Deutschlands Wirtschaft hält sich bei Innovationen zunehmend zurück

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die deutsche Wirtschaft investiert weiterhin nur zurückhaltend in neue Produkte, Technologien und Produktionsverfahren. Aktuelle Zahlen zu Forschung und Entwicklung zeigen, dass die Ausgaben der Unternehmen zuletzt kaum noch gestiegen sind. Für 2026 rechnen die Betriebe sogar mit einem Rückgang ihrer internen Forschungsbudgets. Gleichzeitig fließt ein großer Teil der geplanten Investitionen in den Ersatz bestehender Maschinen und Anlagen. Besonders in der Chemie- und Pharmaindustrie wächst das Interesse an Forschungsinvestitionen im Ausland.

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Die Entwicklung fällt in eine Phase, in der sich die deutsche Konjunktur zwar leicht erholt, die langfristigen Investitionsperspektiven aber angespannt bleiben. Untersuchungen der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), des Stifterverbandes und des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) verdeutlichen, dass zahlreiche Unternehmen ihre finanziellen Mittel vorsichtiger einsetzen.

Forschungsausgaben könnten 2026 erstmals wieder sinken

Die Forschungsausgaben in Deutschland haben sich zuletzt nur noch geringfügig erhöht. Nach aktuellen Erhebungen des Stifterverbandes investierten Unternehmen im Jahr 2025 insgesamt 92,9 Milliarden Euro in ihre eigene Forschung und Entwicklung. Ein Jahr zuvor lag der entsprechende Wert bei 92,5 Milliarden Euro. Der nominale Zuwachs fiel damit äußerst gering aus.

Gleichzeitig ging die Zahl der Beschäftigten in Forschung und Entwicklung zurück. Sie lag 2025 bei umgerechnet 547.447 Vollzeitstellen und damit um 6.654 Stellen unter dem Vorjahreswert. Das entspricht einem Rückgang um 1,2 Prozent.

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Auch bei Forschungsaufträgen an externe Unternehmen, Hochschulen und wissenschaftliche Einrichtungen zeigt sich eine rückläufige Entwicklung. Die entsprechenden Ausgaben sanken um 0,9 Prozent auf rund 32,7 Milliarden Euro. Es war der erste Rückgang dieser Aufwendungen seit 2016.

Für das laufende Jahr erwarten die befragten Unternehmen eine weitere Abschwächung. Nach den vorläufigen Angaben des Stifterverbandes rechnen sie für 2026 mit um 1,8 Prozent geringeren internen Forschungsausgaben. Dabei handelt es sich um eine Erwartung und noch nicht um tatsächlich abgerechnete Investitionen.

Unternehmen investieren vor allem in bestehende Anlagen

Die zurückhaltende Investitionsbereitschaft bestätigt auch die jüngste Konjunkturumfrage der DIHK. Dafür wurden im September und Oktober 2026 rund 23.500 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen und Regionen befragt.

Lediglich 24 Prozent der Betriebe wollen ihre Investitionsbudgets erhöhen. Dem stehen 30 Prozent gegenüber, die geringere Ausgaben planen. Der Saldo aus steigenden und sinkenden Investitionsabsichten liegt damit bei minus sechs Prozentpunkten.

Besonders auffällig ist die Verteilung der Investitionsmotive. Für 66 Prozent der Unternehmen steht der Ersatz vorhandener Maschinen, Anlagen und Betriebsmittel im Vordergrund. Die Erweiterung von Produktionskapazitäten nennen dagegen nur 19 Prozent als Investitionsgrund. Produktinnovationen spielen bei 28 Prozent der befragten Unternehmen eine Rolle.

Damit konzentrieren sich viele Betriebe auf die Erneuerung ihrer vorhandenen Ausstattung. Investitionen in zusätzliche Produktionsmöglichkeiten oder die Entwicklung neuer Angebote nehmen einen deutlich kleineren Stellenwert ein.

Die DIHK weist darauf hin, dass bereits seit Herbst 2023 mehr Unternehmen sinkende als steigende Investitionsbudgets planen. Die leichte Verbesserung gegenüber dem Frühsommer 2026 hat diesen Trend bislang nicht umgekehrt.

Chemie und Pharma richten den Blick stärker ins Ausland

Auch die chemisch-pharmazeutische Industrie steht vor schwierigen Entscheidungen. Nach Angaben des VCI investierte die Branche 2025 knapp 16 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Rund sieben Prozent des Umsatzes flossen in diesen Bereich. Drei Viertel der Unternehmen beschäftigen sich mit der Entwicklung neuer Produkte und Verfahren.

Für 2026 fallen die Erwartungen allerdings deutlich zurückhaltender aus. Nach einer Befragung des Branchenverbandes planen 29 Prozent der Chemie- und Pharmaunternehmen, ihre Forschungsbudgets am Standort Deutschland zu verringern. Nur knapp jedes fünfte Unternehmen beabsichtigt, die entsprechenden Ausgaben zu erhöhen.

Anders sieht die Entwicklung bei den internationalen Aktivitäten aus. Für ihre Forschungsstandorte im Ausland erwarten 41 Prozent der befragten Firmen steigende Budgets. Diese Angaben betreffen Investitionsplanungen und bedeuten nicht, dass bereits entsprechende Forschungsabteilungen aus Deutschland verlagert wurden.

Die Zahlen verdeutlichen dennoch, dass die Unternehmen ihre Forschungsstandorte zunehmend unter internationalen Wettbewerbsbedingungen bewerten. Entscheidend sind dabei unter anderem Finanzierungsmöglichkeiten, Produktionskosten und der Zugang zu geeigneten Forschungsbedingungen.

