Euro fällt nach hohen US-Inflationszahlen auf tiefsten Stand seit Mai 2025

Erbschaftsteuer vor dem Umbruch? Was sich für Erben ändern könnte
Deutschland belegt laut OECD Taxing Wages 2026 Rang 2 der höchsten Steuerlast.

Teilen:

Der Euro hat am Mittwoch, 14. Oktober 2026, gegenüber dem US-Dollar deutlich an Wert verloren. Im Tagesverlauf sank die Gemeinschaftswährung auf 1,1113 US-Dollar und erreichte damit den niedrigsten Kurs seit Mai 2025. Auslöser der erneuten Schwäche waren neue Inflationszahlen aus den Vereinigten Staaten, die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen durch die US-Notenbank verstärkten. Für Menschen in Deutschland kann ein schwächerer Euro vor allem bei Reisen in die USA und bei Waren aus dem Dollarraum höhere Kosten bedeuten.

Anzeige

Eurokurs fällt nach Veröffentlichung der US-Inflation

Noch am Mittwochmorgen war der Euro zeitweise mit mehr als 1,12 Dollar gehandelt worden. Nach der Veröffentlichung der amerikanischen Verbraucherpreise am Nachmittag gab die Währung spürbar nach. Im US-Handel erholte sie sich nur teilweise. Am Mittwoch um 21.37 Uhr deutscher Zeit lag der Euro laut der Kursangabe von dpa-AFX bei 1,1154 US-Dollar. Das zwischenzeitliche Tagestief lag bei 1,1113 Dollar.

Der Rückgang zeigt, wie stark der Devisenmarkt auf Veränderungen der Zinserwartungen reagiert. Steigen die Renditen von US-Staatsanleihen und rechnen Marktteilnehmer mit höheren Leitzinsen, kann das Anlagen in Dollar attraktiver machen. Eine höhere Nachfrage nach dem Dollar drückt umgekehrt auf den Kurs des Euro. Die Kursbewegung vom Mittwoch ist jedoch keine Aussage darüber, wie sich das Währungspaar in den kommenden Tagen entwickeln wird.

US-Inflation steigt im September auf 3,7 Prozent

Nach Angaben des US-Arbeitsministeriums stiegen die Verbraucherpreise im September gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,7 Prozent. Im August hatte die jährliche Inflationsrate bei 3,4 Prozent gelegen. Ökonomen hatten für September im Mittel mit 3,6 Prozent gerechnet. Die aktuellen Zahlen fielen damit etwas höher aus als erwartet.

Anzeige

Gegenüber August legten die Verbraucherpreise saisonbereinigt um 0,6 Prozent zu. Besonders deutlich stiegen die Energiekosten. Allein Benzin verteuerte sich im September um 9,1 Prozent gegenüber dem Vormonat und war für mehr als die Hälfte des monatlichen Anstiegs des gesamten Verbraucherpreisindex verantwortlich. Die sogenannte Kerninflation, bei der Energie und Nahrungsmittel herausgerechnet werden, lag im Jahresvergleich bei 2,6 Prozent nach 2,4 Prozent im August.

Für die US-Notenbank Federal Reserve sind solche Daten ein wichtiger Faktor bei ihren Zinsentscheidungen. Eine anhaltend hohe Inflation kann gegen eine Lockerung der Geldpolitik sprechen und weitere Zinserhöhungen wahrscheinlicher machen. An den Finanzmärkten nahmen nach der Veröffentlichung die Erwartungen an eine erneute Anhebung des US-Leitzinses zu. Eine konkrete künftige Entscheidung der Federal Reserve lässt sich aus den Inflationszahlen aber nicht ableiten.

Warum der EZB-Referenzkurs höher liegt

Die Europäische Zentralbank setzte ihren Referenzkurs für den 14. Oktober auf 1,1195 US-Dollar je Euro fest. Am Dienstag hatte dieser Kurs bei 1,1188 Dollar gelegen. Dass der offizielle Wert vom Mittwoch höher ausfiel als am Vortag, widerspricht dem späteren Kursrückgang nicht.

