im Oktober auf 132,0 Punkte und lag damit 0,9 Prozent unter dem Septemberwert. Seit Jahresbeginn errechnet sich für sämtliche Antriebsarten zusammen ein Rückgang um 3,4 Prozent. Gegenüber Oktober 2025 fielen die Händlerpreise um fünf Prozent.
Die jüngsten Zahlen zeigen somit eine unterschiedliche Entwicklung innerhalb des Gebrauchtwagenmarktes. Für den Oktober veröffentlichte AUTO1 in seiner aktuellen Mitteilung allerdings keinen gesonderten Elektroauto-Preisindex. Ob die kräftigen Preissteigerungen bei gebrauchten Stromern auch im Oktober anhielten, lässt sich aus dem Gesamtindex deshalb nicht ableiten.
Für Kaufinteressenten wird ein genauer Vergleich einzelner Fahrzeuge wichtiger. Ein steigender Durchschnittspreis bedeutet nicht automatisch, dass jedes gebrauchte Elektroauto an Wert gewinnt. Entscheidend sind unter anderem das Baujahr, die Laufleistung, die verfügbare Reichweite und die Ladeleistung. Auch die Zusammensetzung der angebotenen Fahrzeuge beeinflusst den statistischen Durchschnittspreis.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Antriebsbatterie. Der ADAC empfiehlt, vor dem Kauf ein aktuelles Batteriezertifikat einzusehen, das Auskunft über den Gesundheitszustand des Akkus gibt. Dieser sogenannte State of Health beschreibt, wie viel der ursprünglichen Kapazität noch vorhanden ist. Bei vielen Herstellern gilt eine Batteriegarantie von acht Jahren oder 160.000 Kilometern, wobei die konkreten Bedingungen vom Fahrzeug abhängen.
Neben dem technischen Zustand sollten Käufer auch ihre individuellen Betriebskosten berücksichtigen. Wer überwiegend zu Hause oder beim Arbeitgeber günstig laden kann, hat andere Voraussetzungen als jemand, der regelmäßig auf öffentliche Schnellladesäulen angewiesen ist. Trotz der gestiegenen Angebotspreise können gebrauchte Elektroautos deshalb weiterhin eine wirtschaftliche Alternative zum Verbrenner sein. Ob sich der Kauf lohnt, hängt jedoch stärker vom einzelnen Fahrzeug und dessen Nutzung ab als von der allgemeinen Preisentwicklung.
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