
In Deutschland erkranken derzeit wieder Millionen Menschen an Atemwegsinfektionen. Die eigentliche Grippewelle ist allerdings noch nicht angelaufen. Nach dem aktuellen Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) dominieren im Oktober 2026 vor allem Erkältungsviren. Gleichzeitig nehmen die Nachweise von Influenzaviren und SARS-CoV-2 allmählich zu. Für bestimmte Bevölkerungsgruppen ist der Herbst deshalb ein wichtiger Zeitpunkt für Schutzimpfungen.
In der 42. Kalenderwoche vom 12. bis 18. Oktober 2026 registrierte das RKI nach Hochrechnungen rund 5,5 Millionen neue akute Atemwegserkrankungen in Deutschland. Das entspricht etwa 6.500 Erkrankungen je 100.000 Einwohner. In der Vorwoche lag der entsprechende Wert bei ungefähr 6.900.
Die Aktivität bewegt sich damit weiterhin auf einem moderaten und für die Jahreszeit üblichen Niveau. Auch die Zahl der Arztbesuche wegen Atemwegserkrankungen blieb weitgehend stabil. Bundesweit schätzt das RKI für die Berichtswoche rund 1,1 Millionen entsprechende Arztkontakte.
Die hohen Erkrankungszahlen bedeuten nicht, dass Millionen Menschen bereits an Influenza erkrankt sind. Die Erfassung umfasst unterschiedliche Atemwegsinfektionen, darunter gewöhnliche Erkältungen, Grippe und COVID-19.
Die Untersuchungen des Nationalen Referenzzentrums für Influenzaviren zeigen, welche Erreger derzeit besonders häufig auftreten.
In der 42. Kalenderwoche wurden 106 Proben aus 39 Arztpraxen untersucht. Bei 59 Prozent davon fanden die Fachleute mindestens ein Atemwegsvirus. Am häufigsten wurden Rhino- und Enteroviren nachgewiesen, die unter anderem Erkältungsbeschwerden verursachen können.
Die Positivenraten der untersuchten Proben verteilten sich unter anderem wie folgt:
| Erreger | Anteil positiver Proben |
|---|---|
| Rhino- und Enteroviren | 38 % |
| Parainfluenzaviren | 10 % |
| Adenoviren | 9 % |
| Influenzaviren A und B | 4 % |
| SARS-CoV-2 | 2 % |
| RSV | 1 % |
Die Werte stammen aus einer begrenzten Stichprobe. Sie lassen sich daher nicht unmittelbar auf alle Erkrankungen in Deutschland übertragen.
Während Erkältungsviren das Infektionsgeschehen prägen, bleibt Influenza bislang vergleichsweise selten. Auch die dem RKI gemeldeten Influenzafälle stiegen in der 42. Meldewoche gegenüber der Vorwoche zunächst nicht weiter an.
Die Grippesaison beginnt auf der Nordhalbkugel üblicherweise Anfang Oktober. Eine Grippewelle liegt jedoch erst dann vor, wenn Influenzaviren über einen längeren Zeitraum deutlich häufiger nachgewiesen werden.
Das RKI verwendet dafür unter anderem virologische Daten aus Arztpraxen. Vereinfacht gilt eine Positivenrate von mindestens 20 Prozent als Hinweis auf den Beginn einer Grippewelle.
Mit aktuell vier Prozent liegt der Anteil positiver Influenza-Proben noch deutlich darunter. Gleichzeitig zeigen einzelne Überwachungssysteme bereits einen leichten Anstieg der Influenza-Aktivität, darunter Untersuchungen des Abwassers.
Die weitere Entwicklung lässt sich daraus noch nicht zuverlässig ableiten. In den vergangenen Jahren begannen Grippewellen häufig um den Jahreswechsel, wobei Zeitpunkt und Verlauf von Saison zu Saison unterschiedlich ausfallen können.
Neben Influenza beobachtet das RKI weiterhin die Entwicklung von COVID-19 und Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytialvirus (RSV).
SARS-CoV-2 zirkuliert nach Einschätzung des Instituts inzwischen wieder bundesweit. Obwohl die Virusaktivität in den vergangenen Wochen zunahm, bleibt sie insgesamt niedrig. Der jüngste Anstieg der gemeldeten COVID-19-Fälle schwächte sich zuletzt ab.
Auch RSV spielt bislang eine untergeordnete Rolle. Die gemeldeten Infektionen und die Viruslast im Abwasser befinden sich weiterhin auf niedrigem Niveau.
In den Krankenhäusern ist die Zahl schwerer akuter Atemwegsinfektionen ebenfalls niedrig geblieben. Unter den entsprechend erfassten Patienten erhielten jeweils zwei Prozent eine Influenza- beziehungsweise COVID-19-Diagnose.
