
Die Zahl der in Deutschland lebenden Geflüchteten ist im ersten Halbjahr 2026 leicht gesunken. Zum Stichtag 30. Juni lebten nach Angaben der Bundesregierung rund 3,5 Millionen Menschen mit einem Flucht- oder vergleichbaren humanitären Aufenthaltsstatus in der Bundesrepublik. Das waren rund 20.000 weniger als Ende 2025. Als Faktoren für den Rückgang nennt die Bundesregierung unter anderem Ausreisen, Abschiebungen und Einbürgerungen. Zugleich nahm die Zahl neu hinzukommender Schutzsuchender aus der Ukraine deutlich langsamer zu als in den Vorjahren.
Die aktuellen Angaben stammen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Die Anfrage unter der Drucksachennummer 21/7215 bezog sich auf die in Deutschland lebenden Geflüchteten zum Stand 30. Juni 2026. Die Antwort wurde als Bundestagsdrucksache 21/7815 veröffentlicht.
Nach diesen Daten lag die Zahl der Geflüchteten zur Jahresmitte bei rund 3,5 Millionen. Gegenüber Ende 2025 ergibt sich ein Rückgang um ungefähr 20.000 Personen. Dabei umfasst diese Statistik verschiedene aufenthaltsrechtliche Gruppen. Dazu gehören unter anderem Menschen mit anerkanntem Schutzstatus, Personen mit humanitären Aufenthaltstiteln, Schutzsuchende in laufenden Verfahren sowie Menschen mit einer Duldung oder einem noch ungeklärten Status.
Etwa 438.000 Menschen, entsprechend rund 12,5 Prozent der erfassten Geflüchteten, hatten zum Stichtag nach Angaben der Bundesregierung einen unsicheren oder noch ungeklärten Aufenthaltsstatus. Umgekehrt verfügte damit die große Mehrheit über ein Aufenthaltsrecht oder einen sonstigen anerkannten Schutzstatus.
Die Bundesregierung führt den leichten Rückgang der Gesamtzahl unter anderem auf Abschiebungen, freiwillige und andere Ausreisen sowie Einbürgerungen zurück. Bei einer Einbürgerung verschwindet eine Person aus entsprechenden Statistiken ausländischer Geflüchteter, obwohl sie selbstverständlich weiterhin in Deutschland leben kann. Ein Rückgang der statistisch erfassten Zahl bedeutet deshalb nicht automatisch, dass sämtliche betreffenden Menschen Deutschland verlassen haben.
Für Abschiebungen liegen gesonderte amtliche Zahlen vor. Im Zeitraum vom 1. Januar bis 30. Juni 2026 wurden nach Angaben der Bundesregierung 9.663 Menschen aus Deutschland abgeschoben. Im ersten Halbjahr 2025 waren es 11.807 gewesen. Die Zahl der Abschiebungen ging damit gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum zurück. Für das Gesamtjahr 2025 hatte die Bundesregierung 22.787 Abschiebungen ausgewiesen.
Daneben wurden im ersten Halbjahr 2026 nach Angaben der Bundesregierung 9.276 Ausreisen über das Bund-Länder-Programm REAG/GARP finanziell unterstützt. Zusammen mit den Abschiebungen ergibt sich für diese beiden Kategorien eine Zahl von 18.939 Ausreisen beziehungsweise Rückführungen im Zeitraum Januar bis Juni. Die geförderten freiwilligen Ausreisen sind allerdings nicht mit allen freiwilligen oder anderweitigen Ausreisen aus Deutschland gleichzusetzen, weil das Programm nur einen Teil davon erfasst.
Besonders sichtbar ist die veränderte Entwicklung bei Menschen aus der Ukraine. Nach Angaben der Bundesregierung lebten Mitte 2026 insgesamt rund 1,35 Millionen Geflüchtete aus der Ukraine in Deutschland. Damit stellten sie weiterhin die größte einzelne Gruppe innerhalb der erfassten Geflüchteten.
Im Juni 2026 wurden demnach 3.919 neue Schutzgesuche von ukrainischen Staatsangehörigen registriert. Gleichzeitig verzeichneten die Behörden im gesamten ersten Halbjahr 31.662 Ausreisen von Menschen aus der Ukraine. Unter dem Strich nahm die Zahl der in Deutschland lebenden ukrainischen Geflüchteten von Januar bis Ende Juni deshalb nur noch um 20.857 Personen zu.
Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 hatte der Nettozuwachs noch bei rund 88.000 Menschen gelegen. 2024 waren es rund 108.000 gewesen. Die Entwicklung zeigt damit, dass die Zahl der in Deutschland lebenden ukrainischen Geflüchteten weiterhin zunimmt, allerdings deutlich langsamer als zuvor.
Bei der Einordnung der Zahl von rund 3,5 Millionen ist eine wichtige statistische Besonderheit zu beachten. Das Statistische Bundesamt weist daneben die Kategorie der Schutzsuchenden aus. Darunter versteht Destatis ausländische Personen, die sich nach den Angaben im Ausländerzentralregister unter Berufung auf völkerrechtliche, humanitäre oder politische Gründe in Deutschland aufhalten.
Nach der endgültigen Destatis-Statistik waren zum 31. Dezember 2025 insgesamt 3.236.395 Schutzsuchende im Ausländerzentralregister erfasst. Gegenüber Ende 2024 mit 3.304.705 Personen war diese Zahl um rund 68.000 beziehungsweise 2,1 Prozent gesunken.
Die Bundestagsangaben zu den rund 3,5 Millionen Geflüchteten und die Destatis-Zahl von rund 3,24 Millionen Schutzsuchenden widersprechen sich daher nicht. Sie beruhen auf unterschiedlichen statistischen Abgrenzungen. Für Vergleiche über mehrere Jahre muss deshalb jeweils darauf geachtet werden, welche Personengruppen eine Statistik umfasst.
Der Rückgang im ersten Halbjahr 2026 fällt gemessen an einer Gesamtzahl von rund 3,5 Millionen Menschen gering aus. Er markiert dennoch eine Veränderung gegenüber den starken Zuwächsen, die Deutschland insbesondere nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 verzeichnet hatte.
Auch die Destatis-Zeitreihe zeigt diese Entwicklung. Ende 2021 waren rund 1,94 Millionen Schutzsuchende registriert. Ende 2022 stieg ihre Zahl auf rund 3,08 Millionen, Ende 2023 auf 3,17 Millionen und Ende 2024 auf 3,30 Millionen. Zum 31. Dezember 2025 sank sie erstmals wieder auf rund 3,24 Millionen.
Die aktuellen Daten für die erste Hälfte des Jahres 2026 setzen diese Entwicklung bei der breiter gefassten Zahl der Geflüchteten fort. Entscheidend für die Veränderung sind mehrere Bewegungen gleichzeitig: neue Einreisen, Ausreisen, Abschiebungen, Veränderungen des Aufenthaltsstatus und Einbürgerungen. Die reine Bestandszahl allein erlaubt deshalb keine Aussage darüber, wie viele Menschen neu nach Deutschland gekommen oder tatsächlich ausgereist sind.
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