Gaspreise steigen deutlich, erste Stadtwerke erhöhen ihre Tarife

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Für viele Haushalte in Deutschland wird Gas zum Beginn der Heizsaison 2026/2027 teurer. Besonders stark sind die Gaspreise für Neukunden gestiegen. Ende Oktober kostete eine Kilowattstunde Erdgas bei einem neuen Vertragsabschluss durchschnittlich rund 14 Cent. Gleichzeitig haben mehrere Stadtwerke höhere Preise angekündigt oder bereits umgesetzt. Die Entwicklung am europäischen Gasmarkt und die vergleichsweise niedrigen deutschen Gasspeicherstände erhöhen den Kostendruck.

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Neue Gasverträge seit Jahresbeginn fast 40 Prozent teurer

Die Kosten für neue Gasverträge haben sich im Laufe des Jahres 2026 deutlich erhöht. Nach einer Auswertung des Energiedienstleisters GET, die am 16. Oktober in der Fachzeitschrift ZFK veröffentlicht wurde, lagen die durchschnittlichen Jahreskosten für Neukundentarife zum 1. Oktober rund 39,4 Prozent über dem Niveau vom Jahresbeginn. Berechnungsgrundlage war ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden.

Zu Beginn des Oktobers lagen die durchschnittlichen Jahreskosten demnach bei rund 2.434 Euro. In der Grundversorgung lag der Vergleichswert bei etwa 2.686 Euro und damit geringfügig unter dem Niveau vom Januar. Während neue Verträge bereits deutlich teurer geworden waren, hatten sich die Preissteigerungen bei vielen bestehenden Grundversorgungstarifen zunächst kaum ausgewirkt.

Bis Ende Oktober stiegen die Neukundenpreise weiter. Das Vergleichsportal Verivox ermittelte zum 30. Oktober einen durchschnittlichen Gaspreis von rund 14 Cent je Kilowattstunde. Berücksichtigt wurden dabei günstige Tarife mit zwölfmonatiger Preisgarantie einschließlich möglicher Boni. Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden entspricht das rechnerisch rund 2.800 Euro im Jahr. Die Erhebungsmethode unterscheidet sich von jener der GET-Auswertung.

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Stadtwerke setzen höhere Gaspreise durch

Auch bei regionalen Energieversorgern kommen die gestiegenen Beschaffungskosten zunehmend an. Die Stadtwerke Karlsruhe erhöhten den Arbeitspreis in der Gasgrundversorgung bereits zum 1. Oktober 2026 um 2,26 Cent je Kilowattstunde brutto. Der jährliche Grundpreis blieb unverändert. Das Unternehmen begründete die Anpassung mit den seit dem Frühjahr gestiegenen Großhandelspreisen, geopolitischen Spannungen und niedrigeren Gasspeicherständen in Europa.

Weitere Erhöhungen stehen bevor. Die Städtischen Werke Magdeburg haben angekündigt, den Arbeitspreis ihres Grundversorgungstarifs zum 1. Dezember 2026 von 11,64 auf 14,40 Cent je Kilowattstunde anzuheben. Bei einem Jahresverbrauch von 12.000 Kilowattstunden bedeutet dies rechnerisch zusätzliche Kosten von 331,20 Euro für ein vollständiges Jahr zum neuen Tarif. Der Grundpreis bleibt unverändert.

Die bisherigen Ankündigungen bedeuten allerdings nicht, dass sämtliche Gaskunden in Deutschland gleichzeitig höhere Preise bezahlen müssen. Bestehende Verträge, langfristige Beschaffungsstrategien und unterschiedliche Preisgarantien führen dazu, dass sich die Entwicklung je nach Versorger und Tarif unterschiedlich auswirkt.

Nahostkonflikt verteuert Gas auf dem europäischen Markt

Ein wesentlicher Grund für die höheren Gaspreise ist die angespannte Situation auf den internationalen Energiemärkten. Der Krieg im Nahen Osten beeinträchtigt wichtige Energietransportwege und erhöht die Unsicherheit über die Verfügbarkeit von Flüssigerdgas.

