Wirtschaft wächst stärker, doch der Aufschwung bleibt fragil

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Erwartungen für die deutsche Konjunktur deutlich angehoben. In der am Donnerstag vorgestellten Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2026 rechnen sie für das laufende Jahr mit einem Wachstum des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts um 1,3 Prozent. Im Frühjahr waren die Institute noch von lediglich 0,6 Prozent ausgegangen. Trotz der besseren Zahlen sehen die Ökonomen erhebliche strukturelle Belastungen.

Prognose für 2026 mehr als verdoppelt

Die deutsche Wirtschaft hat sich im bisherigen Jahresverlauf robuster entwickelt als noch im Frühjahr angenommen. Für 2026 erwarten die Institute nun ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent. Damit wurde die Prognose innerhalb weniger Monate um 0,7 Prozentpunkte angehoben.

Auch für 2027 fällt der Ausblick etwas günstiger aus. Statt der im Frühjahr erwarteten 0,9 Prozent rechnen die Wirtschaftsforscher nun mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts um 1,1 Prozent.

Danach dürfte die Dynamik allerdings deutlich nachlassen. Für 2028 sagen die Institute nur noch ein Wachstum von 0,4 Prozent voraus. Die aktuell bessere Entwicklung bedeutet damit aus Sicht der Forscher noch keinen dauerhaft kräftigen Aufschwung.

Industrie und Exporte entwickeln sich besser

Ein Grund für die angehobene Prognose ist die stärkere Entwicklung in der ersten Jahreshälfte. Vor allem die Exporte und die Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe schnitten besser ab als zuvor angenommen.

Dagegen bleiben andere Bereiche zurück. Die Investitionen der Unternehmen entwickeln sich weiterhin verhalten. Auch vom privaten Konsum kommen bislang keine besonders starken Wachstumsimpulse.

Zusätzliche Nachfrage entsteht durch die expansive Finanzpolitik. Höhere staatliche Ausgaben, unter anderem für Infrastruktur und Verteidigung, stützen die Konjunktur. Die Institute sehen darin allerdings keinen Ersatz für eine Verbesserung der langfristigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Hohe Energiepreise belasten Unternehmen und Verbraucher

Zu den Belastungsfaktoren gehören weiterhin hohe Energiepreise. Sie erhöhen die Produktionskosten vieler Unternehmen und schmälern zugleich die Kaufkraft der privaten Haushalte.

Hinzu kommen vorübergehende Störungen durch niedrige Wasserstände wichtiger Flüsse. Diese können Transporte verteuern und insbesondere Unternehmen treffen, die auf große Mengen an Rohstoffen und Vorprodukten angewiesen sind.

Bereits im Frühjahr hatten die Institute den Energiepreisanstieg als wesentliche Belastung für Deutschland eingestuft. Damals war die Wachstumsprognose für 2026 auf 0,6 Prozent gesenkt worden.

Strukturelle Probleme bremsen den längerfristigen Ausblick

Trotz der verbesserten Konjunkturzahlen bleiben die langfristigen Aussichten gedämpft. Deutschland kämpft seit Jahren mit schwachem Produktivitätswachstum, hohen Standortkosten, dem demografischen Wandel und einer im internationalen Vergleich schwächeren Entwicklung großer Teile der Industrie.

Dass die Institute für 2028 nur noch 0,4 Prozent Wirtschaftswachstum erwarten, zeigt die Diskrepanz zwischen der derzeitigen konjunkturellen Erholung und dem längerfristigen Wachstumspotenzial.

Staatliche Ausgaben können die Nachfrage kurzfristig erhöhen. Für ein dauerhaft höheres Wachstum kommt es jedoch auch darauf an, dass private Investitionen steigen und Unternehmen ihre Produktionskapazitäten erweitern.

Gemeinschaftsdiagnose beeinflusst auch die Planung des Bundes

Die Gemeinschaftsdiagnose wird zweimal jährlich erstellt. Beteiligt sind das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin, das ifo Institut in München, das Kiel Institut für Weltwirtschaft, das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle und das RWI in Essen.

Die Prognosen dienen der Bundesregierung als wichtige Orientierung für ihre eigenen gesamtwirtschaftlichen Projektionen und damit auch für die Haushalts- und Finanzplanung.

Die neue Herbstprognose zeichnet deshalb ein zweigeteiltes Bild. Kurzfristig entwickelt sich Deutschlands Wirtschaft deutlich besser als noch im Frühjahr erwartet. Gleichzeitig bleibt das Wachstum auf längere Sicht schwach, solange strukturelle Probleme und hohe Kosten Investitionen und Produktivität begrenzen.

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