
Borussia Mönchengladbach steht nach einem historischen Fehlstart in der Fußball-Bundesliga unter erheblichem Druck. Sechs Spiele, sechs Niederlagen und kein einziger Punkt stehen nach den ersten Spieltagen der Saison 2026/27 zu Buche. Dennoch hält Sportchef Rouven Schröder am erst im September verpflichteten Trainer Alexander Blessin fest. In einem am Freitag, 23. Oktober 2026, veröffentlichten Interview mit SPORT1 lobte der 51-Jährige die Arbeit des neuen Trainers und bestätigte ein bislang nicht öffentlich erläutertes Vertragsdetail: Blessins Vertrag gilt auch im Fall eines Abstiegs in die 2. Bundesliga.
Im Interview mit SPORT1 stellte Schröder klar, dass er von der Arbeit des Trainers und seines Teams überzeugt sei. „Alex und sein Trainerteam machen einen richtig guten Job“, erklärte der Sportchef. Blessin habe seit seiner Ankunft neue Impulse gesetzt, klare Vorstellungen vermittelt und begonnen, die Mannschaft nach seinen sportlichen Ideen auszurichten.
Die bislang ausbleibenden Ergebnisse wertete Schröder nicht als Beleg dafür, dass die Arbeit des Trainers wirkungslos sei. Er verwies auf Fortschritte im Trainingsalltag und auf die Schwierigkeiten, die sich durch zahlreiche verletzte Spieler ergeben. Allerdings räumte er ein, dass die Entwicklung nun auch zu Punktgewinnen führen müsse.
Besonders aufschlussreich war seine Antwort auf die Frage nach der vertraglichen Zukunft des Trainers. SPORT1 wollte wissen, ob Blessins Vertrag auch für die 2. Bundesliga gültig sei. Schröder antwortete: „Ja, definitiv.“
Damit steht nach Angaben des Sportchefs fest, dass ein möglicher Abstieg nicht automatisch das Ende des bestehenden Vertrags bedeuten würde. Die konkrete Formulierung der entsprechenden Vertragsregelung machte Schröder allerdings nicht öffentlich. Auch zu weiteren Bedingungen äußerte er sich nicht.
Offiziell hatte Borussia Mönchengladbach bei der Verpflichtung am 22. September 2026 eine Vertragslaufzeit bis 2028 bekannt gegeben. Diese Laufzeit bildet zusammen mit Schröders neuer Aussage den bekannten Rahmen der Vereinbarung.
Blessin war am 22. September 2026 als neuer Cheftrainer vorgestellt worden. Der 53-Jährige folgte auf Eugen Polanski, der nach der deutlichen 0:5-Niederlage beim SC Freiburg am dritten Bundesliga-Spieltag von seinen Aufgaben entbunden worden war. Zwischenzeitlich hatte Jan-Moritz Lichte die Mannschaft betreut.
Mit Blessin verpflichtete die Borussia einen Trainer, der bereits Erfahrung in mehreren europäischen Ligen gesammelt hatte. Nach Tätigkeiten im Nachwuchsbereich von RB Leipzig arbeitete er unter anderem beim belgischen Klub KV Ostende, beim italienischen CFC Genua und bei Royale Union Saint-Gilloise. Zuletzt trainierte er den FC St. Pauli, mit dem ihm zunächst der Bundesliga-Klassenerhalt gelang. Nach dem Abstieg in der Saison 2025/26 endete seine Tätigkeit in Hamburg.
Sein erstes Pflichtspiel als Gladbacher Cheftrainer absolvierte Blessin am 11. Oktober beim 1. FC Köln. Die Borussia verlor das Derby mit 1:2. Eine Woche später folgte eine weitere 1:2-Niederlage gegen die TSG Hoffenheim. Damit blieb die Mannschaft auch in den ersten beiden Bundesliga-Partien unter Blessin ohne Punkt.
Die sportliche Krise hatte allerdings bereits vor seinem Amtsantritt begonnen. Nach sechs Spieltagen ist Gladbach Tabellenletzter und hat 20 Gegentore kassiert. Erstmals in der eigenen Bundesliga-Geschichte verlor der Verein sämtliche sechs Auftaktspiele einer Saison.
Die bisherige Bilanz gehört zu den schwächsten Saisonstarts in der Geschichte der Bundesliga. Vor Borussia Mönchengladbach waren lediglich drei andere Vereine mit sechs Niederlagen in eine Spielzeit gestartet: Fortuna Düsseldorf 1991/92, der 1. FSV Mainz 05 in der Saison 2020/21 und der VfL Bochum 2022/23.
Ein siebter verlorener Saisonauftakt in Folge wäre dagegen ein neuer Bundesliga-Negativrekord. Bis zum Freitagnachmittag, 23. Oktober, stand die Borussia noch bei sechs Niederlagen. Die siebte Saisonpartie gegen den VfB Stuttgart war zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgetragen.
Wie schwierig die Lage ist, zeigen auch die bisherigen Ergebnisse. Vier der sechs Niederlagen fielen lediglich mit einem Treffer Unterschied aus. Trotz teilweise enger Spielverläufe gelang es der Borussia bislang nicht, wenigstens einen Punkt zu gewinnen.
