Enterobacter auf Frühchenstation: Klinik stoppt Neuaufnahmen

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

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Auf der neonatologischen Intensivstation der St. Louise Frauen- und Kinderklinik in Paderborn ist bei vier Kindern ein Bakterium der Gattung Enterobacter nachgewiesen worden. Zwei Frühgeborene entwickelten nach Angaben der St. Vincenz-Kliniken eine schwere Sepsis. Eines der Kinder starb trotz intensivmedizinischer Behandlung. Der Zustand des zweiten schwer erkrankten Frühgeborenen habe sich bis Sonntagmorgen, 23. August 2026, weiter stabilisiert. Zwei weitere Kinder, bei denen der Erreger nachgewiesen wurde, zeigten demnach weiterhin keine Krankheitssymptome.

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Die Klinik setzte reguläre Neuaufnahmen auf der betroffenen Intensivstation vorsorglich aus. Notfälle könnten weiterhin versorgt werden, auch die übrige Versorgung von Frauen und Kindern sei nicht eingeschränkt. Zugleich seien Hygiene- und Schutzmaßnahmen ausgeweitet worden.

Die Ursache der Enterobacter-Infektionen in Paderborn sei bislang nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Klinik hätten die betroffenen Kinder bei ihrer Aufnahme zunächst negative Screeningbefunde gehabt. Die Erreger seien erst später nachgewiesen worden. Ob die bei den Kindern gefundenen Bakterien genetisch übereinstimmten und damit auf eine gemeinsame Übertragungskette hindeuteten, werde noch untersucht.

Vier Enterobacter-Nachweise auf der Intensivstation

Bekannt wurde die Häufung nach regelmäßigen mikrobiologischen Screenings und diagnostischen Untersuchungen. Nach Angaben der Klinik lagen die Befunde zu den Infektionen am Donnerstag, 20. August, vor. Das später gestorbene Frühgeborene sei bereits am Dienstag, 18. August, trotz intensivmedizinischer Behandlung einer schweren Sepsis erlegen.

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Die St. Vincenz-Kliniken teilten am Wochenende mit, dass umfangreiche weitere Untersuchungen veranlasst worden seien. Dazu gehörten zusätzliche mikrobiologische Kontrollen, verstärkte Desinfektionsmaßnahmen und eine möglichst auf einzelne Zimmer begrenzte Betreuung. Außerdem werde nach möglichen Quellen und Übertragungswegen gesucht.

Der Nachweis von Enterobacter allein belegt allerdings noch keine gemeinsame Infektionsquelle. Die Klinik erklärte, dass molekulargenetische Untersuchungen klären sollten, ob es sich bei den bei den Kindern gefundenen Bakterien um genetisch übereinstimmende Erreger handele. Erst damit ließe sich beurteilen, ob ein gemeinsamer Zusammenhang zwischen den Fällen wahrscheinlich sei.

Das Gesundheitsamt des Kreises Paderborn sei nach Angaben der Klinik in die Aufarbeitung eingebunden. Weitere Schritte würden mit der Krankenhaushygiene, der Mikrobiologie und der Behörde abgestimmt. Das Gesundheitsamt ist im Kreis unter anderem für Infektionsschutz und Hygieneüberwachung zuständig. Eine gesonderte behördliche Festlegung auf eine bestimmte Quelle oder einen bestimmten Übertragungsweg lag zunächst nicht vor.

Enterobacter gehört auch zur normalen Darmflora

Enterobacter ist kein einzelner Erreger, sondern eine Bakteriengattung. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung gehören Enterobacter-Bakterien zur normalen Darmflora des Menschen und kommen außerdem verbreitet in der Umwelt vor. Ein Nachweis muss deshalb nicht zwangsläufig mit einer Erkrankung verbunden sein.

Einige Arten können jedoch Infektionen auslösen. Besonders gefährdet seien Menschen mit geschwächtem Immunsystem, schwer Erkrankte und andere besonders empfindliche Patientengruppen. Dazu gehören auch sehr kleine oder früh geborene Kinder.

Mögliche Erkrankungen reichen von Harnwegs- und Atemwegsinfektionen bis zu Infektionen der Blutbahn. Bei einer Sepsis reagiert der gesamte Organismus auf eine Infektion. Für besonders vulnerable Patienten kann ein solcher Verlauf lebensbedrohlich werden.

Nach Angaben der St. Vincenz-Kliniken handelt es sich bei dem in Paderborn bislang nachgewiesenen Enterobacter nicht um einen multiresistenten Erreger. Aussagen darüber, welche konkrete Enterobacter-Art beziehungsweise welcher Stamm bei allen betroffenen Kindern vorliegt und wie das Bakterium auf die Station gelangte, waren zunächst noch nicht abschließend möglich.

Frühgeborene gelten als besonders vulnerable Patienten

Infektionsschutz hat auf neonatologischen Intensivstationen eine besondere Bedeutung. Frühgeborene verfügen noch nicht über ein vollständig entwickeltes Immunsystem. Viele benötigen zudem über längere Zeit invasive medizinische Versorgung, etwa Zugänge, Katheter oder Beatmung. Dadurch können Krankheitserreger leichter schwere Infektionen verursachen als bei gesunden älteren Kindern oder Erwachsenen.

Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut sieht deshalb für intensivmedizinisch behandelte Früh- und Neugeborene besondere Vorsorge- und Screeningmaßnahmen vor. Regelmäßige mikrobiologische Untersuchungen sollen unter anderem auffällige Besiedlungen früh erkennen und eine mögliche Ausbreitung auf Stationen begrenzen.

Aus einem Enterobacter-Nachweis lässt sich dabei nicht automatisch schließen, dass ein Kind tatsächlich erkrankt ist. Das zeigt auch das Geschehen in Paderborn: Bei zwei Kindern entwickelte sich nach Klinikangaben eine schwere Sepsis, während zwei weitere trotz Nachweises des Bakteriums keine entsprechenden Krankheitssymptome zeigten.

Neuaufnahmen bleiben vorerst eingeschränkt

Als zusätzliche Vorsichtsmaßnahme übernimmt die neonatologische Intensivstation derzeit keine regulären Neuaufnahmen. Die Notfallversorgung bleibe nach Angaben der Klinik sichergestellt. Die bereits auf der Station behandelten Familien seien von den behandelnden Ärztinnen und Ärzten informiert worden.

Wann der Aufnahmestopp aufgehoben werden könne, war zunächst offen. Maßgeblich dürften nach Darstellung der Klinik die weiteren mikrobiologischen und molekulargenetischen Ergebnisse sein. Bis dahin werde das Infektionsgeschehen engmaschig überwacht.

Offen blieb insbesondere, ob alle vier Nachweise auf denselben Bakterienstamm zurückgingen und ob sich eine gemeinsame Quelle oder Übertragungskette nachweisen lasse. Entsprechende Ergebnisse lagen bis Sonntagmittag noch nicht vor.

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