Europa ist nach dem weitgehenden Wegfall russischer Pipelinegaslieferungen stärker auf Flüssigerdgas angewiesen. Lieferausfälle und Transportbeschränkungen in anderen Weltregionen können deshalb auch die europäischen Preise beeinflussen. Europäische Käufer stehen dabei im Wettbewerb mit Abnehmern in Asien.

Die Bundesnetzagentur stellte am 27. Oktober fest, dass die Gasgroßhandelspreise seit April 2026 um rund 60 Prozent gestiegen waren. Diese Entwicklung wirke sich zunehmend auf neue Lieferverträge aus. Bei bestehenden Kunden komme der Preisanstieg abhängig von der Beschaffungsstrategie der Versorger häufig erst zeitversetzt an.

Deutsche Gasspeicher deutlich schwächer gefüllt

Zusätzlich sorgt die Entwicklung der Gasspeicher für Aufmerksamkeit. Nach Angaben der Bundesnetzagentur vom 2. November 2026 waren die deutschen Speicher zu rund 61 Prozent gefüllt. Das entsprach einer gespeicherten Energiemenge von etwa 151 Terawattstunden. Die Füllstände lagen damit deutlich unter den Vergleichswerten vergangener Jahre.

Eine unmittelbare Versorgungskrise ergibt sich daraus nach Einschätzung der Behörde nicht. Die Gasimporte seien stabil, die Versorgungssicherheit sei gewährleistet. Neben den Speichern spielen auch Pipelineimporte und Flüssigerdgaslieferungen eine entscheidende Rolle. Die Bundesnetzagentur schätzte das Risiko einer angespannten Versorgungslage weiterhin als gering ein.

Niedrigere Speicherstände können den Markt dennoch empfindlicher gegenüber zusätzlichen Störungen oder einer hohen Nachfrage machen. Vor allem bei anhaltend kalter Witterung gewinnt die Verfügbarkeit kurzfristiger Gaslieferungen an Bedeutung.

Höhere Gaspreise können mehrere Hundert Euro kosten

Für Privathaushalte hängt die finanzielle Belastung vor allem vom tatsächlichen Gasverbrauch und vom vereinbarten Tarif ab. Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden führt bereits eine Erhöhung des Arbeitspreises um einen Cent je Kilowattstunde zu Mehrkosten von 200 Euro im Jahr. Bei zwei Cent sind es 400 Euro, sofern der Verbrauch unverändert bleibt.

Die Auswirkungen fallen deshalb bei Haushalten mit hohem Heizbedarf besonders deutlich aus. Wer bereits einen längerfristigen Vertrag mit wirksamer Preisgarantie abgeschlossen hat, ist vor steigenden Beschaffungskosten dagegen möglicherweise noch geschützt.

Dass die Preise nicht für alle Verbraucher gleichzeitig steigen, zeigt auch die Entwicklung im ersten Halbjahr 2026. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom 30. September zahlten private Haushalte damals durchschnittlich 11,58 Cent je Kilowattstunde Erdgas. Das waren 5,3 Prozent weniger als im zweiten Halbjahr 2025. Zu den Entlastungsfaktoren gehörte die Abschaffung der Gasspeicherumlage zum Jahresbeginn.

Verbraucher können Verträge und Preisgarantien prüfen

Angesichts der steigenden Neukundenpreise gewinnt der Blick auf bestehende Gasverträge an Bedeutung. Entscheidend sind neben dem Arbeitspreis auch der jährliche Grundpreis, die verbleibende Vertragslaufzeit und der Umfang einer möglichen Preisgarantie.

Bei angekündigten Preiserhöhungen haben Verbraucher in der Regel ein Sonderkündigungsrecht. In der Grundversorgung ist zudem unabhängig von einer Preiserhöhung eine Kündigung mit einer Frist von zwei Wochen möglich. Nach Angaben der Bundesnetzagentur gelten für Grundversorger besondere Informationspflichten bei Preisänderungen.

Ob sich ein Anbieterwechsel finanziell lohnt, hängt vom aktuellen Vertrag und den verfügbaren Angeboten ab. Ein günstiger Bestandsvertrag kann angesichts der inzwischen gestiegenen Neukundenpreise vorteilhafter sein als ein Neuabschluss.

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