
Deutsche Feuerwehrkräfte in Serbien sollen die örtlichen Einsatzteams bei der Bekämpfung großflächiger Vegetationsbrände unterstützen. Am Samstag, 22. August 2026, machte sich ein deutsches Waldbrandmodul mit Spezialkräften aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auf den Weg in das Balkanland. Die Ankunft im Nordwesten Serbiens wird für Montag erwartet. Der Einsatz erfolgt über das Katastrophenschutzverfahren der Europäischen Union und ist nach Angaben aus Bonn zunächst auf rund zehn Tage ausgelegt.
Serbien hatte am Freitag über den EU-Katastrophenschutzmechanismus internationale Unterstützung angefordert. Die serbischen Behörden bestätigten anschließend die Annahme eines deutschen Angebots über 55 Feuerwehr- und Rettungskräfte mit 24 Fahrzeugen. Nach dem tatsächlichen Aufbruch am Samstag nannte ein für den deutschen Verband zuständiger Feuerwehrsprecher jedoch 52 Einsatzkräfte und insgesamt 22 Fahrzeuge.
Damit beziehen sich die beiden Zahlen auf unterschiedliche Planungsstände. Für den am Samstag gestarteten Verband gilt nach den Angaben aus Deutschland die Zahl von 52 Kräften. Neun davon kommen aus Niedersachsen. Sie fuhren mit drei Fahrzeugen von Celle aus los. Der nordrhein-westfälische Teil startete mit 19 Fahrzeugen aus Bonn.
Das deutsche Kontingent gehört zum sogenannten GFFF-V DE1. Die Abkürzung steht für Ground Forest Fire Fighting using Vehicles. Die Einheit ist für die Waldbrandbekämpfung am Boden mit geländegängigen Fahrzeugen vorgesehen und kann im Rahmen des europäischen Katastrophenschutzes grenzüberschreitend eingesetzt werden.
Zum Verband gehören neben Feuerwehrkräften auch Fachberater der Hilfsorganisation at fire und eine Versorgungseinheit der Johanniter-Unfall-Hilfe. Die konkrete Aufteilung der Aufgaben in Serbien soll nach der Ankunft mit der dortigen Einsatzleitung festgelegt werden.
Die Führung des deutschen Moduls liegt bei Nordrhein-Westfalen. Getragen wird die dortige Waldbrandeinheit von den Feuerwehren Bonn, Düsseldorf, Leverkusen, Königswinter und Ratingen. Aus Düsseldorf sind bei der Serbien-Mission fünf Einsatzkräfte mit drei geländegängigen Fahrzeugen beteiligt. Leverkusen entsandte drei Feuerwehrkräfte sowie ein geländegängiges Tanklöschfahrzeug und ein weiteres Löschfahrzeug.
Niedersachsen unterstützt das Modul mit einem eigenen Teilkontingent. Nach Angaben des niedersächsischen Innenministeriums gehören acht ehrenamtliche Einsatzkräfte aus den GFFF-V-Einheiten der Landkreise Gifhorn, Uelzen, Lüchow-Dannenberg und Lüneburg dazu. Hinzu kommt ein Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesamtes für Brand- und Katastrophenschutz als Teilkontingentführer.
Die niedersächsischen Kräfte bringen zwei speziell für Vegetationsbrände ausgelegte Waldbrandtanklöschfahrzeuge vom Typ CCFM mit. Zusammen mit einem weiteren Fahrzeug brach die Gruppe zunächst von Celle auf und schloss sich auf der Fahrt mit dem übrigen deutschen Verband zusammen.
Ausgangspunkt des Einsatzes war ein serbisches Hilfeersuchen. Die Regierung in Belgrad aktivierte am 21. August den Katastrophenschutzmechanismus der Europäischen Union. Serbien ist zwar kein EU-Mitglied, nimmt aber an dem System teil und kann darüber bei großen Katastrophen Unterstützung anderer Staaten anfordern.
Nach Eingang eines solchen Ersuchens koordiniert das Emergency Response Coordination Centre der Europäischen Kommission die angebotenen Hilfsmittel. Auf deutscher Seite sind unter anderem das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, die Innenministerien von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sowie die beteiligten Feuerwehren eingebunden.
Das Hilfeersuchen traf nach Angaben der Feuerwehr Bonn am späten Freitagabend ein. Bereits am Samstagmorgen sammelte sich das deutsche Modul in Bonn und begann die Fahrt Richtung Serbien. Die operative Koordinierung des deutschen Kontingents erfolgt in Abstimmung zwischen dem Gemeinsamen Melde- und Lagezentrum, der Feuerwehr Bonn und den europäischen Stellen.
Die Kosten des internationalen Einsatzes werden nach Angaben der beteiligten deutschen Feuerwehren von der Europäischen Union und dem Bund getragen.
Schwerpunkt der Waldbrandlage ist das Naturgebiet Deliblatska Pescara in der nordserbischen Provinz Vojvodina. Das großflächige Sand- und Waldgebiet liegt nordöstlich von Belgrad und ist wegen seiner Vegetation und des schwierigen Geländes besonders anspruchsvoll für die Brandbekämpfung.
Die Feuer hatten sich dort seit Anfang August erheblich ausgebreitet. Die serbische Regierung bezifferte die betroffene Fläche Mitte August zunächst auf mehr als 3.000 Hektar und später auf mehr als 3.500 Hektar. Innenminister Ivica Dacic sprach zeitweise von rund 3.600 Hektar.
