Borussia bremst Trainerdebatte nach dem Fehlstart

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Borussia Mönchengladbach ist erst zwei Spieltage in der neuen Bundesliga-Saison, dennoch steht Cheftrainer Eugen Polanski bereits wieder unter erhöhtem Druck. Nach zwei Niederlagen hat der Verein noch keinen Punkt geholt. Sportchef Rouven Schröder vermied nach dem jüngsten Rückschlag eine öffentliche Trainerdiskussion, machte zugleich aber deutlich, dass die Situation intern aufgearbeitet werden müsse. Eine Ablösung Polanskis wurde vom Verein weder angekündigt noch öffentlich in Aussicht gestellt.

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Polanski selbst wählte nach dem zweiten Spiel eine ungewöhnlich deutliche Formulierung. Der 40-Jährige sagte laut dpa nach dem 3:4 gegen Aufsteiger SV Elversberg: „Für uns fühlt sich das Spiel nicht nur scheiße an, sondern es war am Ende auch Scheiße.“ Für die Diskussion um den Trainer ist allerdings weniger das einzelne Ergebnis entscheidend als die Ausgangslage, mit der Borussia in diese Saison gegangen ist. Polanski hatte nach der schwierigen Vorsaison ausdrücklich eine weitere Chance erhalten und konnte erstmals eine komplette Sommervorbereitung als Cheftrainer gestalten.

Schröder will keine Trainerdiskussion eröffnen

Sportchef Rouven Schröder versuchte unmittelbar nach dem Fehlstart, zwischen notwendiger Kritik und einer grundsätzlichen Personaldebatte zu unterscheiden. „Es ist wichtig, klar zu bleiben und nicht nach zwei Spieltagen alles in Schutt und Asche zu legen“, sagte der 50-Jährige nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur. Zugleich fügte er hinzu: „Wir müssen zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison klar miteinander sprechen.“

Schröder räumte auch ein, dass der gewünschte Neustart bislang nicht sichtbar geworden sei. „Es ist doch normal, dass wir Aufbruchstimmung erzeugen wollten. Das ist nach zwei Spielen aber nicht gelungen“, sagte der Sportchef. Nach der verspielten 3:1-Führung gegen Elversberg erklärte er zudem: „Nach einer 3:1-Führung darfst du nicht verlieren. Das ist klar.“

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Damit bleibt die offizielle Position zunächst eindeutig: Borussia hat Polanski nicht öffentlich infrage gestellt. Eine aktuelle Erklärung von CEO Stefan Stegemann oder einem anderen Mitglied der Geschäftsführung, die darüber hinaus eine neue Entscheidung zur Trainerposition enthält, war am Sonntagabend nicht öffentlich dokumentiert.

Polanskis Vertrag läuft bis 2028

Eugen Polanski bei Borussia Mönchengladbach ist kein kurzfristiges Übergangsmodell mehr. Der frühere Gladbacher Profi hatte im September 2025 zunächst interimsweise für Gerardo Seoane übernommen. Im November verlängerte der Verein mit Polanski bis 2028. Sportchef Schröder erklärte damals, Polanski habe die Verantwortlichen mit seinen inhaltlichen und charakterlichen Qualitäten überzeugt. Polanski selbst bezeichnete die Aufgabe als Cheftrainer seines früheren Vereins als besondere Auszeichnung.

Nach der Saison 2025/26 stand die Personalie dennoch erneut zur Debatte. Borussia hatte die Spielzeit mit 38 Punkten auf Rang zwölf beendet. Unter Polanski kamen in 31 Bundesligaspielen neun Siege und zehn Unentschieden zustande. Die Bundesliga bezifferte seinen Punkteschnitt für diesen Zeitraum auf 1,19 Punkte pro Partie.

Am 27. Mai bestätigte Schröder schließlich offiziell die Fortsetzung der Zusammenarbeit. „Wir haben gemeinsam entschieden, mit Eugen als Cheftrainer weiterzumachen“, erklärte er damals. Gleichzeitig kündigte er Veränderungen sowohl beim Spielerkader als auch im Trainerteam an. Damit verband der Klub die Weiterbeschäftigung ausdrücklich mit einem personellen Neustart.

Zwei Spiele, null Punkte und sieben Gegentore

Die neue Saison hat diesen Neustart bisher nicht bestätigt. Borussia verlor zunächst 0:3 bei RB Leipzig und anschließend 3:4 gegen den Bundesliga-Aufsteiger Elversberg. Damit stehen nach zwei Spieltagen null Punkte und sieben Gegentore zu Buche. Es geht dabei nicht um eine belastbare Tabellenprognose nach nur zwei Partien, sondern um die frühe Belastung für eine Trainerkonstellation, die bereits im Sommer ausführlich diskutiert worden war.

Die Situation unterscheidet sich zudem von Polanskis Einstieg im vergangenen Jahr. Damals übernahm er während der Saison. Diesmal verantwortete er die komplette Vorbereitung. Genau das gehörte im Mai zu den Argumenten für seine Weiterbeschäftigung. Schröder hatte erklärt, der junge Trainer solle die Gelegenheit bekommen, in einer vollständigen Vorbereitung seine Vorstellungen umzusetzen.

Kapitän Kleindienst kritisiert die Mannschaft deutlich

Zusätzliche Brisanz bekommt die Lage durch ungewöhnlich deutliche Aussagen von Kapitän Tim Kleindienst. Der 31 Jahre alte Mittelstürmer gehört als deutscher Nationalspieler und Mannschaftsführer zu den wichtigsten Führungskräften im Kader.

