
Der deutsche Aktienmarkt steht zum Wochenschluss erneut unter Druck. Steigende Ölpreise, Zweifel an der Rentabilität milliardenschwerer Investitionen in künstliche Intelligenz und schwache Unternehmenszahlen belasten die Stimmung. Der DAX verliert am Freitag, 23. Oktober 2026, zeitweise rund ein Prozent. Besonders deutliche Kursverluste verzeichnen die Aktien von Volvo Cars und des französischen Luxuskonzerns Kering.
Der DAX am 23. Oktober 2026 setzt seine Verluste vom Vortag fort. Um 14.27 Uhr notiert der deutsche Leitindex bei 25.121,60 Punkten und damit 0,99 Prozent unter seinem Vortagesschluss. Das zeigen die Xetra-Kursdaten von Infront, die beim manager magazin veröffentlicht werden.
Bereits am Donnerstag hatte der DAX 1,07 Prozent verloren und den Handel bei 25.371,75 Punkten beendet. Damit sind die zwischenzeitlichen Kursgewinne vom Mittwoch wieder aufgezehrt.
Auch innerhalb des deutschen Leitindex entwickeln sich die Aktien unterschiedlich. Zu den schwächsten Werten zählen am frühen Freitagnachmittag MTU Aero Engines mit einem Abschlag von rund 4,8 Prozent und die Deutsche Telekom mit einem Minus von rund 3,4 Prozent. Heidelberg Materials und Scout24 können dagegen zulegen.
Besonders deutlich zeigte sich die Schwäche am Donnerstag an der amerikanischen Technologiebörse. Der Nasdaq 100 verlor zum US-Handelsschluss um 22 Uhr deutscher Zeit 2,90 Prozent auf 28.958,69 Punkte. Der breiter aufgestellte S&P 500 gab um 1,21 Prozent nach.
Ein wesentlicher Belastungsfaktor sind die hohen Investitionen großer Technologiekonzerne in künstliche Intelligenz. Unternehmen wie Meta investieren Milliardenbeträge in Rechenzentren, leistungsfähige Chips und die Entwicklung neuer KI-Anwendungen. Anleger hinterfragen zunehmend, wie schnell diese Ausgaben zusätzliche Gewinne ermöglichen können.
Meta hatte für das dritte Quartal Investitionsausgaben einschließlich bestimmter Leasingzahlungen von 34,91 Milliarden US-Dollar ausgewiesen. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen entsprechende Ausgaben zwischen 135 und 145 Milliarden Dollar. Obwohl der Konzern seinen Quartalsumsatz deutlich steigerte, verlor seine Aktie am Donnerstag rund sieben Prozent.
Die Entwicklung betrifft nicht nur amerikanische Technologiewerte. Auch europäische Unternehmen aus der Halbleiterbranche und andere wachstumsorientierte Aktien reagieren empfindlich auf Veränderungen bei Finanzierungskosten und Gewinnerwartungen.
Zusätzlicher Druck entsteht durch die Entwicklung am Ölmarkt. Die Nordseesorte Brent erreichte am Freitag zeitweise rund 115 US-Dollar je Barrel und damit den höchsten Stand seit Anfang Mai. Nach Reuters-Daten kostete ein Brent-Terminkontrakt gegen 10.10 Uhr deutscher Zeit 113,96 Dollar, nachdem zuvor 114,72 Dollar erreicht worden waren.
Hinter dem Preisanstieg stehen insbesondere neue Spannungen im Nahen Osten. Angriffe der Huthi auf Ziele in Saudi-Arabien verstärken die Sorge vor weiteren Störungen der Energieversorgung. Für Unternehmen können höhere Ölpreise steigende Transport-, Produktions- und Energiekosten bedeuten.
Zugleich erschwert teurere Energie eine nachhaltige Entspannung bei der Inflation. Sollten die Verbraucherpreise dadurch länger hoch bleiben, könnte das den Spielraum der Notenbanken für Zinssenkungen begrenzen. Gerade für Unternehmen mit hohen Investitionsausgaben ist die Entwicklung der Finanzierungskosten von Bedeutung.
Neben den gesamtwirtschaftlichen Belastungen sorgen schwache Quartalszahlen für erhebliche Kursbewegungen. Besonders stark trifft es den schwedischen Autobauer Volvo Cars. Die Aktie verliert am Freitagvormittag zeitweise fast 30 Prozent und fällt auf ein Rekordtief.
Volvo Cars meldet für das dritte Quartal einen operativen Verlust von 5,6 Milliarden schwedischen Kronen. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch einen operativen Gewinn von 6,4 Milliarden Kronen erzielt. Der Umsatz sinkt von 86,4 Milliarden auf 66,9 Milliarden Kronen.
Als Reaktion auf die Geschäftsentwicklung will Volvo Cars seine Kosten weiter reduzieren und weltweit etwa 2.500 Stellen abbauen, davon rund 2.000 in Schweden. Zusätzlich sollen Einsparungen von fünf Milliarden Kronen erreicht werden.
Besonders schwierig ist die Lage in China und den USA. Während Volvo Cars in China unter intensivem Wettbewerb und Preisdruck steht, belasten in den Vereinigten Staaten unter anderem Zölle und veränderte Förderbedingungen für Elektrofahrzeuge das Geschäft.
Auch der französische Luxusgüterkonzern Kering steht unter Verkaufsdruck. Die Aktie verliert am Freitag an der Pariser Börse zeitweise rund 13 Prozent. Gegen 12.27 Uhr wird ein Kurs von 186,76 Euro gemeldet.
Auslöser sind die am Donnerstag veröffentlichten Umsatzzahlen. Kering erzielt im dritten Quartal einen Umsatz von 3,345 Milliarden Euro. Auf vergleichbarer Basis entspricht das einem Rückgang um ein Prozent.
Besonders schwer wiegt die Entwicklung der wichtigsten Marke Gucci. Deren Umsatz sinkt auf rund 1,29 Milliarden Euro, auf vergleichbarer Basis ein Minus von sechs Prozent. Die schwache Nachfrage, insbesondere in China, erschwert die Bemühungen um eine wirtschaftliche Erholung der Marke.
Die Kursverluste verdeutlichen, dass neben Technologieunternehmen auch klassische Konsumgüterhersteller mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert sind. Der internationale Wettbewerb, zurückhaltende Verbraucher und steigende Kosten treffen unterschiedliche Branchen auf jeweils eigene Weise.
Zum Abschluss der Handelswoche bleibt die internationale Entwicklung maßgeblich. Am Freitagnachmittag steht insbesondere der Handelsbeginn an der Wall Street um 15.30 Uhr deutscher Zeit im Mittelpunkt. Nach den deutlichen Verlusten der amerikanischen Technologiewerte am Donnerstag dürfte deren weitere Kursentwicklung auch für die europäischen Aktienmärkte wichtig sein.
Zugleich beeinflussen die Ölpreise und die Entwicklung der Anleiherenditen die Erwartungen an die Geldpolitik. Für den DAX treffen damit mehrere Belastungsfaktoren zusammen: höhere Energiekosten, Unsicherheit über die Finanzierung des KI-Booms und eine Berichtssaison mit teils erheblichen Ergebnisunterschieden zwischen den Unternehmen.
Kursstand DAX: 23. Oktober 2026, 14.27 Uhr, Xetra/Infront. Die US-Indexstände beziehen sich auf den Handelsschluss vom 22. Oktober 2026. Intraday-Kurse können sich im weiteren Handel verändern. Keine Anlageempfehlung.
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