Die Lage wurde durch hohe Temperaturen, ausgetrocknete Vegetation, anhaltenden Niederschlagsmangel und wechselnde starke Winde erschwert. Hinzu kommt der sandige Untergrund. In Teilen des Brandgebiets können selbst schwere Fahrzeuge nicht eingesetzt werden.
Mehrere hundert serbische Kräfte waren in den vergangenen Tagen täglich mit den Löscharbeiten beschäftigt. Neben Feuerwehr und Katastrophenschutz kamen Hubschrauber, Einheiten der Streitkräfte, öffentliche Betriebe, freiwillige Feuerwehren und schweres Gerät zum Einsatz. Nach offiziellen serbischen Angaben gab es bei dem Großbrand bis zuletzt keine Todesopfer und keine zerstörten Wohnhäuser.
Neben Deliblatska Pescara waren im August zahlreiche weitere Vegetationsbrände in Serbien aktiv. Zu den größeren Einsatzstellen gehörte der Berg Stolovi bei Kraljevo. Zeitweise meldeten die Behörden mehrere Dutzend Brände im Freien gleichzeitig.
Deutschland ist nicht das einzige Land, das auf die serbische Anfrage reagiert. Über den EU-Katastrophenschutzmechanismus wurden vier Black-Hawk-Hubschrauber für die Brandbekämpfung bereitgestellt. Ein Hubschrauber kommt aus Rumänien, zwei aus Tschechien und einer aus der Slowakei.
Rumänien entsendet zusätzlich einen Bodentrupp mit 69 Feuerwehrkräften und 15 Fahrzeugen. Zusammen mit dem ursprünglich von Serbien angenommenen deutschen Angebot sollte die Bodenverstärkung damit 124 Kräfte und 39 Fahrzeuge umfassen.
Die ersten Hubschrauber und rumänischen Einheiten erreichten Serbien bereits am Samstag. Die deutsche Mannschaft wird nach der mehrtägigen Anfahrt am Montag erwartet.
Parallel setzt Serbien Unterstützung aus Russland ein. Eine Iljuschin Il-76 des russischen Katastrophenschutzministeriums landete bereits am 19. August im südserbischen Nis und wurde anschließend zur Brandbekämpfung eingesetzt. Die Maschine kann große Mengen Löschwasser aufnehmen und wurde angefordert, weil entsprechende Großflugzeuge kurzfristig nicht über den europäischen Mechanismus verfügbar waren.
Für die deutschen Feuerwehrleute ist die Mission nach Angaben eines Sprechers des Feuerwehr- und Rettungsdienstes Bonn zunächst auf etwa zehn Tage angelegt. Darin fallen auch die lange Anfahrt und die Rückverlegung. Wie lange die Mannschaft tatsächlich im Brandgebiet eingesetzt wird, hängt damit auch von der Entwicklung der Feuer ab.
Der deutsche Verband soll vor allem bei der bodengebundenen Waldbrandbekämpfung helfen. Solche GFFF-V-Module können auch in unwegsamem Gelände operieren, Löschwasser transportieren, Brandränder bearbeiten und Glutnester bekämpfen. Zudem müssen sie ihre eigene Versorgung und Führung für einen internationalen Einsatz weitgehend selbst organisieren können.
Für das seit 2019 im europäischen Katastrophenschutzverfahren gemeldete deutsche Modul ist Serbien bereits der sechste Auslandseinsatz. 2026 war die Einheit zuvor bei Waldbränden in den Niederlanden und in Spanien aktiv. Erst wenige Tage vor dem Aufbruch nach Serbien unterstützte sie zudem die Löscharbeiten beim Waldbrand im Kreis Düren.
Der Einsatz fällt in eine erneut sehr schwere Waldbrandsaison in Europa. Nach Daten des Europäischen Waldbrandinformationssystems EFFIS waren in der Europäischen Union bis zum 20. August 2026 rund 620.000 Hektar von Bränden betroffen. Erfasst werden dabei Feuer ab einer Größe von etwa 30 Hektar.
Damit liegt die bisherige Brandfläche deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Das Rekordjahr 2025 verlief zum gleichen Zeitpunkt allerdings noch schwerer. Im gesamten Jahr 2025 wurden in der EU mehr als eine Million Hektar durch Feuer erfasst.
Besonders stark betroffen war 2026 bislang Spanien. Aber auch Frankreich, Italien, Portugal und Griechenland verzeichneten große Brände. Mitte August benötigten zudem Belgien und Spanien internationale Unterstützung über den EU-Katastrophenschutzmechanismus.
Hitze, Trockenheit und ausgetrocknete Vegetation haben das Brandrisiko in großen Teilen Europas erhöht. Das EU-Forschungszentrum JRC meldete für August zeitweise sehr hohe bis extreme Brandgefahr von Teilen Mitteleuropas über Osteuropa bis auf den Balkan.
Der schnelle Wechsel des deutschen Waldbrandmoduls zwischen Einsätzen in mehreren Ländern zeigt zugleich, wie stark die europäischen Spezialkräfte in diesem Sommer beansprucht werden. Noch Anfang August arbeitete die Einheit in Nordwestspanien mit internationalen Teams zusammen. Nun ist sie erneut auf dem Weg nach Südosteuropa.
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