Deutschlands erster F-35-Jet hebt ab und leitet den Tornado-Wechsel ein

Mittendrin Flughafen Frankfurt – Terminal 3 Testbetrieb mit Komparsen
Mittendrin Flughafen Frankfurt heute um 21:00 Uhr im HR (Foto: Symbolbild)

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Die erste deutsche F-35 hat in den USA ihren Erstflug absolviert. Die Maschine mit der Bundeswehr-Kennung 35+01 und der Herstellerbezeichnung MG-01 startete am 8. September 2026 im texanischen Fort Worth zu ihrem ersten Erprobungsflug. Für die Bundeswehr ist damit ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Einführung des neuen Kampfflugzeugs erreicht. Deutschland hat 35 F-35A bestellt, die einen wesentlichen Teil der Aufgaben der alternden Tornado-Flotte übernehmen sollen.

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Der Erstflug bedeutet noch nicht, dass der Jet unmittelbar an die Luftwaffe in Deutschland übergeben wird. Die erste Maschine soll zunächst in den USA bleiben und dort für die Ausbildung deutscher Piloten eingesetzt werden. Die ersten F-35 sollen nach bisherigem Plan Ende 2027 am Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz eintreffen. Bis 2030 soll der Tornado ausgemustert werden.

Erste Maschinen dienen zunächst der Ausbildung in den USA

Die Bundeswehr hatte sich im März 2022 für die Beschaffung der F-35A entschieden und den Vertrag mit der US-Regierung im Dezember desselben Jahres geschlossen. Der Kauf erfolgt im Rahmen des amerikanischen Foreign-Military-Sales-Verfahrens. Neben den Flugzeugen umfasst das deutsche Paket unter anderem Ersatzteile, Bewaffnung und Wartungsleistungen für die ersten Jahre. Die Bundeswehr beziffert die dafür bereitgestellten Mittel inzwischen auf knapp zehn Milliarden Euro.

Die Ausbildung von Technikern und Piloten läuft beziehungsweise beginnt zunächst in den Vereinigten Staaten. Als Standort ist die Ebbing Air National Guard Base im Bundesstaat Arkansas vorgesehen, die für die Ausbildung internationaler F-35-Nutzer ausgebaut wurde. MG-01 soll deshalb nach seiner Übergabe nicht unmittelbar nach Deutschland fliegen. Parallel entstehen in Fort Worth weitere Maschinen für die Bundeswehr.

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Am Standort Büchel wird währenddessen die notwendige Infrastruktur aufgebaut. Dazu gehören unter anderem Hallen für Wartung und Instandsetzung, ein Ersatzteillager und Einrichtungen für die Einsatzplanung. Die ersten Flugzeuge sollen dort Ende 2027 eintreffen. Danach ist eine schrittweise Einführung in den regulären Flugbetrieb vorgesehen.

F-35 soll den Tornado bei der nuklearen Teilhabe ersetzen

Eine zentrale Aufgabe der deutschen F-35-Flotte ist die Fortsetzung der nuklearen Teilhabe innerhalb der NATO. Deutschland besitzt keine eigenen Atomwaffen. Im Rahmen des Bündnismodells stellt die Bundeswehr jedoch Flugzeuge und Besatzungen bereit, die im Konfliktfall nach entsprechenden politischen Entscheidungen amerikanische Nuklearwaffen einsetzen könnten.

Diese Aufgabe übernimmt bislang der Tornado. Da die Maschinen seit den 1980er-Jahren im Dienst stehen und ihre technische Unterstützung zunehmend aufwendig wird, benötigt die Luftwaffe rechtzeitig einen Nachfolger. Die F-35A wurde auch deshalb ausgewählt, weil der Flugzeugtyp für die nukleare Rolle innerhalb der NATO vorgesehen ist. Andere Bündnispartner stellen ihre entsprechenden Fähigkeiten ebenfalls auf die F-35 um.

Die niederländische F-35A wurde bereits für die sogenannte Dual-Capable-Aircraft-Rolle zertifiziert. Für Deutschland folgt die Einführung nach dem eigenen Ausbildungs-, Integrations- und Zertifizierungsprozess. Bis zum Übergang muss der Tornado die deutsche Beteiligung an der nuklearen Teilhabe weiter gewährleisten.

Die F-35 bindet Deutschland eng an ein US-geführtes System

Mit der Beschaffung erhält die Luftwaffe ein modernes Tarnkappenflugzeug mit umfangreicher Sensorik und starker digitaler Vernetzung. Gleichzeitig bindet sich Deutschland langfristig an ein multinationales Programm, dessen zentrale Strukturen in den Vereinigten Staaten liegen. Entwicklung, Software, Ersatzteilversorgung, technische Dokumentation und Teile der Wartungsorganisation werden innerhalb eines internationalen Systems gesteuert, in dem US-Behörden und der Hersteller Lockheed Martin eine zentrale Rolle spielen.

Damit unterscheidet sich die F-35 von einem vollständig national kontrollierten Waffensystem. Abhängigkeiten bestehen insbesondere bei Softwarepflege, Ersatzteilen, technischen Daten und bestimmten Wartungsarbeiten. Der US-Rechnungshof hat wiederholt darauf hingewiesen, dass selbst die amerikanischen Streitkräfte bei Teilen der Instandhaltung auf Herstellerunterstützung angewiesen sind und nicht für alle Arbeiten über die notwendigen technischen Daten und Nutzungsrechte verfügen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Washington die deutschen Flugzeuge per Fernsteuerung abschalten kann. Für die zeitweise diskutierte Behauptung eines eingebauten sogenannten Kill Switch gibt es keine belastbare Bestätigung. Das Bundesverteidigungsministerium hat eine solche Fernabschaltmöglichkeit zurückgewiesen. Die praktisch relevantere Frage betrifft deshalb die langfristige Versorgung mit Software, Ersatzteilen, technischem Wissen und Unterstützungsleistungen.

Deutschland setzt zugleich auf europäische und transatlantische Systeme

Die Bundesregierung verfolgt bei der militärischen Beschaffung keinen vollständigen Rückzug aus amerikanischen Systemen. Zugleich soll die europäische Rüstungsindustrie gestärkt und die Abhängigkeit von einzelnen ausländischen Lieferanten reduziert werden. Auch beim F-35-Programm sind europäische Unternehmen an der Lieferkette beteiligt. In Deutschland baut Rheinmetall beispielsweise Rumpfmittelteile für das internationale F-35-Programm.

Für die Luftwaffe ergänzt die F-35 künftig den Eurofighter. Beide Muster übernehmen unterschiedliche Aufgaben. Während die F-35 insbesondere Fähigkeiten zur Bekämpfung stark geschützter Ziele, zur Aufklärung und zur nuklearen Teilhabe mitbringt, bleibt der Eurofighter ein zentraler Bestandteil der deutschen Luftverteidigung und soll zusätzlich für die elektronische Kampfführung weiterentwickelt werden.

Der Erstflug von 35+01 ändert am grundlegenden Beschaffungsplan zunächst nichts. Er zeigt jedoch, dass das Programm von der Produktionsphase in die Flugerprobung übergeht. Entscheidend für die Bundeswehr werden nun die Ausbildung in den USA, die Fertigstellung der Infrastruktur in Büchel und die rechtzeitige Einführung der neuen Jets sein. Nur wenn dieser Übergang gelingt, kann der Tornado wie vorgesehen bis 2030 aus dem Dienst genommen werden.

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