Hapag-Lloyd macht bei ZIM weitere Zugeständnisse an Israel

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die geplante Milliardenübernahme der israelischen Reederei ZIM durch Hapag-Lloyd bleibt umkämpft. Der Hamburger Schifffahrtskonzern hat die Bedingungen seines Angebots überarbeitet und versucht damit, Bedenken der israelischen Regierung gegen den Zusammenschluss auszuräumen. Am vereinbarten Kaufpreis ändert sich nach dem derzeit bekannten Stand nichts. Hapag-Lloyd bietet weiterhin 35 US-Dollar je ZIM-Aktie. Insgesamt geht es um rund 4,2 Milliarden US-Dollar.

Im Mittelpunkt der Nachbesserungen stehen nicht finanzielle Zugeständnisse an die ZIM-Aktionäre, sondern zusätzliche Garantien für Israels maritime Versorgung und staatliche Kontrollmöglichkeiten. Hapag-Lloyd und der israelische Finanzinvestor FIMI haben der Regierung in Israel inzwischen Eckpunkte eines veränderten Konzepts vorgelegt. Ein vollständiger überarbeiteter Rahmen soll noch folgen.

Direkte Verbindung nach Fernost soll hinzukommen

Nach dem neuen Konzept soll der in Israel verbleibende Teil des ZIM-Geschäfts stärker ausgestattet werden als zunächst vorgesehen. Dazu gehört unter anderem eine direkte regelmäßige Verbindung nach Fernost. Außerdem sollen Schutzmechanismen zugunsten des israelischen Staates erweitert werden. Hapag-Lloyd erklärte, dass der überarbeitete Vorschlag den Zugang Israels zu wichtigen Schifffahrtsrouten einschließlich Verbindungen aus Asien sichern solle.

Nach dem ursprünglichen Modell soll ein Teil des heutigen ZIM-Geschäfts ausgegliedert und vom israelischen Private-Equity-Investor FIMI übernommen werden. Diese neue israelische Reederei soll unter anderem über 16 Schiffe verfügen und die besonderen Verpflichtungen übernehmen, die mit dem staatlichen Sonderanteil an ZIM verbunden sind. Dieser sogenannte Golden Share gibt Israel besondere Rechte bei strategisch wichtigen Entscheidungen des Unternehmens.

Hapag-Lloyd hatte bereits im September erklärt, die Kontrollmöglichkeiten im Zusammenhang mit diesem Sonderrecht stärken zu wollen. Nach Angaben des Konzerns soll zudem verhindert werden, dass ausländische Interessen Einfluss auf den Transport besonders sensibler israelischer Güter nehmen können. Auch die Möglichkeiten ausländischer Investoren bei der israelischen Gesellschaft sollen begrenzt werden.

Zu den jüngsten Eckpunkten gehören darüber hinaus Zusagen zur Aufrechterhaltung von Schiffsmanagement und fachlichem Know-how in Israel sowie Schutzmaßnahmen für Beschäftigte. Die genaue vertragliche Ausgestaltung dieser Verpflichtungen war zunächst noch nicht vollständig veröffentlicht.

Kaufpreis von 35 Dollar je Aktie bleibt bestehen

Die Nachbesserungen betreffen damit vor allem die Struktur des Geschäfts. Der bereits im Februar vereinbarte Preis von 35 US-Dollar je Aktie bleibt nach dem aktuellen Stand unverändert. Hapag-Lloyd und ZIM hatten am 16. Februar 2026 eine verbindliche Fusionsvereinbarung geschlossen. Der ZIM-Verwaltungsrat stimmte dem Geschäft einstimmig zu. Auch die Aktionäre genehmigten die Transaktion bei einer außerordentlichen Hauptversammlung am 30. April.

Damit ist die Übernahme allerdings noch nicht abgeschlossen. Zu den ausstehenden Bedingungen gehören mehrere regulatorische Genehmigungen. Besonders wichtig ist die Zustimmung Israels aufgrund der besonderen staatlichen Rechte an ZIM. Genehmigungen von Wettbewerbs- und Investitionsbehörden in mehreren weiteren Ländern sind ebenfalls erforderlich. ZIM und Hapag-Lloyd gehen bislang weiterhin von einem möglichen Abschluss bis Ende 2026 aus.

