Glasfaser überholt DSL: Gigabit-Anschlüsse auf dem Vormarsch in Deutschland

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Grzegorz Walczak

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Ein historischer Wendepunkt für das deutsche Internet: Zum ersten Mal überholt die Anzahl der Gigabit-Internetanschlüsse die der veralteten langsamen DSL-Verbindungen. Das zeigt die 27. Telekommunikationsmarktanalyse des Branchenverbands VATM, erstellt von Dialog Consult. Glasfaser überholt DSL — dieser Moment markiert einen Epochenwechsel in der deutschen Internetversorgung. Jahrzehntelang dominierten kupferkabelbasierte Verbindungen das deutsche Breitbandnetz, nun kippt das Verhältnis endgültig zugunsten der Lichtwellentechnik.

2,9 Millionen Gigabit-Anschlüsse gegen 2,8 Millionen langsame DSL-Verbindungen

Nach Analyse von Dialog Consult im Auftrag des Telekommunikationsverbands VATM werden bis Ende 2026 erstmals mehr Anschlüsse mit einer Downloadgeschwindigkeit von mindestens einem Gigabit pro Sekunde aktiv sein als solche mit weniger als 16 Megabit pro Sekunde. Das Verhältnis: rund 2,9 Millionen Gigabit-Anschlüsse gegenüber 2,8 Millionen langsamen Verbindungen. Andreas Walter von Dialog Consult beschreibt diesen Prozess als Kannibalisierung — die rasant wachsende Glasfaser verdrängt alte DSL-Technik systematisch aus dem Markt.

Bis Ende 2026 sollen rund 32 Millionen Haushalte in Deutschland mit einem Glasfaseranschluss direkt bis ins Gebäude (FTTB) oder in die Wohnung (FTTH) versorgt werden können. Gleichzeitig erwartet der Verband, dass im laufenden Jahr rund eine Million bisheriger DSL-Nutzer auf Glasfaser umsteigen werden. Die Zahl der Kabelanschlüsse bleibt laut Prognose in etwa konstant. Für Verbraucher bedeutet das: Wer bisher noch mit einer langsamen Verbindung im Netz unterwegs ist, lebt in einer schrumpfenden Minderheit — und dürfte in den kommenden Jahren immer mehr Druck spüren, auf modernere Technik umzusteigen.

Das Adoption-Paradox: Verfügbarkeit wächst schneller als die Nutzung

Trotz des beeindruckenden Ausbautempos offenbart sich ein strukturelles Problem, das Analysten als Availability-Adoption Paradox bezeichnen: Bereits rund 53 Prozent der deutschen Haushalte, also etwa 24 Millionen Anschlüsse, könnten technisch auf Glasfaser umsteigen. Doch nur etwa 27 Prozent dieser anschlussfähigen Haushalte haben das Angebot bislang tatsächlich wahrgenommen. Insgesamt gibt es aktuell rund 8,1 Millionen Glasfaser-Abonnenten in Deutschland — bei potenziell 24 Millionen anschlussbereiten Haushalten eine ernüchternde Quote.

Die Gründe für die Zurückhaltung sind vielschichtig: Viele Haushalte haben noch laufende Verträge für DSL oder Kabel, scheuen den Aufwand des Wechsels oder sehen keinen unmittelbaren Bedarf für höhere Bandbreiten. Zudem sind die Glasfaser-Tarife in vielen Regionen noch teurer als vergleichbare VDSL-Angebote. Die Deutsche Telekom hatte in ihren Q1-2026-Zahlen trotzdem eine starke Nachfrage nach Glasfaser-Produkten gemeldet und setzt den eigenen Ausbau mit Hochdruck fort. Auch Anbieter wie Vodafone, 1&1 und Deutsche Glasfaser treiben den Ausbau in bisher unterversorgten Regionen voran.

Wann wird Glasfaser zum Standard in Deutschland?

Der FTTH Council Europe prognostiziert, dass die Zahl der Glasfaser-Abonnenten in Deutschland von derzeit 8,1 Millionen bis 2031 auf 22,6 Millionen steigen wird — ein Wachstum von rund 178 Prozent. Dennoch warnen Experten: Selbst in einem optimistischen Szenario wird Glasfaser erst um das Jahr 2031 als die am häufigsten genutzte Internettechnologie in Deutschland gelten. Bis dahin bleibt DSL oder VDSL über Kupferkabel in vielen Regionen die dominierende Lösung, besonders im ländlichen Raum.

Die Bundesregierung will den Ausbau beschleunigen: Eine geplante Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) soll bürokratische Hürden beim Glasfaserausbau abbauen. Seit Sommer 2025 gilt der Glasfaserausbau bereits als von überragendem öffentlichen Interesse. Auch die EU-Digitalpolitik setzt auf schnelle Internetverbindungen als Grundvoraussetzung für eine moderne digitale Gesellschaft. Für Städte wie Münster ist der Glasfaserausbau Teil einer umfassenden Digitalisierungsstrategie — mit dem Ziel, alle Stadtteile bis 2028 an das Hochgeschwindigkeitsnetz anzubinden.

Quellen: heise online, VATM Breitband-Report 2026, Verivox

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