
Bei der Suche nach einer neuen Führung für die Europäische Zentralbank (EZB) sind zwei Bewerber offiziell benannt. Spanien hat am Freitag, 6. November 2026, Pablo Hernández de Cos vorgeschlagen. Die Niederlande unterstützen den früheren Zentralbankchef Klaas Knot. Die Lagarde-Nachfolge wird notwendig, weil EZB-Präsidentin Christine Lagarde ihren Rücktritt für den 7. Februar 2027 angekündigt hat.
Die spanische Regierung hat die Kandidatur von Pablo Hernández de Cos am Freitag offiziell eingereicht. Der stellvertretende Regierungschef und Wirtschaftsminister Carlos Cuerpo übermittelte den Vorschlag in einem Schreiben an den Vorsitzenden der Eurogruppe, Kyriakos Pierrakakis.
Hernández de Cos leitete von 2018 bis 2024 die spanische Zentralbank und gehörte während dieser Zeit dem EZB-Rat an. Seit Juli 2025 ist er Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. Die internationale Institution fördert die Zusammenarbeit zwischen Zentralbanken. Zuvor hatte Hernández de Cos unter anderem den Basler Ausschuss für Bankenaufsicht geleitet.
Die niederländische Regierung hatte bereits am Mittwoch, 4. November, den früheren Notenbankpräsidenten Klaas Knot als Kandidaten benannt. Der Ökonom stand von 2011 bis Juni 2025 an der Spitze der niederländischen Zentralbank und war ebenfalls Mitglied des EZB-Rats.
Knot hatte sich in geldpolitischen Debatten wiederholt für eine vergleichsweise straffe Linie ausgesprochen. Auch Bundesbankpräsident Joachim Nagel hatte Interesse an dem Spitzenamt erkennen lassen. Eine offizielle deutsche Nominierung war zunächst nicht bestätigt. Weitere Kandidaturen konnten bis zum Ende der Bewerbungsfrist am Freitag eingereicht werden.
Die Finanzminister der 21 Eurostaaten wollen sich am Montag, 9. November, mit den eingegangenen Kandidaturen befassen. Bei dem Treffen der Eurogruppe in Brüssel ist zunächst eine Bestandsaufnahme vorgesehen. Eine Entscheidung für einen einzelnen Bewerber ist für diesen Termin nicht geplant.
Das weitere Verfahren ist in Artikel 283 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union geregelt. Nach der Verständigung innerhalb der Eurogruppe spricht der Rat der EU eine Empfehlung aus. Anschließend werden das Europäische Parlament und der EZB-Rat angehört. Die endgültige Ernennung erfolgt durch den Europäischen Rat.
Für die Entscheidung ist eine verstärkte qualifizierte Mehrheit erforderlich. Mindestens 16 der 21 Eurostaaten müssen zustimmen und gemeinsam wenigstens 65 Prozent der Bevölkerung des Euroraums vertreten. Das Europäische Parlament gibt eine Stellungnahme ab, entscheidet aber nicht selbst über die Besetzung.
Nach dem angestrebten Zeitplan könnten sich die europäischen Staats- und Regierungschefs beim Gipfel am 17. und 18. Dezember auf eine Nachfolge verständigen. Sollte das Verfahren mehr Zeit benötigen, wäre auch eine Ernennung im Januar 2027 möglich.
Christine Lagarde steht seit November 2019 an der Spitze der Europäischen Zentralbank. Ihr achtjähriges Mandat sollte regulär am 31. Oktober 2027 enden. Am 29. Oktober kündigte sie jedoch an, ihr Amt bereits am 7. Februar 2027 und damit knapp neun Monate früher niederzulegen.
Als Grund nannte Lagarde den Wunsch, sich künftig freier zu Themen außerhalb der Geldpolitik äußern und engagieren zu können. Als EZB-Präsidentin ist sie zur politischen Neutralität verpflichtet. In früheren Äußerungen hatte sie auch die politische Debatte vor der französischen Präsidentschaftswahl 2027 angesprochen.
Neben dem Präsidentenamt müssen weitere Positionen im sechsköpfigen EZB-Direktorium neu besetzt werden. Die deutsche Direktorin Isabel Schnabel scheidet am 3. Januar 2027 aus und wechselt zum Internationalen Währungsfonds. Die Amtszeit des bisherigen Chefvolkswirts Philip Lane endet im Mai 2027. Deshalb könnten die europäischen Regierungen über mehrere Personalentscheidungen gemeinsam verhandeln.
Die künftige Führung der EZB wird Einfluss auf die geldpolitischen Beratungen und die öffentliche Kommunikation der Zentralbank haben. Über Zinserhöhungen und Zinssenkungen entscheidet allerdings der gesamte EZB-Rat. Neben den sechs Direktoriumsmitgliedern gehören ihm die Präsidenten der nationalen Zentralbanken der Eurostaaten an, darunter Bundesbankpräsident Joachim Nagel.
Bei ihrer jüngsten Zinsentscheidung am 29. Oktober hatte die EZB die Leitzinsen unverändert gelassen. Der Einlagensatz beträgt seit September 2,50 Prozent. Die Zentralbank verfolgt weiterhin das Ziel, die Inflation mittelfristig bei zwei Prozent zu stabilisieren.
Für Deutschland sind die Entscheidungen der EZB unter anderem wegen ihrer Auswirkungen auf Kreditkosten, Sparzinsen und die Finanzierung von Unternehmen von Bedeutung. Ob sich die geldpolitische Ausrichtung unter einer neuen Präsidentschaft verändern wird, lässt sich aus den bisherigen Kandidaturen nicht unmittelbar ableiten.
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