Bis zum Vollzug bleiben beide Unternehmen rechtlich und wirtschaftlich unabhängig voneinander und treten weiterhin als Wettbewerber auf.

Sicherheitsbedenken haben Übernahme ins Stocken gebracht

Der Konflikt um die Übernahme hatte sich in den vergangenen Wochen verschärft. Vertreter israelischer Behörden sowie Verteidigungsminister Israel Katz äußerten Bedenken gegen die ursprünglich vorgesehene Struktur. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Israel auch während militärischer Auseinandersetzungen oder anderer Krisen ausreichend unabhängig über Schiffe und Transportkapazitäten verfügen könnte.

Hapag-Lloyd versucht mit dem überarbeiteten Modell, genau diese Einwände auszuräumen. Der Konzern verweist darauf, dass ein eigenständiges israelisches Unternehmen bestehen soll und zusätzliche Verbindungen sowie staatliche Kontrollrechte vorgesehen sind.

Eine endgültige Zustimmung Israels lag zunächst dennoch nicht vor. Die Nachbesserungen bedeuten daher noch keine Freigabe der Transaktion.

ZIM-Beschäftigte halten an Widerstand fest

Auch die Arbeitnehmervertretung von ZIM lehnt die geplante Übernahme weiterhin ab. Ihr Vorsitzender Oren Caspi argumentiert, dass die für das israelische Unternehmen vorgesehene Flotte trotz der neuen Zusagen zu klein sei, um die strategische Unabhängigkeit Israels ausreichend zu gewährleisten. Die Arbeitnehmervertretung fordert deutlich mehr Schiffe unter israelischer Kontrolle.

Dabei handelt es sich um die Position der Beschäftigtenvertretung. Ob und in welchem Umfang die zusätzlichen Zusagen ausreichen, muss letztlich von den zuständigen israelischen Stellen im Genehmigungsverfahren entschieden werden.

Der Widerstand erklärt zugleich, warum Hapag-Lloyd sein Konzept mehrfach verändert hat. Bereits Anfang September hatte Konzernchef Rolf Habben Jansen angekündigt, auf Einwände der israelischen Behörden mit Anpassungen reagieren zu wollen. Inzwischen sind aus diesen Gesprächen konkretere Zusagen hervorgegangen.

Zusammenschluss würde Hapag-Lloyd deutlich vergrößern

Für Hapag-Lloyd hat das Geschäft große strategische Bedeutung. ZIM gehört zu den größeren internationalen Containerreedereien und ist besonders auf Verbindungen über den Pazifik, innerhalb Asiens sowie zwischen Asien und Nordamerika aktiv.

Nach Angaben von Hapag-Lloyd würde das kombinierte Unternehmen über mehr als 400 Schiffe und eine Kapazität von mehr als drei Millionen Standardcontainern verfügen. Das jährliche Transportvolumen soll mehr als 18 Millionen TEU erreichen. Hapag-Lloyd erwartet zudem Synergien von jährlich etwa 300 bis 500 Millionen US-Dollar.

Der Hamburger Konzern würde damit seine Position unter den weltweit größten Containerreedereien weiter festigen. Gleichzeitig unterscheidet sich die ZIM-Übernahme von vielen klassischen Zusammenschlüssen der Branche: Wegen der besonderen Bedeutung der Reederei für Israel kann der Staat über seine Golden Share unmittelbar Einfluss auf die Bedingungen des Geschäfts nehmen.

Ob die jüngsten Zugeständnisse für eine Zustimmung ausreichen, war am Montagabend noch offen. Fest steht bislang, dass Hapag-Lloyd am Kauf festhält, der finanzielle Teil des Angebots unverändert bleibt und der Konzern den israelischen Teil des geplanten Geschäfts mit zusätzlichen Verbindungen und Kontrollrechten absichern will.

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