
In den Führungsetagen der größten deutschen Börsenunternehmen arbeiten so viele Frauen wie noch nie. Gleichzeitig nähern sich die durchschnittlichen Vergütungen weiblicher und männlicher Vorstandsmitglieder weiter an. Das zeigt eine neue Untersuchung der Beratungsgesellschaft EY, deren Ergebnisse am Sonntag, 8. November 2026, bekannt wurden. Allerdings fällt die Entwicklung je nach Unternehmensgröße unterschiedlich aus. Während sich der Gehaltsabstand im Dax verringert hat, ist er im MDax und SDax gestiegen.
Für das Geschäftsjahr 2025 ermittelte EY insgesamt 101 Frauen, die während des gesamten Jahres einem Vorstand eines Unternehmens aus Dax, MDax oder SDax angehörten. Im Vorjahr waren es 88 gewesen. Besonders deutlich zeigt sich die Veränderung im längerfristigen Vergleich: 2013 hatte die Zahl noch bei 33 gelegen. Inzwischen ist gut jedes vierte untersuchte Vorstandsmitglied weiblich.
Auch bei der Bezahlung zeigt die Untersuchung eine Veränderung. Weibliche Vorstandsmitglieder der drei Börsenindizes erhielten 2025 durchschnittlich 2,20 Millionen Euro. Das entsprach einem Anstieg um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei ihren männlichen Kollegen lag die durchschnittliche Vergütung bei 2,23 Millionen Euro und damit knapp zwei Prozent niedriger als 2024.
Der rechnerische Gehaltsabstand verringerte sich laut EY innerhalb eines Jahres von 121.000 Euro auf 26.000 Euro. Die genaue Differenz ergibt sich aus den ungerundeten Vergütungswerten. Bei diesem Vergleich bleiben Vorstandsvorsitzende ausdrücklich unberücksichtigt.
Damit liegen die durchschnittlichen Vergütungen in der untersuchten Gruppe inzwischen relativ dicht beieinander. Eine vollständige Gleichstellung bei der Bezahlung lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Die Werte beschreiben die durchschnittliche Gesamtvergütung unterschiedlicher Vorstandspositionen und nicht die Bezahlung identischer Tätigkeiten.
Die größten Fortschritte bei der personellen Besetzung verzeichnet die Untersuchung im wichtigsten deutschen Aktienindex. In den 40 Dax-Unternehmen lag der Frauenanteil in den untersuchten Vorständen bei rund 30 Prozent. Insgesamt erfasste EY dort 50 Frauen, die während des gesamten Geschäftsjahres 2025 im Amt waren. Im Jahr 2013 waren es lediglich 13 gewesen.
Frauen in Dax-Vorständen sind damit wesentlich stärker vertreten als noch vor gut einem Jahrzehnt. Dennoch stellen Männer weiterhin die deutliche Mehrheit der Vorstandsmitglieder.
Auch finanziell haben sich die Unterschiede im Dax reduziert. Die durchschnittliche Vergütung weiblicher Vorstandsmitglieder stieg um gut vier Prozent auf 3,04 Millionen Euro. Bei den Männern ging sie um 1,4 Prozent auf 3,33 Millionen Euro zurück.
Die Differenz zwischen beiden Gruppen verringerte sich dadurch von 455.000 Euro im Jahr 2024 auf 284.000 Euro im Jahr 2025. Trotz dieser Entwicklung verdienen männliche Vorstandsmitglieder im größten deutschen Börsenindex im Durchschnitt weiterhin mehr als ihre Kolleginnen.
Ein anderes Bild ergibt sich bei den mittelgroßen börsennotierten Unternehmen. Im MDax erhöhte sich der Frauenanteil in den Vorständen von 23 auf 28 Prozent. Insgesamt erfasste EY für das Geschäftsjahr 2025 dort 30 weibliche Vorstandsmitglieder.
Die durchschnittlichen Vergütungen entwickelten sich dagegen auseinander. Männer erhielten im MDax durchschnittlich 1,89 Millionen Euro. Das waren acht Prozent mehr als im Vorjahr. Bei den Frauen lag die Vergütung bei 1,59 Millionen Euro, was einem Anstieg um vier Prozent entsprach.
Dadurch vergrößerte sich die Gehaltsdifferenz von 211.000 auf 295.000 Euro. Obwohl Frauen somit häufiger in den Führungsgremien vertreten sind und ihre durchschnittliche Vergütung ebenfalls gestiegen ist, hat sich der finanzielle Abstand zu den Männern erhöht.
