Kartellamt gibt Edeka grünes Licht für Großteil von Tegut

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Das Bundeskartellamt hat Edeka die Übernahme von 178 Tegut-Supermärkten und weiteren Unternehmensteilen genehmigt. Der ursprünglich größere Zukauf wird allerdings begrenzt. Edeka verpflichtet sich, 24 weitere Tegut-Standorte für vier Jahre nicht zu erwerben. Nach Einschätzung der Wettbewerbsbehörde wären andernfalls in zahlreichen regionalen Märkten erhebliche Wettbewerbsprobleme entstanden. Die Entscheidung fiel am Montag, 28. September 2026.

Die Edeka Übernahme von Tegut ist damit in einem wesentlichen Teil freigegeben. Geplant war ursprünglich der Erwerb von 202 Tegut-Supermärkten. Zum genehmigten Paket gehören außerdem das Logistikzentrum in Hünfeld-Michelsrombach, die Herzberger Bäckerei und 41 kleinere, weitgehend automatisierte Teo-Standorte.

Kartellamt sah Probleme in 34 regionalen Märkten

Entscheidend für die Einschränkung waren nicht die bundesweiten Marktanteile allein, sondern die Wettbewerbssituation rund um einzelne Filialen. Ohne die Zusagen von Edeka hätte die Transaktion nach den Ermittlungen des Bundeskartellamts in 34 regionalen Märkten zu einer erheblichen Verschlechterung der Wettbewerbsbedingungen geführt. In neun dieser Märkte erwartete die Behörde sogar die Entstehung oder Verstärkung einer marktbeherrschenden Stellung von Edeka.

Edeka hatte zunächst am 20. Juli ein Zusagenangebot vorgelegt. Dieses genügte der Behörde nicht. Ein erweitertes Angebot vom 14. September wurde schließlich akzeptiert. Darin verpflichtet sich Edeka, insgesamt 24 der ursprünglich vorgesehenen Tegut-Standorte vier Jahre lang nicht zu übernehmen.

Die Beschränkung gilt nicht nur unmittelbar für Edeka, sondern für die gesamte Gruppe. Erfasst werden nach Angaben des Bundeskartellamts auch die Regionalgesellschaften sowie selbstständige Edeka-Kaufleute. Ebenso dürfen für die betroffenen Standorte keine Mietverträge oder Anschlussmietverträge abgeschlossen werden, mit denen die Einschränkung umgangen werden könnte.

Diese 24 Tegut-Standorte darf Edeka nicht übernehmen

Von der vierjährigen Sperre betroffen sind Märkte in mehreren Bundesländern. Auf der veröffentlichten Liste stehen Aalen, Alsfeld, Bad Langensalza, Bad Neustadt an der Saale, Erfurt-Marbach, Geisa, Gerbrunn, Heiligenstadt, Hünfeld, Kirchhain, Korbach, Neuhof, Oberelsbach, Rainrod, Riedstadt, Sachsenberg, Schonungen, Tauberbischofsheim und Zella-Mehlis-Benshausen. Hinzu kommen drei Standorte in Kassel sowie zwei im Raum Würzburg. Insgesamt umfasst die Liste 24 Märkte.

Wer diese Standorte künftig betreibt, ist durch die Entscheidung nicht festgelegt. Die Vorgaben sollen nach Darstellung des Bundeskartellamts ermöglichen, dass die Verkaufsflächen für einen längeren Zeitraum Wettbewerbern außerhalb der Edeka-Gruppe zur Verfügung stehen. In 24 regionalen Märkten entfallen die Bedenken unmittelbar durch den Verzicht. In zehn weiteren Gebieten wirken sich die Verzichte wegen überlappender Einzugsbereiche benachbarter Lebensmittelmärkte aus.

