
Ein heller Feuerball, ein Überschallknall über New York und ein Einschlag in einem Wohnhaus in New Jersey: Zwei Jahre nach dem Ereignis haben Forscher den geborgenen Hillsborough-Meteoriten umfassend analysiert. Die am 15. Juli 2026 veröffentlichte Studie zeigt, dass das Gestein zu einer äußerst seltenen Gruppe kohlenstoffreicher Meteoriten gehört.
Der Feuerball wurde bereits am 16. Juli 2024 beobachtet. Streng genommen bezeichnet der Begriff Feuerball den besonders hellen Meteor in der Atmosphäre. Erst die Bruchstücke, die den Boden erreichen, werden als Meteoriten bezeichnet.
Der Meteoroid trat am 16. Juli 2024 gegen 11.17 Uhr Ortszeit, 15.17 Uhr UTC, in die Erdatmosphäre ein. Nach Berechnungen der Forscher zog er südlich an der Freiheitsstatue vorbei und bewegte sich über Staten Island in westlicher Richtung nach New Jersey. Seine Geschwindigkeit lag bei rund 14,4 Kilometern pro Sekunde, was etwa 51.800 Kilometern pro Stunde entspricht.
Die American Meteor Society registrierte 60 Beobachtungsberichte aus New York, New Jersey, Connecticut, Rhode Island, Pennsylvania, Delaware und Maryland. Mehrere Menschen in New York und New Jersey nahmen zudem die Druckwelle wahr.
Mindestens zwei fest installierte Himmelskameras in Northford im Bundesstaat Connecticut und Douglassville in Pennsylvania filmten den Feuerball. Hinzu kam die Aufnahme einer Türkamera in Wayne, New Jersey. Auf der Ereignisseite der American Meteor Society sind zwei Videos und ein Foto dokumentiert.
Die Aufnahmen ermöglichten es den Forschern, die Flugbahn zu rekonstruieren. Der Meteoroid zerbrach früh und war unterhalb einer Höhe von etwa 35 Kilometern nicht mehr sichtbar. Ein Doppler-Wetterradar am Flughafen Newark erfasste anschließend eine langgezogene Wolke fallender Fragmente zwischen Staten Island und New Jersey. Die Flugbahn deutet auf einen Ursprung im inneren Asteroidengürtel hin.
Nur wenige Minuten nach dem Feuerball hörte ein Hausbesitzer in Hillsborough, New Jersey, einen lauten Einschlag. Ein größeres Bruchstück hatte das Dach durchschlagen und war im Schlafzimmer zerbrochen. Auf dem Bett, dem Teppich und in der Umgebung lagen schwarze Fragmente und feiner Staub. Zudem wurde ein schwefelähnlicher Geruch wahrgenommen.
Der Bewohner trug bei der Bergung Handschuhe, wickelte die Teile in Aluminiumfolie und lagerte sie in Glasbehältern. Dadurch wurde eine stärkere Verunreinigung durch Feuchtigkeit und Stoffe aus der irdischen Umgebung verhindert. Die Meteoritical Society führt für den Fund eine bekannte Gesamtmasse von rund 1.350 Gramm auf.
Die Laboruntersuchungen ordnen Hillsborough als kohlenstoffreichen Chondriten des Typs CM1/2 ein. Diese Einstufung beschreibt ein Übergangsstadium zwischen zwei unterschiedlich stark durch Wasser veränderten Meteoritentypen. Hillsborough ist erst der zweite beobachtete Fall eines CM1/2-Meteoriten. Zuvor war lediglich der 2020 in Indonesien niedergegangene Kolang-Meteorit entsprechend klassifiziert worden.
Insgesamt handelt es sich erst um den 22. dokumentierten Fall eines CM-Meteoriten. Ein eindeutiger CM1-Meteorit wurde bislang noch nie während seines Falls beobachtet. Wegen der schnellen und vorsichtigen Sicherung gelten die Hillsborough-Fragmente zudem als besonders ursprüngliche Proben dieser seltenen Klasse.
In dem Meteoriten fanden die Wissenschaftler Spuren konzentrierter Salzlösungen, die einst durch den Mutterasteroiden geflossen sein müssen. Mikroskopisch kleine Risse enthielten natriumreiche Ablagerungen und empfindliche Carbonatsalze. Nach Angaben der NASA wurden solche Salze erstmals in einem CM-Chondriten nachgewiesen. Ähnliche Strukturen sind aus Proben der Asteroiden Bennu und Ryugu bekannt.
Die Analysen ergaben außerdem eine große Vielfalt an Aminosäuren, Carbonsäuren und weiteren kohlenstoffhaltigen Verbindungen. Dabei handelt es sich nicht um einen Nachweis außerirdischen Lebens. Die Stoffe zeigen jedoch, dass kohlenstoffreiche Asteroiden chemische Bausteine zur frühen Erde transportiert haben könnten. Als möglicher Ursprung gilt die Asteroidenfamilie Erigone im inneren Asteroidengürtel.
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