Auch unterhalb des MDax bestehen deutliche Unterschiede. Im SDax, der kleinere börsennotierte Unternehmen umfasst, lag der Frauenanteil in den untersuchten Vorständen bei rund 18 Prozent. Damit blieb er deutlich unter den Werten der beiden größeren Aktienindizes. EY erfasste dort 21 Frauen, die das gesamte Geschäftsjahr 2025 im Vorstand tätig waren.
Weibliche Vorstandsmitglieder erhielten durchschnittlich 1,07 Millionen Euro. Das entsprach einer Steigerung um elf Prozent. Die Vergütung ihrer männlichen Kollegen erhöhte sich um zwölf Prozent auf durchschnittlich 1,22 Millionen Euro.
Der Gehaltsabstand stieg dadurch leicht von 134.000 auf 155.000 Euro. In beiden kleineren Börsenindizes verlief die Entwicklung der durchschnittlichen Vergütung somit anders als im Dax.
EY-Partner Jens Massmann sieht einen wesentlichen Einflussfaktor in der veränderten Zusammensetzung der Führungsgremien. Je mehr Frauen in die Vorstände berufen würden, desto weniger könnten einzelne besonders hohe Vergütungen den Durchschnitt der weiblichen Vorstandsmitglieder bestimmen.
Zudem würden neu berufene Führungskräfte üblicherweise zunächst eine geringere Vergütung erhalten als Personen, die bereits länger im Vorstand tätig seien. Dieser Effekt könne insbesondere im MDax und SDax eine Rolle spielen, wo die untersuchten Gruppen weiblicher Vorstandsmitglieder vergleichsweise klein seien.
Nach Einschätzung von Massmann gewinnen bei der Vergütung außerdem Faktoren wie das verantwortete Ressort, die berufliche Erfahrung und die Größe des Unternehmens an Bedeutung. Die unterschiedlichen Durchschnittswerte lassen sich deshalb nicht allein auf das Geschlecht der Vorstandsmitglieder zurückführen.
Die wachsende Beteiligung von Frauen an Unternehmensvorständen steht auch im Zusammenhang mit gesetzlichen Regelungen. Mit dem zweiten Führungspositionen-Gesetz wurden die Anforderungen an bestimmte große Unternehmen erweitert.
Seit dem 1. August 2022 müssen börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen bei einem Vorstand mit mehr als drei Mitgliedern grundsätzlich mindestens eine Frau und mindestens einen Mann in diesem Gremium haben.
Diese Regelung gilt allerdings nicht automatisch für sämtliche Unternehmen aus Dax, MDax und SDax. Voraussetzung ist, dass die jeweiligen gesetzlichen Kriterien erfüllt sind. Der von EY ermittelte Frauenanteil von rund 30 Prozent im Dax ist deshalb auch nicht mit einer allgemeinen gesetzlichen Vorstandsquote von 30 Prozent gleichzusetzen.
Das sogenannte Mixed Compensation Barometer von EY berücksichtigt ausschließlich Vorstandsmitglieder, die während des gesamten untersuchten Geschäftsjahres im Amt waren und deren Vergütungsbestandteile vollständig offengelegt wurden. Grundlage sind die Unternehmen, die 2025 den jeweiligen Aktienindizes angehörten.
Führungskräfte, die erst im Laufe des Jahres in den Vorstand wechselten oder vor dem Jahresende ausschieden, fallen damit nicht in die entsprechende Jahresauswertung. Die erfasste Zahl weiblicher Vorstandsmitglieder ist deshalb nicht mit einer vollständigen Momentaufnahme aller Vorstandsmandate an einem bestimmten Stichtag gleichzusetzen.
Die Ergebnisse verdeutlichen dennoch eine längerfristige Entwicklung: Frauen sind in den Vorständen großer deutscher Börsenunternehmen heute wesentlich häufiger vertreten als noch 2013. Bei der durchschnittlichen Vergütung ist der Abstand zu männlichen Kollegen insgesamt deutlich kleiner geworden. Zugleich zeigen die Unterschiede zwischen Dax, MDax und SDax, dass weder die Beteiligung an Führungspositionen noch die finanzielle Annäherung in allen Unternehmensgruppen gleich weit fortgeschritten sind.
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