
Florentina Holzinger steht in diesem Kulturfrühling gleich an zwei internationalen Schauplätzen im Mittelpunkt. Bei den Wiener Festwochen feierte ihre neue Arbeit „Pfingstspiel“ Weltpremiere. Zugleich vertritt die österreichische Choreografin und Performancekünstlerin Österreich bei der 61. Internationalen Kunstausstellung der Biennale in Venedig mit „SEAWORLD VENICE“. Beide Projekte zeigen, wie konsequent Holzinger Performance, Musik, Körperkunst, religiöse Bildwelten und installative Räume miteinander verbindet.
„Pfingstspiel“ wurde am 23. Mai 2026 bei den Wiener Festwochen gezeigt. Der Beginn war für 15.30 Uhr am Wiener Eislauf-Verein angesetzt, die Gesamtdauer wurde mit neun Stunden inklusive Bustransfers angegeben. Nach dem ersten Teil in Wien führte die Produktion das Publikum weiter nach Schloss Prinzendorf. Dort folgte der zweite Teil der Aufführung.
Die Wiener Festwochen führen die Arbeit als Performance, Weltpremiere und Koproduktion. Beteiligt sind die Wiener Festwochen, die Nitsch Foundation und Florentina Holzinger mit More Spirit Please. Der erste Teil war als Oratorium für Körper und Maschinen angelegt. Im zweiten Teil griff die Arbeit Motive eines letzten Abendmahls auf und stellte sie in Beziehung zum künstlerischen Umfeld von Hermann Nitsch.
Mit Schloss Prinzendorf wählte Holzinger einen Ort, der eng mit dem Werk Hermann Nitschs verbunden ist. Die Nitsch Foundation beschreibt „Pfingstspiel“ als offizielle Satellitenveranstaltung zu Holzingers österreichischem Biennale-Beitrag 2026. Damit wurde die Wiener Aufführung nicht nur als einzelner Festwochen-Beitrag gezeigt, sondern auch als Erweiterung ihres Venedig-Projekts lesbar.
Die Produktion war als Tagesperformance konzipiert. Der Prolog fand in Wien statt, anschließend brachte ein Bustransfer das Publikum nach Prinzendorf. Die Nitsch Foundation nannte als Elemente unter anderem Musik, Motorräder, Glocken und Bezüge zur Symbolik des Pfingstfestes. Die Veranstaltung war ausverkauft.
Holzingers Arbeiten sind häufig von körperlicher Grenzerfahrung, theatralischer Präzision und bewusst gesetzten Reibungen mit religiösen und kulturellen Traditionen geprägt. Auch „Pfingstspiel“ bewegt sich in diesem Spannungsfeld. Die Wiener Festwochen wiesen vorab darauf hin, dass die Aufführung nur für Erwachsene zugänglich war und explizite Darstellungen körperlicher Gewalt, Blut, Nadeln sowie mögliche Stroboskopeffekte enthalten konnte. Zudem fand die Veranstaltung ohne Sitzgelegenheiten und auch im Außenraum statt.
Damit blieb Holzinger ihrer Arbeitsweise treu, die Tanz, Performance, Oper und Theater nicht getrennt behandelt, sondern in ein gemeinsames, körperlich forderndes Format überführt. Ihre Produktionen wurden unter anderem mit dem Nestroy-Preis und dem deutschen Theaterpreis Der Faust ausgezeichnet. Außerdem wurde sie mehrfach zum Berliner Theatertreffen eingeladen.
In Venedig vertritt Holzinger Österreich mit „SEAWORLD VENICE“. Der Beitrag läuft vom 9. Mai bis 22. November 2026 im österreichischen Pavillon der Giardini. Kuratorin ist Nora-Swantje Almes. Als Kommissär wird die Kunst- und Kultursektion des österreichischen Bundesministeriums für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport geführt.
Die Biennale Arte 2026 trägt den Titel „In Minor Keys“ und läuft an mehreren Orten in Venedig, darunter Giardini und Arsenale. Österreich setzt in diesem Rahmen nicht auf eine statische Ausstellung, sondern auf eine dauerhafte Live-Installation mit performativen Elementen.
„SEAWORLD VENICE“ arbeitet mit Wasser als Stoff, Symbol und politischem Raum. Die Biennale beschreibt den österreichischen Beitrag als Verbindung von Tanz, Theater und Performance. Im Zentrum steht der menschliche Körper in einer veränderten Landschaft, in der Natur und Technologie aufeinanderprallen.
Das österreichische Kulturministerium beschreibt den Pavillon zugleich als Unterwasserthemenpark, Kläranlage und Sakralbau. Das Projekt umfasst eine permanente Live-Installation im Pavillon sowie ortsspezifische Performances in Venedig und in der Lagune. Die offiziellen Besucherinformationen weisen darauf hin, dass im österreichischen Pavillon tägliche Performances stattfinden und die Performerinnen teilweise nackt sind. Fotografieren und Filmen ist dort nicht erlaubt.
Holzingers Doppelpräsenz in Wien und Venedig zeigt eine Verschiebung, die für die Gegenwartskunst zunehmend wichtig ist. Performance findet nicht mehr nur auf Bühnen statt, sondern auch in Ausstellungsräumen, Pavillons, Stadträumen und temporären Architekturen. Holzinger nutzt diese Räume, um Körper, Maschinen, Musik und religiöse Zeichen in groß angelegte Bilder zu übersetzen.
Florentina Holzinger Biennale 2026 steht damit für eine Generation von Künstlerinnen, die Grenzen zwischen Genres konsequent ignoriert. Für Österreich ist der Beitrag in Venedig ein sichtbares Signal: Der nationale Pavillon wird nicht als klassischer Ausstellungsraum bespielt, sondern als lebendiges System. Für Holzinger ist „SEAWORLD VENICE“ zugleich ein weiterer Schritt in einer künstlerischen Praxis, die sich zwischen Theater, bildender Kunst, Oper, Tanz und öffentlicher Aktion bewegt.
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