
Fast 188.000 Unternehmen haben im Jahr 2025 in Deutschland ihre Geschäftstätigkeit eingestellt. Damit ist die Zahl der Marktaustritte zum zweiten Mal in Folge deutlich gestiegen. Eine gemeinsame Auswertung des ZEW Mannheim und von Creditreform kommt für den Erhebungszeitraum Januar bis Dezember 2025 auf 187.744 geschlossene Unternehmen. Das waren knapp zehn Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie seit annähernd zwei Jahrzehnten nicht mehr.
Die Unternehmensschließungen 2025 in Deutschland sind allerdings nicht mit Unternehmensinsolvenzen gleichzusetzen. Nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Firmen verschwand nach einem Insolvenzverfahren vom Markt. Der weitaus größere Teil stellte seine Tätigkeit aus anderen Gründen ein.
Nach der Auswertung des Mannheimer Unternehmenspanels entfielen 13,4 Prozent der Schließungen auf Insolvenzen. Weitere 43,4 Prozent waren Abmeldungen oder recherchierte Geschäftsaufgaben ohne Insolvenzverfahren. 43,2 Prozent betrafen Unternehmen, die als nicht mehr wirtschaftsaktiv eingestuft wurden.
Die amtliche Insolvenzstatistik des Statistischen Bundesamtes weist für das gesamte Jahr 2025 insgesamt 24.064 Unternehmensinsolvenzen aus. Das waren 10,3 Prozent mehr als 2024. Die Zahlen lassen sich nicht vollständig eins zu eins mit dem Mannheimer Unternehmenspanel vergleichen, weil beide Statistiken unterschiedliche Erfassungs- und Abgrenzungsmethoden verwenden.
Damit wird deutlich, dass eine Unternehmensschließung keineswegs automatisch bedeutet, dass ein Betrieb zahlungsunfähig oder überschuldet war. Viele Unternehmen werden regulär abgemeldet, andere stellen ihre wirtschaftliche Aktivität ein, ohne dass ein Insolvenzgericht beteiligt ist.
Besonders deutlich stiegen die Schließungszahlen im Gastgewerbe. Rund 15.000 Gaststätten und Beherbergungsbetriebe stellten 2025 ihre Tätigkeit ein. Das waren 15 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Im Baugewerbe wurden rund 24.000 Schließungen registriert, zwölf Prozent mehr als 2024. Im verarbeitenden Gewerbe gaben gut 11.000 Unternehmen auf. Dort betrug der Anstieg rund zehn Prozent.
Auffällig entwickelte sich auch der Fahrzeugbau. Rund 360 Unternehmen stellten ihre Geschäftstätigkeit ein, 57 Prozent mehr als im Vorjahr. Vergleichsweise stabil blieb dagegen die Gruppe der energieintensiven Industriebranchen. Dort sank die Zahl der Schließungen leicht um 0,2 Prozent.
Bei konsumnahen Dienstleistungen wurden rund 56.000 Marktaustritte festgestellt. Das entsprach einem Plus von zwölf Prozent. Im Handel stieg die Zahl um acht Prozent auf rund 37.000 Unternehmen. Das Niveau liegt dort allerdings weiterhin deutlich unter den Werten, die Anfang der 2000er Jahre üblich waren.
Auch im Gesundheitswesen nahm die Zahl der Geschäftsaufgaben zu. Rund 11.000 Unternehmen und Praxen verließen 2025 den Markt. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete das einen Anstieg von zwölf Prozent.
Besonders stark fiel die Entwicklung bei Arztpraxen aus. Knapp 5.500 Praxen wurden geschlossen, 23 Prozent mehr als 2024. Die Autoren bringen diese Entwicklung unter anderem mit dem steigenden Alter vieler Praxisinhaber und Schwierigkeiten bei der Suche nach Nachfolgern in Verbindung.
Im Grundstücks- und Wohnungswesen wurden knapp 8.000 Schließungen registriert. Hier lag der Anstieg mit drei Prozent deutlich niedriger.
Das Mannheimer Unternehmenspanel erfasst die gesamte Unternehmenslandschaft einschließlich Kleinstunternehmen und selbstständiger Freiberufler. Rund drei Millionen Unternehmen gelten derzeit in der Datenbank als wirtschaftsaktiv.
Eine detaillierte Aufschlüsselung der 2025 geschlossenen Unternehmen nach Beschäftigtengrößenklassen enthält die aktuelle Untersuchung jedoch nicht. Die Autoren weisen darauf hin, dass die große Zahl der weniger sichtbaren Marktaustritte insbesondere kleine und mittlere Unternehmen betrifft. Gerade bei kleineren Betrieben können hohe Personal- und Energiekosten, Fachkräftemangel und Schwierigkeiten bei der Nachfolge stärker ins Gewicht fallen.
Die Ergebnisse erlauben deshalb keine Aussage darüber, welcher konkrete Anteil der 187.744 Schließungen beispielsweise auf Unternehmen ohne Beschäftigte, Betriebe mit weniger als fünf Mitarbeitern oder größere Mittelständler entfiel.
Neben wirtschaftlichen Problemen nennen die Autoren mehrere Ursachen für Geschäftsaufgaben ohne Insolvenzverfahren. Dazu gehören steigende Energie- und Personalkosten, stärkerer Wettbewerbsdruck, technologischer Wandel und der Mangel an Arbeits- und Fachkräften.
Hinzu kommt die demografische Entwicklung. Bei eigentümergeführten Familienunternehmen entfielen 2025 bereits 29 Prozent der freiwilligen Schließungen auf Betriebe, deren Inhaber mindestens 65 Jahre alt waren. Im Jahr 2002 hatte dieser Anteil erst 14 Prozent betragen.
Eine freiwillige Schließung kann daher auch ein grundsätzlich wirtschaftlich tragfähiges Unternehmen betreffen. Fehlt eine geeignete Nachfolge, kann ein Betrieb eingestellt werden, obwohl unmittelbar zuvor keine akute Finanzierungskrise bestand.
Bei der Einordnung der Entwicklung ist eine methodische Änderung zu beachten. ZEW und Creditreform haben die Berechnung der Schließungszahlen überarbeitet und die historische Zeitreihe rückwirkend angepasst. Bei Handelsregisterunternehmen wird nun nach Möglichkeit der tatsächlich festgestellte Zeitpunkt der Geschäftseinstellung berücksichtigt und nicht erst die oft deutlich spätere Löschung im Handelsregister.
Deshalb ist der aktuelle Wert für 2025 nicht unmittelbar mit älteren Veröffentlichungen zu vergleichen. Für 2024 waren auf Basis des damaligen Datenstands noch 196.100 Schließungen veröffentlicht worden. Die inzwischen revidierte Zeitreihe ergibt für 2025 dagegen einen Anstieg von knapp zehn Prozent gegenüber dem neu berechneten Vorjahreswert.
Mit rund 188.000 Marktaustritten erreichte Deutschland damit einen Stand, der zuletzt vor fast 20 Jahren überschritten worden war. Gleichzeitig zeigt der geringe Insolvenzanteil, dass ein großer Teil des Unternehmensbestands außerhalb öffentlich sichtbarer Insolvenzverfahren vom Markt verschwindet.
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