
Der Flughafen Bremen steht wirtschaftlich stärker unter Druck. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Wirtschaftsstaatsrat Kai Stührenberg, hat bestätigt, dass die Flughafengesellschaft mit einem strukturellen Defizit kämpft. Berichte über eine mögliche Insolvenz im kommenden Jahr gehen allerdings darüber hinaus. Nach Informationen von Radio Bremen könnte ein solches Verfahren im ungünstigsten der intern betrachteten Szenarien Mitte 2027 notwendig werden. Offiziell bestätigt oder beschlossen ist eine Insolvenz bislang nicht.
Radio Bremen beziffert das strukturelle Defizit unter Berufung auf Informationen aus dem Umfeld des Aufsichtsrats auf mehr als 13 Millionen Euro. Diese konkrete Summe hat Stührenberg nicht bestätigt. Er bestätigte jedoch die schwierige wirtschaftliche Lage und nannte unter anderem die Entwicklung der Passagierzahlen, hohe Standortkosten, Luftverkehrsteuer und Luftsicherheitskosten, Tarifsteigerungen sowie die schwache Konjunktur als Belastungen.
Nach Angaben Stührenbergs läuft bereits das Sparprogramm BreStart. Rund 4,1 Millionen Euro an Verbesserungen seien dadurch erreicht worden. Zudem setzt der Flughafen unter anderem auf Grundstücksgeschäfte und niedrigere Energiekosten durch Photovoltaik. Kündigungen seien derzeit nicht vorgesehen. Frei werdende Stellen sollen allerdings darauf geprüft werden, ob eine Wiederbesetzung erforderlich ist.
Radio Bremen berichtet zudem, eine vom Flughafen beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft habe bereits im Juni auf mögliche Liquiditätsprobleme hingewiesen. Auch eine Insolvenz in Eigenverwaltung werde demnach im Umfeld des Aufsichtsrats diskutiert. Eine unabhängige Bestätigung dieser internen Einschätzungen lag zunächst nicht vor.
Dass die finanzielle Situation grundsätzlich angespannt ist, geht bereits aus dem Beteiligungsbericht 2024 der Freien Hansestadt Bremen hervor. Die Flughafen Bremen GmbH erzielte damals Umsatzerlöse von rund 45,4 Millionen Euro und einen Jahresfehlbetrag von 2,82 Millionen Euro. Das Eigenkapital lag Ende 2024 bei rund 60,3 Millionen Euro.
Der Bericht bezeichnet die Flughafen-Gruppe ausdrücklich als erheblichen Liquiditätsrisiken ausgesetzt. Als Gründe werden unter anderem die seit der Corona-Pandemie niedrigeren Passagierzahlen und gleichzeitig hohe Investitionsanforderungen genannt. Die Unternehmen der Gruppe seien zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage gewesen, sich vollständig aus dem operativen Geschäft zu finanzieren. Die damalige Liquiditätsplanung ging zwar für die folgenden 24 Monate von ausreichenden liquiden Mitteln aus, setzte dabei aber auch geplante Mittelzuflüsse aus einem Erbpachtmodell mit der Stadt Bremen voraus.
Beim Verkehrsaufkommen hatte sich die Situation zuletzt zunächst verbessert. 2025 nutzten rund 1,99 Millionen Passagiere den Flughafen Bremen. Das waren 5,6 Prozent mehr als 2024. Die Zahl der Flugbewegungen stieg um 5,1 Prozent auf knapp 29.900. Trotzdem blieb der Airport deutlich unter seinem Niveau vor der Corona-Pandemie. 2019 waren noch rund 2,31 Millionen Fluggäste gezählt worden.
Der Beteiligungsbericht geht davon aus, dass eine vollständige Erholung auf das Passagierniveau vor der Pandemie frühestens 2029 oder 2030 erreicht werden könnte. Damit bleibt Bremen in einer Größenklasse, in der ein hoher Fixkostenanteil für Infrastruktur, Sicherheit und Betrieb auf vergleichsweise wenige Passagiere verteilt werden muss.
Zusätzlichen Druck brachte im Sommer das Ende der Lufthansa-Verbindung zwischen Bremen und Frankfurt. Die Airline stellte die Strecke zum 1. Juli 2026 ein und begründete dies mit mangelnder Wirtschaftlichkeit unter den damaligen Rahmenbedingungen. Frankfurt war neben München eines der wichtigsten Drehkreuze für Passagiere aus Bremen.
Nach Angaben des Bremer Senats nutzten zuvor mehr als 5.000 Passagiere pro Woche die Verbindung. Lufthansa bestätigte diese konkrete Zahl nicht. Auch ohne Frankfurt verfügt Bremen weiterhin über Anbindungen an mehrere internationale Drehkreuze, darunter München, Amsterdam, Istanbul, Wien und Zürich.
Der Flughafen und Bremen führen nach Angaben Stührenbergs weiterhin Gespräche mit Lufthansa über eine mögliche Rückkehr der Frankfurt-Verbindung. Außerdem wird geprüft, ob das Land Aufgaben bei den Luftsicherheitskontrollen übernehmen könnte.
Die Möglichkeiten Bremens, Verluste der Flughafengesellschaft unmittelbar aus dem Haushalt auszugleichen, werden auch durch das europäische Beihilferecht begrenzt. Für Regionalflughäfen mit weniger als drei Millionen Passagieren jährlich können Betriebsbeihilfen derzeit unter bestimmten Voraussetzungen mit dem europäischen Binnenmarkt vereinbar sein. Die entsprechende Übergangsregelung der EU läuft nach geltendem Regelwerk bis zum 4. April 2027.
Das bedeutet allerdings nicht, dass nach diesem Termin jegliche öffentliche Finanzierung ausgeschlossen wäre. Für bestimmte nichtwirtschaftliche Aufgaben wie Polizei, Zoll, Flugsicherung oder Maßnahmen zur Luftsicherheit gelten andere Regeln. Zudem arbeitet die Europäische Kommission derzeit an einer Neufassung ihrer Beihilfeleitlinien für den Luftverkehr. Ein Entwurf wurde 2026 zur Konsultation gestellt.
Nach Bekanntwerden der finanziellen Probleme haben CDU, FDP und Bürger in Wut Aufklärung über die wirtschaftliche Situation verlangt. Die CDU fordert eine Strategie zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit des Flughafens. Bürger in Wut verlangten eine Sondersitzung der Wirtschaftsdeputation.
Die Flughafen Bremen GmbH gehört vollständig der Stadtgemeinde Bremen. Damit betrifft die wirtschaftliche Entwicklung unmittelbar eine öffentliche Beteiligung. Ein Insolvenzantrag war am Dienstag, 8. September, jedoch nicht bestätigt. Gesichert sind derzeit das strukturelle Defizit, laufende Sparmaßnahmen und die Suche nach zusätzlichen Möglichkeiten, Kosten zu senken und Einnahmen zu stabilisieren.
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