Nach der Niederlage gegen Elversberg sagte Kleindienst laut WDR und Sportschau, die Mannschaft müsse ihren Fokus über die gesamte Spielzeit halten. „Weniger TikTok gucken, oder was weiß ich“, sagte er mit Blick auf seine jüngeren Mitspieler. Außerdem erklärte der Stürmer: „Ich habe keine Worte dafür. Wir haben es verschissen. Es geht definitiv in die falsche Richtung.“ Bereits nach dem Auftakt in Leipzig hatte er die Gladbacher Vorstellung als Kindergartenfußball kritisiert und Männerfußball gefordert.

Der frühere Gladbach-Kapitän Lars Stindl stellte sich am Sonntag in der Sport1-Sendung Doppelpass hinter Kleindienst. „Ich bin überzeugt, dass er diese Worte auch intern gewählt hat“, sagte Stindl laut dpa. Stindls Einschätzung ist allerdings eine persönliche Bewertung eines ehemaligen Spielers und keine Position des Vereins.

Fans diskutieren Polanski und Schröders Kaderumbau

Auch unter Anhängern hat sich die Diskussion verschärft. Im offiziellen FohlenForum des Vereins erschienen nach dem Spiel zahlreiche kritische Beiträge zu Polanskis Wechselentscheidungen und zur Entwicklung der Mannschaft. Andere Nutzer warnten dagegen davor, dem Trainer nach zwei Spieltagen allein die Verantwortung zuzuschreiben und verwiesen auf den umfangreichen Kaderumbau sowie Verletzungen. Die Beiträge geben Einzelmeinungen von Fans wieder und sind nicht repräsentativ für die gesamte Anhängerschaft.

Damit richtet sich die Debatte inzwischen nicht ausschließlich auf Polanski. Auch Schröders Kaderplanung wird diskutiert. Die Sportschau führt für den Sommer unter anderem Daniel Batz, David Herold, Yukhym Konoplia, Daiki Hashioka, Ko Itakura, Enzo Leopold, Zento Uno, Isac Lidberg, Hugo Bolin und den ausgeliehenen Nicolas Kühn als Zugänge auf. Auf der anderen Seite verließen unter anderem Rocco Reitz, Nico Elvedi, Marvin Friedrich und Nathan Ngoumou den Klub. Die Leihen von Yannik Engelhardt und Haris Tabakovic endeten.

Besonders Rocco Reitz hinterließ im zentralen Mittelfeld eine Lücke. Der 24 Jahre alte zentrale Mittelfeldspieler wechselte zu RB Leipzig. Für diese Position verpflichtete Borussia unter anderem den 22 Jahre alten japanischen Nationalspieler Zento Uno, den Schröder als defensiv orientierten und laufstarken Mittelfeldspieler beschrieben hatte. Uno erhielt einen Vertrag bis 2030.

In der Abwehr reagierte Borussia auf den Wechsel des langjährigen Innenverteidigers Nico Elvedi nach Leeds mit der Rückkehr von Ko Itakura. Der 29 Jahre alte japanische Innenverteidiger, der bereits zwischen 2022 und 2025 für Gladbach gespielt hatte, unterschrieb bis 2030. Schröder erklärte bei dessen Verpflichtung, Itakura entspreche hinsichtlich Qualität und Erfahrung dem gesuchten Profil nach Elvedis Abgang.

Verletzungen schränken den Umbau zusätzlich ein

Mehrere Personalentscheidungen lassen sich derzeit allerdings nur eingeschränkt bewerten, weil Borussia wichtige Spieler verletzungsbedingt fehlen. Der 26 Jahre alte Enzo Leopold, ein zentraler Mittelfeldspieler und ablösefreier Neuzugang von Hannover 96, erlitt im Training einen Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie. Der Verein bestätigte die Diagnose nach einer MRT-Untersuchung. Leopold wird mehrere Monate ausfallen.

Auch der 26 Jahre alte ukrainische Rechtsverteidiger Yukhym Konoplia fällt mit einem Innenbandriss im Knie langfristig aus. Er war im Sommer ablösefrei von Schachtar Donezk gekommen und hatte einen Vertrag bis 2029 erhalten. Hinzu kommt der 23 Jahre alte Mittelfeldspieler Jens Castrop, der sich die Schulter ausgekugelt hat. Für beide wurde zunächst eine längere Pause erwartet.

Zento Uno fehlte zuletzt wegen muskulärer Beschwerden. Für ihn war zunächst keine verlässliche konkrete Ausfalldauer veröffentlicht. Die personellen Probleme verändern die Voraussetzungen für Polanski, beseitigen aber nicht den Erwartungsdruck, den der Verein selbst mit dem im Sommer angekündigten Neustart aufgebaut hat.

Borussia steht vor einer frühen Bewährungsprobe

Eine Entscheidung gegen Polanski ist derzeit nicht gefallen. Ebenso wenig ist ein Ultimatum des Vereins öffentlich dokumentiert. Schröders Aussagen markieren vielmehr die derzeitige Linie: keine grundsätzliche Trainerdebatte nach nur zwei Spieltagen, aber auch kein Versuch, die Probleme kleinzureden.

Für Polanski verschärft sich die Lage trotzdem. Sein Vertrag läuft langfristig, der Verein bestätigte ihn erst Ende Mai ausdrücklich für die neue Saison, veränderte anschließend Trainerteam und Kader und gab ihm eine vollständige Vorbereitung. Nach zwei Bundesligaspielen ist der erhoffte Aufbruch ausgeblieben. Wie Borussia darauf reagiert, hängt damit nicht nur an der Person des Trainers, sondern ebenso daran, ob der tiefgreifend veränderte und derzeit von Verletzungen betroffene Kader die Erwartungen der Vereinsführung erfüllen kann.

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