
Steigende Preise für Computerchips und Speicher setzen dem deutschen Markt für Gaming-Hardware zu. Im ersten Halbjahr 2026 gaben Verbraucherinnen und Verbraucher rund 1,3 Milliarden Euro für Spielekonsolen, Gaming-PCs und entsprechendes Zubehör aus. Das waren nach Angaben des Branchenverbands game acht Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Als wichtigen Grund nennt der Verband die höheren Hardwarepreise und die angespannte Versorgung mit Speicherchips.
Die Entwicklung trifft einen Markt, der 2025 noch deutlich gewachsen war. Im Gesamtjahr waren die Umsätze mit Gaming-Hardware in Deutschland um zwölf Prozent auf 3,4 Milliarden Euro gestiegen. Besonders Spielekonsolen und Zubehör für Gaming-PCs hatten damals zugelegt. Die Zahlen für die ersten sechs Monate 2026 zeigen nun eine deutliche Gegenbewegung.
Im Mittelpunkt steht vor allem die angespannte Lage auf dem weltweiten Speichermarkt. Die stark wachsenden Investitionen in Rechenzentren für Künstliche Intelligenz erhöhen den Bedarf an leistungsfähigem Speicher. Benötigt werden unter anderem High Bandwidth Memory für KI-Beschleuniger sowie große Mengen herkömmlicher DRAM- und NAND-Speicher für Server und Rechenzentren.
Diese Nachfrage wirkt sich auch auf andere Marktbereiche aus. Der Marktforscher TrendForce erwartete für das dritte Quartal 2026 bei herkömmlichem DRAM einen Anstieg der Vertragspreise von 13 bis 18 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Bereits für das zweite Quartal hatte das Unternehmen deutlich stärkere Preissteigerungen gemeldet. Nach Angaben von TrendForce verlagern Speicherhersteller Produktionskapazitäten verstärkt auf Anwendungen für Server.
Auch Speicherhersteller selbst beschreiben eine außergewöhnlich starke Nachfrage aus dem KI-Sektor. Micron verwies im laufenden Geschäftsjahr auf ein knappes Branchenangebot und eine hohe Nachfrage nach Speicher. Samsung erwartet nach eigenen Angaben 2026 ein starkes Wachstum seines Geschäfts mit HBM-Speicher und baut die entsprechenden Produktionskapazitäten aus.
Für den Gaming-Markt kann die Entwicklung an mehreren Stellen durchschlagen. Gaming-PCs benötigen Arbeitsspeicher und SSDs, während Grafikkarten mit eigenem Grafikspeicher ausgestattet sind. Auch Konsolen enthalten große Mengen Speicher und leistungsfähige Halbleiter. Steigende Komponentenpreise können deshalb die Herstellungskosten verschiedener Geräte erhöhen.
Game-Geschäftsführer Felix Falk verweist insbesondere auf die hohen Speicherpreise als Belastung für Gaming-PCs. Der Verband spricht in diesem Zusammenhang zugespitzt von einem RAMageddon. Entscheidend für die Marktentwicklung ist jedoch weniger das Schlagwort als die sichtbare Reaktion der Kundschaft: Höhere Preise gehen nach Angaben des Verbands mit geringeren Hardwareausgaben einher.
Wie stark einzelne Grafikkarten, Konsolen oder komplette Gaming-PCs im Durchschnitt teurer geworden sind, lässt sich aus den veröffentlichten Halbjahresdaten allerdings nicht ableiten. Der Verband nennt für die aktuelle Marktanalyse keine einheitlichen prozentualen Preissteigerungen für die einzelnen Produktgruppen. Auch unterscheiden sich die Preise je nach Hersteller, Modell und Handelsangebot erheblich.
Dass die Preisentwicklung Kaufentscheidungen beeinflusst, zeigt auch eine aktuelle Untersuchung des Digitalverbands Bitkom. Danach haben 37 Prozent der Gamerinnen und Gamer in Deutschland im laufenden Jahr bereits den Kauf von Geräten, Zubehör oder Bauteilen wegen gestiegener Preise verschoben. Dazu können etwa Grafikkarten, Konsolen oder zusätzlicher Arbeitsspeicher gehören.
Damit erhält die Entwicklung eine zusätzliche Bedeutung für den Markt. Sinkende Umsätze müssen bei Hardware nicht automatisch bedeuten, dass das Interesse an Gaming zurückgeht. Wenn Geräte und Komponenten teurer werden, können Verbraucher Anschaffungen länger hinauszögern, vorhandene Systeme weiterverwenden oder lediglich einzelne Bauteile ersetzen.
Der Vergleich mit 2025 verdeutlicht zudem, dass neben den Preisen auch Produktzyklen eine Rolle spielen. Im vergangenen Jahr hatte insbesondere der Verkaufsstart der Nintendo Switch 2 den Konsolenmarkt angeschoben. Game meldete für 2025 einen Anstieg des Konsolenumsatzes um 26 Prozent. Solche Einführungseffekte fehlen in einem späteren Vergleichszeitraum teilweise wieder.
Nicht nur der Hardwarebereich entwickelte sich im ersten Halbjahr schwächer. Der Umsatz des gesamten deutschen Games-Markts mit Spielen, Hardware und Online-Gaming-Diensten sank nach den aktuellen Angaben um drei Prozent auf rund 4,2 Milliarden Euro. Die Hardware gehörte mit einem Minus von acht Prozent zu den deutlich schwächeren Bereichen. Die Erlöse mit Online-Gaming-Services stiegen dagegen um drei Prozent auf rund 600 Millionen Euro.
Der Rückgang folgt auf ein starkes Jahr 2025. Damals war der deutsche Games-Markt insgesamt um vier Prozent auf rund 9,4 Milliarden Euro gewachsen. Deutschland blieb damit nach Angaben des game der größte Games-Markt Europas und weltweit die Nummer fünf.
Für Hardwarehersteller und Handel bleibt die Entwicklung des internationalen Speichermarkts damit ein wichtiger Faktor. Marktanalysen gehen davon aus, dass die Versorgung mit DRAM auch 2027 angespannt bleiben könnte. Eine konkrete Prognose, wie sich dadurch die Endkundenpreise einzelner Gaming-Produkte in Deutschland entwickeln werden, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
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