Zwischen den Industriebranchen bestehen große Unterschiede

Ein einheitlicher Rückgang der Forschungsaktivitäten lässt sich aus den Daten allerdings nicht ableiten. Der Stifterverband verzeichnet für einzelne Wirtschaftszweige erhebliche Unterschiede.

Besonders deutlich gingen die internen Forschungsaufwendungen 2025 in der Automobilindustrie und bei wichtigen Zulieferern zurück. Sie sanken gegenüber dem Vorjahr um 4,7 Prozent, was einem Rückgang von fast 1,5 Milliarden Euro entspricht. Gleichzeitig verringerte sich das Forschungspersonal in diesem Wirtschaftszweig um 5,8 Prozent.

Im Maschinenbau entwickelte sich die Situation dagegen günstiger. Dort stiegen die internen Forschungsaufwendungen um neun Prozent. Auch externe Forschungsaufträge wurden deutlich ausgeweitet.

Die Pharmaindustrie verzeichnete bei ihren internen Forschungsaufwendungen sogar einen Zuwachs von 10,4 Prozent. Dieser Anstieg erklärt sich allerdings teilweise durch organisatorische Veränderungen. Forschungsarbeiten, die zuvor außerhalb der Unternehmen erledigt wurden, fanden zunehmend in eigenen Abteilungen statt.

Die höheren internen Ausgaben bedeuten deshalb nicht automatisch, dass die gesamte Forschungsleistung der Pharmaunternehmen im gleichen Umfang gewachsen ist. Zugleich zeigen sie, dass sich die einzelnen Industriebranchen unterschiedlich entwickeln.

Neue Untersuchung zeigt Schwierigkeiten bei der Forschungsförderung

Eine am 5. November veröffentlichte Untersuchung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Centers für Wirtschaftspolitische Studien der Leibniz Universität Hannover beschäftigt sich mit den Förderbedingungen für Chemie, Pharma und Biotechnologie.

Im Auftrag des VCI untersuchten die Wissenschaftler unter anderem die steuerliche Forschungszulage und staatliche Technologieprogramme. Von rund 2.700 Unternehmen mit relevanten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten haben seit 2021 ungefähr 40 Prozent eine Forschungszulage beantragt.

In der Chemieindustrie waren es 714 Unternehmen, in der Pharmaindustrie 352. Die förderfähigen Forschungsaufwendungen der bewilligten Vorhaben summierten sich auf knapp 3,6 Milliarden Euro.

Die Wissenschaftler sehen insbesondere beim Verwaltungsaufwand und beim Zugang zu Förderprogrammen Verbesserungsmöglichkeiten. Vorgeschlagen werden unter anderem vereinfachte Antragsverfahren und höhere Fördergrenzen.

Der VCI fordert außerdem, die chemisch-pharmazeutische Industrie bei staatlichen Technologieprogrammen stärker zu berücksichtigen. Nach den ausgewerteten Daten entfielen zwischen 2021 und 2025 rund sieben Prozent der jährlichen Mittel für thematisch ausgerichtete Technologieförderung auf chemie-, pharma- und biotechnahe Entwicklungen.

Deutschlands Anteil an internationalen Forschungsausgaben sinkt

Die Entwicklung betrifft nicht nur die Investitionsbereitschaft innerhalb Deutschlands. Auch international verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen den Forschungsstandorten.

Nach Berechnungen des VCI ist der Anteil der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie an den weltweiten Forschungs- und Entwicklungsausgaben seit 2010 deutlich zurückgegangen. Damals lag er bei 6,5 Prozent, im Jahr 2025 noch bei 4,2 Prozent.

Der geringere Anteil bedeutet nicht zwangsläufig, dass die deutschen Unternehmen absolut weniger Geld für Forschung ausgeben. Er zeigt jedoch, dass die weltweiten Forschungsbudgets insgesamt stärker gewachsen sind als die entsprechenden Aufwendungen der deutschen Branche.

Damit gewinnt die internationale Standortkonkurrenz an Bedeutung. Neben den USA investieren insbesondere Unternehmen und staatliche Einrichtungen in China verstärkt in neue Technologien und industrielle Entwicklungsprozesse.

Wirtschaftliche Erholung erreicht die Innovationsbudgets kaum

Die DIHK rechnet für Deutschland sowohl 2026 als auch 2027 mit einem Wirtschaftswachstum von jeweils einem Prozent. Die verbesserten Konjunkturaussichten gehen jedoch bislang nicht mit einer deutlichen Ausweitung privater Investitionen einher.

Zu den wichtigsten wirtschaftlichen Risiken zählen nach der DIHK-Herbstumfrage die Energie- und Rohstoffpreise. Sie werden von 67 Prozent der Unternehmen genannt. Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sehen 58 Prozent als Risiko, die Arbeitskosten 56 Prozent.

Die zurückhaltende Innovationsbereitschaft ist dabei keine neue Entwicklung. Schon im DIHK-Innovationsreport 2023 lag der Saldo aus Unternehmen mit steigenden und sinkenden Innovationsplänen bei lediglich 23 Punkten. Das war damals der niedrigste Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2008. Seinerzeit wollten 38 Prozent ihre Innovationsaktivitäten ausweiten und 15 Prozent diese reduzieren.

Die jüngsten Forschungs- und Investitionszahlen zeigen, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten weiterhin Auswirkungen auf die Entwicklung neuer Produkte und Technologien haben. Während einzelne Branchen ihre Forschungsaktivitäten ausbauen, planen andere geringere Budgets. Für den Forschungsstandort Deutschland bleibt damit entscheidend, ob die konjunkturelle Erholung auch zu höheren privaten Investitionen in neue Technologien und Produktionsverfahren führt.

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