
Die Aktien der südkoreanischen Halbleiterhersteller Samsung Electronics und SK Hynix sind am Dienstag, 3. November 2026, an der Börse in Seoul deutlich gefallen. Zeitweise verloren beide Unternehmen rund fünf Prozent ihres Börsenwerts. Hintergrund sind erneute Zweifel an der Wirtschaftlichkeit hoher Investitionen in künstliche Intelligenz. Zusätzlichen Druck auf die Technologiebranche brachte eine umfangreiche Finanzierungsmaßnahme des US-Softwarekonzerns Oracle.
Bereits kurz nach Handelsbeginn gerieten die beiden größten südkoreanischen Speicherchiphersteller unter Verkaufsdruck. Samsung Electronics lag am Dienstag um 9.08 Uhr Ortszeit bei 217.750 südkoreanischen Won. Das entsprach einem Rückgang von 4,91 Prozent gegenüber dem Vortag. Die Aktie von SK Hynix verlor zur gleichen Zeit 5,37 Prozent und notierte bei 1.393.000 Won. Die Zahlen stammen vom südkoreanischen Fernsehsender SBS.
Im weiteren Vormittagshandel verringerten sich die Verluste etwas. Nach Angaben der südkoreanischen Wirtschaftszeitung Financial News lag Samsung Electronics um 10.50 Uhr Ortszeit bei 222.000 Won, ein Minus von 3,06 Prozent. SK Hynix verbilligte sich zu diesem Zeitpunkt um 3,74 Prozent auf 1.417.000 Won.
Auch der südkoreanische Leitindex Kospi stand unter Druck. Um 10.50 Uhr Ortszeit notierte er bei 5.711,27 Punkten und damit 2,52 Prozent niedriger als zum Handelsschluss am Montag. Ausländische und institutionelle Anleger verkauften per saldo Aktien, während Privatanleger überwiegend auf der Käuferseite standen.
Ein wesentlicher Belastungsfaktor für die internationalen Technologiebörsen ist die Finanzierung des KI-Ausbaus durch den US-Konzern Oracle. Das Unternehmen kündigte am 2. November eine Kapitalaufnahme von insgesamt rund 20 Milliarden US-Dollar an. Jeweils etwa zehn Milliarden Dollar sollen durch die Ausgabe neuer Aktien und durch Anleihen beschafft werden.
Oracle legte für die Aktienplatzierung einen Ausgabepreis von 116 US-Dollar je Aktie fest. Vorgesehen sind rund 86,2 Millionen neue Aktien. Die angebotenen Anleihen haben unterschiedliche Laufzeiten und werden zwischen 2029 und 2046 fällig. Der Abschluss der Transaktionen ist für den 4. November geplant.
Bereits Ende Oktober hatte Oracle angekündigt, für seinen Investitionszyklus bis zum Geschäftsjahr 2030 zusätzliche Mittel in dieser Größenordnung aufnehmen zu wollen. Das Unternehmen baut seine Cloud-Infrastruktur aus, um die steigende Nachfrage nach Rechenleistung für künstliche Intelligenz bedienen zu können.
Die Einnahmen aus den Kapitalmaßnahmen können nach Angaben des Unternehmens unter anderem für Investitionen, die Rückzahlung bestehender Schulden und weitere allgemeine Unternehmenszwecke verwendet werden.
An der Wall Street hatte die Ankündigung bereits am Montag deutliche Kursbewegungen ausgelöst. Die Oracle-Aktie verlor zum US-Handelsschluss am 2. November rund 8,8 Prozent. Anleger beschäftigten sich verstärkt mit der Frage, wie schnell sich die Milliardeninvestitionen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur wirtschaftlich auszahlen können.
Auch andere Technologieunternehmen gerieten unter Verkaufsdruck. Der amerikanische Speicherchipproduzent Micron Technology verlor am Montag rund 5,8 Prozent. Die Aktie des Chipherstellers AMD gab um 7,52 Prozent nach. Der Philadelphia Semiconductor Index, der wichtige Halbleiterwerte abbildet, schloss 3,37 Prozent niedriger.
Die Schwäche setzte sich am Dienstag an mehreren asiatischen Aktienmärkten fort. In Südkorea verloren neben den beiden großen Speicherchipherstellern auch weitere Unternehmen aus dem Technologiesektor an Wert. Der südkoreanische Halbleiterzulieferer Samsung Electro-Mechanics und die Beteiligungsgesellschaft SK Square verzeichneten ebenfalls Kursrückgänge.
Auch der taiwanische Aktienmarkt stand unter Druck. Der dortige Leitindex Taiex gab im Dienstagshandel nach. An der Börse in Tokio fand wegen eines Feiertags kein regulärer Handel statt.
Für Samsung Electronics und SK Hynix besitzt der weltweite Ausbau künstlicher Intelligenz eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Beide Unternehmen produzieren Speicherchips, die unter anderem in leistungsfähigen KI-Servern eingesetzt werden.
Besonders wichtig ist sogenannter High Bandwidth Memory, kurz HBM. Dieser Speicher ermöglicht eine schnelle Datenübertragung zwischen Prozessoren und Arbeitsspeicher und gehört zu den zentralen Komponenten moderner KI-Beschleuniger.
Die Bedeutung des Geschäfts zeigen die jüngsten Unternehmenszahlen. SK Hynix hatte am 28. Oktober für das dritte Quartal 2026 Rekordumsätze und Rekordergebnisse gemeldet. Das Unternehmen verwies dabei auf die starke Nachfrage nach hochwertigen Speicherprodukten und den Ausbau des HBM4-Geschäfts.
Auch Samsung Electronics meldete Ende Oktober einen Rekord im Speichergeschäft. Der Konzern führte die Entwicklung unter anderem auf hohe Nachfrage nach Speicherprodukten für KI-Anwendungen und Server zurück.
Die Kursverluste zeigen, wie empfindlich die Finanzmärkte inzwischen auf Nachrichten über die Finanzierung großer KI-Projekte reagieren. Für Speicherchip-Hersteller ist entscheidend, in welchem Umfang Betreiber von Rechenzentren ihre Investitionsprogramme tatsächlich umsetzen und welche Nachfrage daraus entsteht.
Die am Dienstag beobachteten Rückgänge bedeuten allerdings nicht, dass die Nachfrage nach Speicherchips bereits eingebrochen ist. Die jüngsten Geschäftszahlen von Samsung Electronics und SK Hynix weisen vielmehr auf eine weiterhin starke Nachfrage hin.
Gleichzeitig wächst an den Börsen die Aufmerksamkeit für den Kapitalbedarf der KI-Branche. Oracles Finanzierung verdeutlicht die Größenordnung der notwendigen Investitionen. Die Entwicklungen an den Aktienmärkten in Seoul und New York spiegeln damit vor allem die Unsicherheit über das Verhältnis zwischen hohen Ausgaben und künftigen Erträgen wider.
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