
Die Entscheidung über das künftige Aussehen der Euro-Banknoten rückt näher. Am Montag, 21. September 2026, endet die öffentliche Online-Umfrage der Europäischen Zentralbank zu zehn Gestaltungsvorschlägen für die nächste Banknotenserie. Bis 23.59 Uhr können Teilnehmer die Entwürfe bewerten. Eine unmittelbare Abstimmung über den Sieger ist die Befragung allerdings nicht. Welche Gestaltung tatsächlich umgesetzt wird, entscheidet der EZB-Rat voraussichtlich gegen Ende dieses Jahres.
Das Interesse an der Neugestaltung ist groß. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank hatten bis Mitte September bereits mehr als neun Millionen Menschen an der Online-Befragung teilgenommen. Sie läuft seit dem 23. Juli und ist in allen 24 Amtssprachen der Europäischen Union verfügbar. Teilnahmeberechtigt sind Menschen unabhängig von Alter, Staatsangehörigkeit und Wohnort.
Zur Auswahl stehen insgesamt zehn Gestaltungskonzepte. Sie beruhen auf den beiden Themen „Europäische Kultur“ sowie „Flüsse und Vögel“. Vorausgegangen war ein europaweiter Design-Wettbewerb. Mehr als 1.200 Grafikdesignerinnen und Grafikdesigner hatten sich nach Angaben der EZB beworben. 25 von ihnen wurden aufgefordert, konkrete Vorschläge einzureichen. Eine unabhängige Jury aus 21 Fachleuten stellte daraus die Endauswahl zusammen.
Die Namen der Designer spielten bei der öffentlichen Befragung bewusst keine Rolle. Die Entwürfe wurden mit Buchstaben gekennzeichnet, damit Bekanntheit oder Herkunft der Gestalter die Bewertung möglichst nicht beeinflussen. Die Teilnehmer sollen sich auf die Gestaltung der Banknoten konzentrieren.
Beim Thema „Europäische Kultur“ sind bekannte Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft und Literatur vorgesehen. Die Motive reichen von der Opernsängerin Maria Callas auf dem 5-Euro-Schein über Ludwig van Beethoven auf 10 Euro und Marie Curie Skłodowska auf 20 Euro bis zu Miguel de Cervantes auf 50 Euro, Leonardo da Vinci auf 100 Euro und der Friedensaktivistin Bertha von Suttner auf 200 Euro. Die Rückseiten greifen unter anderem Straßenkunst, Musik, Bildung, Bibliotheken, Museen und öffentliche Plätze auf.
Das zweite Thema verbindet europäische Flusslandschaften mit verschiedenen Vogelarten. Vorgesehen sind unter anderem ein Mauerläufer in einer Gebirgslandschaft, ein Eisvogel an einem Wasserfall, Bienenfresser an einem Flusstal, ein Weißstorch über einem mäandernden Fluss, ein Säbelschnäbler an einer Flussmündung und ein Basstölpel über dem Meer. Auf den Rückseiten sollen europäische Institutionen wie das Europäische Parlament, die Europäische Kommission, die Europäische Zentralbank und der Gerichtshof der Europäischen Union erscheinen.
Die beiden Grundthemen stehen bereits seit Ende 2023 fest. Damals entschied der EZB-Rat nach einer früheren Bürgerbefragung, sowohl die europäische Kultur als auch Naturmotive mit Flüssen und Vögeln weiterzuverfolgen. Bei einer repräsentativen Befragung hatte „Europäische Kultur“ damals 21 Prozent erreicht. Die Themen Flüsse und Vögel kamen einzeln auf 18 beziehungsweise 17 Prozent und wurden anschließend zu einem gemeinsamen Konzept zusammengeführt.
Mit dem Ende der Online-Umfrage steht noch nicht fest, welche Banknoten künftig ausgegeben werden. Parallel zur offenen Befragung lässt die EZB dieselben Entwürfe durch eine repräsentativ ausgewählte Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern des Euroraums bewerten. Damit soll neben der sehr großen, aber selbst ausgewählten Gruppe der Online-Teilnehmer auch ein statistisch besser vergleichbares Meinungsbild entstehen.
Der EZB-Rat will für seine endgültige Auswahl mehrere Faktoren zusammenführen. Dazu gehören die Ergebnisse der öffentlichen und der repräsentativen Befragung, die Bewertung der Wettbewerbsjury sowie eine technische Prüfung der Entwürfe. Die Resultate der Befragungen sollen nach der endgültigen Auswahl des Gestaltungskonzepts veröffentlicht werden.
Damit ist die Befragung zwar ein Bestandteil der Entscheidung, aber keine verbindliche Volksabstimmung. Ein Entwurf mit besonders guten Ergebnissen in der Online-Umfrage wird deshalb nicht automatisch zur neuen Banknotenserie. Die abschließende Entscheidung liegt beim EZB-Rat.
Selbst nach der für Ende 2026 erwarteten Designentscheidung werden die neuen Euro-Scheine nicht unmittelbar in Umlauf kommen. Das ausgewählte Konzept muss weiter ausgearbeitet und getestet werden. Hinzu kommen die technische Entwicklung neuer Sicherheitsmerkmale sowie die Vorbereitung der Produktion. Die EZB rechnet deshalb mit mehreren Jahren bis zur Ausgabe der ersten Banknoten der neuen Serie.
Mit der Neugestaltung verfolgt die Zentralbank mehrere Ziele. Die Scheine sollen besser gegen moderne Fälschungsmethoden geschützt, leichter erkennbar und insbesondere für Menschen mit Sehbehinderungen besser nutzbar werden. Außerdem soll die Umweltbelastung bei Herstellung und Nutzung reduziert werden.
Es handelt sich um die erste vollständige Neugestaltung der Euro-Banknoten seit Einführung des Bargelds im Jahr 2002. Zwar wurde ab 2013 bereits die sogenannte Europa-Serie eingeführt, die grundsätzliche Gestaltung mit architektonischen Motiven blieb jedoch erhalten. Die neue Generation soll sich davon deutlich lösen und erstmals reale Persönlichkeiten oder konkrete Naturmotive in den Mittelpunkt stellen.
Die bisherigen Euro-Banknoten verlieren mit Einführung der neuen Serie nicht automatisch ihren Wert. Nach Angaben der EZB sollen bestehende Scheine zunächst weiter im Umlauf bleiben. Der nächste entscheidende Schritt folgt nun nach dem Ende der Bürgerbefragung: Gegen Ende 2026 soll feststehen, welches der zehn Konzepte zum neuen Gesicht des Euro wird.






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