Neuer Ganzjahresreifen-Test zeigt große Unterschiede beim Bremsen

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Ein aktueller Vergleich von zehn Ganzjahresreifen zeigt deutliche Leistungsunterschiede zwischen den Modellen. Im gemeinsamen Test von ACV, Auto Zeitung, ARBÖ und GTÜ setzt sich der Pirelli Cinturato Allseason SF3 an die Spitze. Der Ganzjahresreifen im Test 2026 erreicht 411 von maximal 450 Punkten und liegt damit vor den Modellen von Continental und Goodyear.

Zehn Ganzjahresreifen für die Kompaktklasse geprüft

Getestet wurde die verbreitete Dimension 225/45 R 17, die bei zahlreichen Fahrzeugen der Kompaktklasse eingesetzt wird. Die Winterprüfungen fanden im nordschwedischen Lappland statt, die Tests auf nasser und trockener Straße in Spanien. Untersucht wurden unter anderem Bremswege, Fahrstabilität, Kurvenverhalten und Aquaplaning. Hinzu kamen Laborprüfungen zu Verschleiß, Laufleistung und Rollwiderstand.

Die Preise der getesteten Reifensätze lagen im August 2026 zwischen rund 325 und 525 Euro für vier Reifen ohne Montage. Die Ergebnisse beziehen sich auf die konkret getesteten Modelle und die Dimension 225/45 R 17.

Pirelli gewinnt vor Continental und Goodyear

Mit 411 Punkten erreicht der Pirelli Cinturato Allseason SF3 die höchste Gesamtwertung. Er kommt auf 142 von 150 Punkten bei Nässe und ebenfalls 142 Punkte auf trockener Fahrbahn. Auf Schnee erreicht er 127 Punkte. Ein Satz kostete zum Zeitpunkt der Preiserhebung rund 475 Euro.

Auf Rang zwei folgt der Continental AllSeasonContact 2 mit 384 Punkten. Besonders stark schneidet er auf Schnee ab, wo er 134 Punkte erreicht. Der Goodyear Vector 4Seasons Gen 3 landet mit 380 Punkten auf dem dritten Platz. Seine prognostizierte Laufleistung von rund 50.500 Kilometern ist die höchste im Testfeld, beim Bremsen auf trockener Straße gehört er allerdings zu den schwächeren Kandidaten.

Der Michelin CrossClimate 3 erreicht mit 375 Punkten Platz vier. Seine auffälligste Stärke ist die Winterwertung: Mit 149 von 150 Punkten erzielt er auf Schnee das beste Ergebnis aller zehn getesteten Reifen. Bei Nässe kommt er dagegen nur auf 103 Punkte.

Bis zu 5,5 Meter Unterschied beim Nassbremsen

Besonders deutlich werden die Unterschiede beim Bremsweg. Auf nasser Fahrbahn benötigt der Pirelli aus 100 km/h 44,9 Meter bis zum Stillstand. Beim Giti Allseason AS2 sind es unter denselben Testbedingungen 50,4 Meter. Zwischen beiden liegen damit 5,5 Meter.

Auch auf trockener Straße ist die Spannweite groß. Der Pirelli steht nach 36,2 Metern. Der Goodyear benötigt 41,1 Meter und damit 4,9 Meter mehr. Die Werte stammen aus standardisierten Testbedingungen. Der tatsächliche Anhalteweg im Straßenverkehr hängt zusätzlich unter anderem von Reaktionszeit, Fahrbahn und Fahrzeug ab.

Falken landet am Ende des Testfeldes

Auf den weiteren Plätzen folgen Bridgestone Turanza AllSeason 6 mit 371 Punkten, Hankook Kinergy 4S 2 mit 367 Punkten, Nokian Tyres Seasonproof 2 mit 355 Punkten und Giti Allseason AS2 mit 340 Punkten.

Der Linglong Sport Master 4S erreicht 324 Punkte. Mit rund 325 Euro war er der günstigste Reifensatz im Vergleich, zeigte jedoch unter anderem Schwächen auf Schnee und beim Aquaplaning. Schlusslicht ist der Falken Euroall Season AS220 Pro mit 307 Punkten. Besonders seine Bewertungen auf Schnee und bei Nässe fallen gegenüber der Spitzengruppe niedriger aus.

Bei den Ergebnissen ist zu beachten, dass für den Falken inzwischen eine überarbeitete Gummimischung angeboten wird. Für den getesteten Goodyear Vector 4Seasons Gen 3 gibt es ebenfalls bereits einen Nachfolger. Die Messwerte können deshalb nicht automatisch auf andere oder überarbeitete Produktversionen übertragen werden.

Ganzjahresreifen gewinnen in Deutschland Marktanteile

Ganzjahresreifen haben in Deutschland in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Nach Angaben des ACV entfielen 2025 bereits 36 Prozent der Reifenkäufe auf diese Kategorie. Zehn Jahre zuvor waren es demnach erst zehn Prozent.

Der Vorteil liegt vor allem im Verzicht auf den saisonalen Reifenwechsel und einen zweiten Reifensatz. Die aktuellen Ergebnisse zeigen zugleich, dass die Eigenschaften der Modelle je nach Wetterlage erheblich voneinander abweichen können. Ein Reifen mit besonders guten Wintereigenschaften muss bei Nässe oder sommerlichen Bedingungen nicht automatisch ebenfalls zur Spitze gehören.

Alpine-Symbol entscheidet bei winterlichen Straßen

In Deutschland besteht keine starre Winterreifenpflicht nach Kalenderdatum. Die Vorschriften gelten situationsabhängig bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte. Ganzjahresreifen dürfen unter solchen Bedingungen verwendet werden, wenn sie die gesetzlichen Anforderungen für Winterreifen erfüllen.

Dazu gehört das Alpine-Symbol mit Bergpiktogramm und Schneeflocke. Eine reine M+S-Kennzeichnung reicht seit Oktober 2024 bei winterlichen Straßenverhältnissen nicht mehr aus. Die gesetzliche Mindestprofiltiefe für Pkw-Reifen beträgt 1,6 Millimeter.

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