Der EZB-Referenzkurs wird anhand eines festgelegten Verfahrens im Tagesverlauf ermittelt und dient als Orientierung. Er ist kein Schlusskurs und auch nicht der Preis, zu dem Privatkunden automatisch Geld wechseln können. Die amerikanischen Inflationszahlen wurden erst nach der maßgeblichen Kursfeststellung veröffentlicht. Die anschließende Abwärtsbewegung des Euro ist deshalb im EZB-Wert für Mittwoch noch nicht abgebildet.

Ein schwächerer Euro kann USA-Reisen verteuern

Wer mit Euro bezahlt, aber Ausgaben in US-Dollar hat, muss für denselben Dollarbetrag mehr Euro aufbringen, wenn der Eurokurs fällt. Das betrifft etwa Hotelrechnungen, Mietwagen, Restaurantbesuche und Einkäufe während einer USA-Reise. Auch digitale Dienste oder Onlinekäufe, die in Dollar abgerechnet werden, können teurer werden.

Ein Rechenbeispiel zeigt den Effekt: Bei einem Kurs von 1,12 Dollar je Euro kosten 100 Dollar umgerechnet rund 89,29 Euro. Bei 1,11 Dollar je Euro sind es rund 90,09 Euro. Hinzu kommen gegebenenfalls Wechselkursaufschläge und Gebühren der Bank oder des Zahlungsdienstleisters.

Für Reisen innerhalb des Euroraums ändert sich durch den Dollar-Wechselkurs dagegen unmittelbar nichts. Auch bei Fernreisen außerhalb der USA hängt die Wirkung davon ab, wie sich die jeweilige Landeswährung zum Euro entwickelt.

Auch Energie und importierte Waren betroffen

Ein schwächerer Euro kann sich auf die Importkosten auswirken. Viele international gehandelte Rohstoffe, darunter Erdöl, werden in US-Dollar notiert. Müssen Unternehmen mehr Euro für die benötigten Dollar ausgeben, verteuert das bei sonst gleichen Bedingungen ihre Beschaffung. Das kann mittelbar auch Verbraucher treffen, etwa beim Tanken oder beim Kauf von Produkten mit importierten Bestandteilen.

Allerdings bestimmt der Wechselkurs nicht allein den Endpreis. Rohstoffpreise, Steuern, Transportkosten, vertraglich vereinbarte Kurse und die Preispolitik der Anbieter spielen ebenfalls eine Rolle. Aus dem Kursrückgang am Mittwoch lässt sich deshalb kein bestimmter Anstieg an Tankstellen oder in Geschäften ableiten.

Deutsche Exporteure können profitieren, aber nicht alle

Für exportorientierte Unternehmen kann ein schwächerer Euro Vorteile haben. Werden ihre Produkte in Dollar angeboten, können sie für Kunden im Dollarraum günstiger erscheinen. Erhalten Unternehmen Einnahmen in US-Dollar, können diese bei der Umrechnung außerdem mehr Euro wert sein.

Dem stehen mögliche Mehrkosten für importierte Rohstoffe und Vorprodukte gegenüber. Zudem sichern viele größere Unternehmen Wechselkursrisiken über Finanzgeschäfte ab oder vereinbaren Preise langfristig. Ob sich die wirtschaftliche Lage eines bestimmten Betriebs durch den schwächeren Euro verbessert, hängt daher von seinen Absatzmärkten, Einkaufskosten und Verträgen ab.

Die Entwicklung am 14. Oktober macht vor allem deutlich, wie eng Inflation, Zinsen und Wechselkurse miteinander verknüpft sind. Für Verbraucher sind kurzfristig besonders Zahlungen in Dollar relevant. Ob sich der Kursrückgang darüber hinaus in deutschen Ladenpreisen niederschlägt, hängt von der Dauer der Wechselkursbewegung und weiteren wirtschaftlichen Faktoren ab.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu