Metall- und Elektroindustrie verliert weiter Arbeitsplätze

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall warnt vor einem anhaltenden Stellenabbau in Deutschlands größter Industriebranche. Seit 2019 sind nach Verbandsangaben fast 350.000 Arbeitsplätze in der Metall- und Elektroindustrie weggefallen. Ohne eine wirtschaftliche Trendwende könnten weitere 300.000 Stellen gefährdet sein. Gleichzeitig belasten schwache Exporte und eine geringe Auslastung die Unternehmen. Der Verband fordert von der Bundesregierung umfassende Reformen.

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Gesamtmetall warnt vor weiteren 300.000 gefährdeten Arbeitsplätzen

Die Beschäftigung in der Metall- und Elektroindustrie ist seit fast drei Jahren rückläufig. Im August 2026 arbeiteten nach den von Gesamtmetall ausgewerteten Daten des Statistischen Bundesamtes noch rund 3,72 Millionen Menschen in der Branche. Das waren 94.100 Beschäftigte weniger als ein Jahr zuvor. Saisonbereinigt ging die Beschäftigung damit den 35. Monat in Folge zurück.

Gesamtmetall-Chefvolkswirt Lars Kroemer sieht angesichts der anhaltenden Produktionsschwäche weitere Arbeitsplätze bedroht. Die Zahl von 300.000 gefährdeten Stellen beschreibt dabei ein mögliches Risiko bei ausbleibender wirtschaftlicher Erholung. Konkrete Entlassungsbeschlüsse in dieser Größenordnung liegen nicht vor.

Die Personalplanungen der Unternehmen bleiben dennoch angespannt. Im September wollten laut Gesamtmetall 24 Prozent der befragten Betriebe Beschäftigung abbauen. Nur elf Prozent planten zusätzliche Einstellungen.

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Schwache Exporte setzen Industrie zusätzlich unter Druck

Neue Außenhandelszahlen verstärken die Sorgen des Arbeitgeberverbands. Wie Gesamtmetall am 22. Oktober mitteilte, gingen die Ausfuhren der Metall- und Elektroindustrie im August gegenüber dem Vormonat kalender- und saisonbereinigt um 0,6 Prozent auf 79,2 Milliarden Euro zurück.

Von Januar bis August erreichten die Exporte insgesamt 624 Milliarden Euro. Preisbereinigt lag das Geschäft damit lediglich 0,2 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Während sich die Lieferungen in die USA stabilisierten und das Geschäft mit EU-Staaten leicht zulegte, gingen die Ausfuhren nach China erneut deutlich zurück. Gleichzeitig stiegen die Importe von Metall- und Elektroerzeugnissen im August um 1,9 Prozent gegenüber Juli.

Gesamtmetall wertet diese Entwicklung als Zeichen zunehmender Wettbewerbsprobleme des deutschen Produktionsstandorts.

Werksschließungen und Produktionsverlagerungen bleiben ein Risiko

Besonders problematisch ist nach Einschätzung des Verbands die geringe Auslastung vieler Unternehmen. Im dritten Quartal lag sie bei 79 Prozent und damit deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 85 Prozent. Die Produktion unterschritt das Niveau von 2018 weiterhin um rund 15 Prozent.

Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter hatte bereits im September auf den Personalabbau, Diskussionen über Standortschließungen und die Verlagerung von Produktionsprozessen ins Ausland hingewiesen. Besonders kleinere Zulieferbetriebe könnten unter Druck geraten, weil sie ihre Fertigung häufig nicht so leicht ins Ausland verlagern könnten wie international tätige Konzerne.

Eine konkrete Zahl zusätzlich bevorstehender Werksschließungen hat der Verband nicht genannt.

Arbeitgeber fordern niedrigere Kosten und Reformen

Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung erhöht Gesamtmetall den Druck auf die Bundesregierung. Der Verband verlangt niedrigere Steuern, weniger Bürokratie sowie Entlastungen bei Energiepreisen und Arbeitskosten.

Zu den konkreten Forderungen gehört, die Sozialversicherungsbeiträge langfristig auf insgesamt 40 Prozent zurückzuführen. Außerdem setzt sich Gesamtmetall für Änderungen des Arbeitszeitgesetzes ein. Statt einer starren täglichen Höchstarbeitszeit sollen die gesetzlichen Regeln stärker auf eine wöchentliche Arbeitszeitgrenze ausgerichtet werden.

Die Bundesregierung verweist dagegen auf bereits eingeleitete Entlastungen und Investitionsmaßnahmen. In ihrer Herbstprojektion vom 8. Oktober rechnet sie für 2026 mit einem Wachstum der deutschen Wirtschaft um 1,3 Prozent. Für 2027 erwartet sie ein Plus von 1,1 Prozent.

Die gesamtwirtschaftliche Erholung bedeutet allerdings nicht automatisch eine Verbesserung der Lage in allen Industriebranchen.

Tarifrunde verschärft den Konflikt zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft

Zusätzlich zur wirtschaftspolitischen Debatte laufen derzeit die Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie. Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Entgelt, Beschäftigungssicherung und eine Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich besonders erfolgreichen Unternehmen.

Die Gewerkschaft betont, dass sich die wirtschaftliche Lage innerhalb der Branche deutlich unterscheidet. Während unter anderem Automobilzulieferer unter Druck stehen, entwickeln sich andere Bereiche günstiger. Nach einer Beschäftigtenbefragung der IG Metall bewertet nahezu die Hälfte der Befragten die wirtschaftliche Lage im eigenen Betrieb als gut oder sehr gut.

Die erste Verhandlungsrunde endete ohne Annäherung. Die zweite Runde beginnt am 27. Oktober. Nach Ablauf der Friedenspflicht Ende Oktober sind ab dem 1. November Warnstreiks möglich.

Damit stehen die Unternehmen vor mehreren Herausforderungen gleichzeitig: Sie müssen ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern, Beschäftigung sichern und mit der Gewerkschaft über neue Tarifbedingungen verhandeln.

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