Dass der Fehlstart zwangsläufig zum Abstieg führen muss, lässt sich aus der Bundesliga-Geschichte allerdings nicht ableiten. Mainz und Bochum sicherten sich nach ihren jeweils sechs Auftaktniederlagen am Saisonende noch den Klassenerhalt. Fortuna Düsseldorf stieg dagegen 1992 ab.
Neben den sportlichen Ergebnissen belastet die angespannte Personalsituation den Verein. Blessin erklärte auf der offiziellen Pressekonferenz am Donnerstag, 22. Oktober, dass insgesamt neun Spieler nicht zur Verfügung stünden. Unter ihnen befanden sich mehrere Profis, die für die Mannschaft eine wichtige Rolle spielen.
Stürmer Tim Kleindienst fehlte weiterhin wegen einer Muskelverletzung. Auch Neuzugang Isac Lidberg hatte muskuläre Beschwerden. Hinzu kamen unter anderem die Ausfälle von Enzo Leopold, Jan Leszczyński und Fritz Fleck. Bei Ko Itakura und Franck Honorat zeichnete sich zuletzt eine Rückkehr ins Mannschaftstraining ab, während es für Nicolas Kühn und Jens Castrop noch zu früh für einen Einsatz war.
Schröder verwies im SPORT1-Interview darauf, dass die vielen Ausfälle nicht nur die Aufstellungsmöglichkeiten einschränkten. Sie erschwerten auch das Zusammenwachsen der Mannschaft und die Entwicklung eingespielter Abläufe. Wenn Spieler nach kurzer Trainingszeit erneut ausfielen, werde die kontinuierliche Arbeit an den taktischen Vorgaben zusätzlich erschwert.
Gleichzeitig widersprach der Sportchef Darstellungen über angeblich größere Probleme innerhalb der Mannschaft. Auf die Frage nach dem Zustand der Kabine erklärte er, diese sei „absolut intakt“. Unterschiedliche persönliche Beziehungen und kleinere Gruppen innerhalb eines Kaders seien für ihn kein ungewöhnlicher Vorgang.
Auch Alexander Blessin selbst stellte sich zuletzt deutlich vor seine Mannschaft, benannte aber zugleich die sportlichen Defizite. Nach der Niederlage gegen Hoffenheim kritisierte er insbesondere das Defensivverhalten bei den Gegentoren. Die Spieler hätten in entscheidenden Situationen zu passiv agiert und Fehler nicht rechtzeitig korrigiert.
Auf der Pressekonferenz am Donnerstag betonte Blessin, dass sich die Mannschaft ihr Selbstvertrauen durch tägliche Arbeit zurückholen müsse. Dabei gehe es vor allem um grundlegende Abläufe wie Zweikampfführung, defensive Absicherung und gegenseitige Unterstützung nach Fehlern.
„Wir können nur als Gemeinschaft bestehen“, sagte der Trainer. Zugleich machte er deutlich, dass die Mannschaft noch Zeit benötige, um seine Vorstellungen vollständig umzusetzen. Die Intensität sei dabei ein zentraler Bestandteil seines Fußballkonzepts.
Blessin verwies außerdem auf die Möglichkeiten junger Spieler, die in der schwierigen Personalsituation zusätzliche Verantwortung übernehmen könnten. Allerdings dürfe die Belastung nicht auf einzelne Nachwuchskräfte übertragen werden. Entscheidend sei vielmehr, dass erfahrene und junge Profis gemeinsam eine stabile Mannschaftsleistung entwickelten.
Für Rouven Schröder bleibt die Zugehörigkeit zur Bundesliga trotz des punktlosen Saisonstarts das entscheidende sportliche Ziel. Im SPORT1-Interview stellte er klar, dass der Verein dafür alle notwendigen Anstrengungen unternehmen wolle.
Dabei schloss er zusätzliche Verpflichtungen im Wintertransferfenster nicht aus. Zunächst solle sich jedoch die personelle Situation verbessern, damit Blessin die vorhandenen Spieler unter möglichst vollständigen Bedingungen beurteilen könne. Anschließend werde entschieden, ob weitere Verstärkungen notwendig seien.
Die Bestätigung der Vertragsgültigkeit für die 2. Bundesliga bedeutet deshalb keine Abkehr vom Ziel des Klassenerhalts. Sie verdeutlicht vielmehr, dass der Verein die vertragliche Zusammenarbeit mit Blessin auch für einen sportlichen Rückschlag geregelt hat.
Schröder hält trotz der bisherigen Niederlagen an seinem positiven Urteil über den Trainer fest. Gleichzeitig besteht die entscheidende Herausforderung für Borussia Mönchengladbach darin, die vom Sportchef beschriebenen Fortschritte auf dem Trainingsplatz in bessere Ergebnisse umzusetzen. Nach sechs Niederlagen ohne Punktgewinn ist die sportliche Ausgangslage dafür ausgesprochen schwierig.
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