Deutschlands Lebensmittelhandel ist stark konzentriert

Die Entscheidung fällt in einen Markt, der bereits von wenigen großen Handelsgruppen geprägt wird. Nach den Ermittlungen des Bundeskartellamts entfielen 2025 mehr als 90 Prozent der bundesweiten Umsätze des Lebensmitteleinzelhandels auf Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie Aldi Nord und Aldi Süd.

Eine gemeinsame Marktbeherrschung dieser großen Gruppen stellte die Behörde dennoch weder auf der Verkaufsseite noch auf den Beschaffungsmärkten fest. Bei der Bewertung des Tegut-Kaufs spielte deshalb vor allem die konkrete Situation in einzelnen regionalen Einzugsgebieten eine Rolle. Dort können wenige zusätzliche Märkte stärker ins Gewicht fallen als es der vergleichsweise kleine Zuwachs auf Bundesebene vermuten lässt.

Auch die Folgen für Hersteller und andere Lieferanten wurden untersucht. Nach Angaben des Bundeskartellamts erhöht sich Edekas Anteil am gesamten inländischen Beschaffungsvolumen durch den Zusammenschluss um weniger als 0,4 Prozentpunkte. Die Behörde sah deshalb auf dieser Ebene keine erhebliche Behinderung des Wettbewerbs. Edeka sagte zudem zu, im Zusammenhang mit der Transaktion keine zusätzlichen Einkaufsvorteile ohne angemessene Gegenleistung von Lieferanten zu verlangen.

Migros zieht sich aus Deutschland zurück

Hinter dem Verkauf steht der Rückzug der Schweizer Genossenschaft Migros Zürich aus dem deutschen Markt. Migros hatte am 11. März 2026 angekündigt, Tegut zu veräußern und sich künftig auf den Schweizer Markt zu konzentrieren. Schon damals war ein Vertrag mit Edeka über einen wesentlichen Teil der Tegut-Gruppe unterzeichnet. Gleichzeitig führte Migros Gespräche mit weiteren Handelsunternehmen über andere Standorte.

Migros begründete die Entscheidung mit der wirtschaftlichen Entwicklung von Tegut. Trotz Einsparungen seien die Umsätze in einem schwierigen deutschen Marktumfeld zurückgegangen. Zum Jahresende 2025 wies der Migros-Geschäftsbericht 302 Tegut-Standorte aus.

Edeka begrüßte die Freigabe. Nach Angaben des Handelsverbunds erhalten damit rund 3.700 Beschäftigte eine Perspektive innerhalb der übernommenen Unternehmensteile. Die freigegebenen Märkte sollen schrittweise in den Edeka-Verbund integriert werden. Ein Teil soll künftig von Netto Marken-Discount betrieben werden.

Auch Rewe will Tegut-Märkte übernehmen

Mit der Edeka-Entscheidung ist die Neuordnung des Tegut-Filialnetzes noch nicht vollständig abgeschlossen. Bereits im Juni genehmigte das Bundeskartellamt der Tante Enso Süd-West GmbH & Co. KG den Erwerb von 36 überwiegend kleineren Tegut-Standorten. Das Vorhaben bewertete die Behörde als wettbewerblich unbedenklich.

Parallel läuft ein weiteres Hauptprüfverfahren zur geplanten Übernahme zusätzlicher Tegut-Märkte durch Rewe. Auch dort hatte das Bundeskartellamt wettbewerbliche Bedenken. Rewe hat inzwischen ein Zusagenangebot eingereicht. Die verlängerte Prüffrist läuft derzeit bis zum 29. Oktober 2026. Eine Entscheidung über diesen Teil der Neuordnung stand am Montag noch aus.

Für Edeka ist dagegen seit dem 28. September geklärt, welcher Teil des angemeldeten Pakets übernommen werden darf. Aus den ursprünglich geplanten 202 Supermärkten werden 178. Die übrigen 24 Standorte bleiben mindestens für die nächsten vier Jahre außerhalb des Edeka-Verbunds.

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