Auch europaweit ist noch keine breite Grippewelle zu erkennen. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) meldete am 23. Oktober für die EU und den Europäischen Wirtschaftsraum weiterhin eine niedrige Influenza-Aktivität. RSV-Infektionen waren demnach sehr selten.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche Grippeimpfung insbesondere Menschen, bei denen eine Influenza-Erkrankung mit einem erhöhten Risiko für schwere Verläufe verbunden ist.
Dazu gehören alle Menschen ab 60 Jahren sowie Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen, beispielsweise des Herzens, der Lunge oder des Stoffwechsels. Auch Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Bewohner von Pflegeeinrichtungen zählen zu den empfohlenen Impfgruppen.
Schwangeren wird die Influenza-Impfung grundsätzlich ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel empfohlen. Besteht aufgrund einer Grunderkrankung ein erhöhtes gesundheitliches Risiko, gilt die Empfehlung bereits ab dem ersten Schwangerschaftsdrittel.
Darüber hinaus empfiehlt die STIKO die Impfung für medizinisches Personal, Beschäftigte mit erhöhtem Infektionsrisiko und Menschen, die gefährdete Personen betreuen oder anstecken könnten.
Für gesunde Erwachsene unter 60 Jahren und gesunde Kinder gibt es dagegen keine allgemeine STIKO-Empfehlung zur jährlichen Grippeimpfung. Eine Impfung ist dennoch grundsätzlich möglich.
Für ältere Menschen empfiehlt die STIKO besondere Influenza-Impfstoffe. Ab dem 60. Lebensjahr sollen entweder ein Hochdosis-Impfstoff oder ein sogenannter MF59-adjuvantierter Impfstoff verwendet werden.
Beide Varianten sollen die Immunantwort verbessern, da die Leistungsfähigkeit des Immunsystems mit zunehmendem Alter nachlassen kann. Nach Bewertung der STIKO bieten diese Impfstoffe gegenüber herkömmlichen Influenza-Impfstoffen einen geringfügig besseren Schutz.
Die Grippeimpfung wird jährlich wiederholt, weil sich die zirkulierenden Influenzaviren verändern und die Impfstoffzusammensetzung regelmäßig angepasst wird.
Als geeigneten Zeitraum nennt das RKI die Monate Oktober bis Mitte Dezember. Nach der Impfung benötigt der Körper ungefähr zehn bis 14 Tage, um den vollständigen Impfschutz aufzubauen.
Für COVID-19 gelten seit 2026 veränderte Empfehlungen. Die STIKO empfiehlt eine jährliche Auffrischimpfung inzwischen grundsätzlich für Menschen ab 75 Jahren. Zuvor lag die Altersgrenze für diese Standardempfehlung bei 60 Jahren.
Unabhängig davon bleibt eine jährliche COVID-19-Impfung für bestimmte Risikogruppen empfohlen. Dazu zählen unter anderem Menschen mit entsprechenden Vorerkrankungen sowie Bewohner von Pflegeeinrichtungen. Auch für Personen mit erhöhtem beruflichem Infektionsrisiko im Gesundheitswesen gelten besondere Empfehlungen.
Gegen RSV empfiehlt die STIKO eine einmalige Impfung für alle Menschen ab 75 Jahren. Für Personen zwischen 60 und 74 Jahren gilt die Empfehlung unter anderem bei schweren Grunderkrankungen oder bei einem Leben in einer Pflegeeinrichtung.
Für Neugeborene und Säuglinge empfiehlt die STIKO zum Schutz vor schweren RSV-Erkrankungen eine vorbeugende Gabe spezieller Antikörper.
Die Impfempfehlungen gegen Influenza, COVID-19 und RSV unterscheiden sich somit sowohl hinsichtlich der Altersgrenzen als auch der notwendigen Auffrischungen. Bei entsprechender Indikation können bestimmte Impfungen auch gleichzeitig verabreicht werden.
Neben Impfungen können einfache Schutzmaßnahmen dazu beitragen, Atemwegsinfektionen einzudämmen.
Das RKI empfiehlt Menschen mit akuten Atemwegssymptomen, möglichst drei bis fünf Tage zu Hause zu bleiben und Kontakte bis zur deutlichen Besserung der Beschwerden einzuschränken.
Besondere Rücksicht gilt Menschen, die aufgrund ihres Alters oder bestehender Erkrankungen ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe haben. Regelmäßiges Lüften und das Tragen einer Maske bei unvermeidbaren Kontakten können das Übertragungsrisiko zusätzlich verringern.
Bei anhaltenden oder sich verschlechternden Beschwerden sowie bei erhöhtem gesundheitlichem Risiko sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Insgesamt zeigen die aktuellen Zahlen, dass Deutschland bereits mitten in der herbstlichen Erkältungssaison steht. Eine ausgeprägte Grippewelle ist bislang jedoch nicht erkennbar. Wie stark die Influenza-Aktivität in den kommenden Wintermonaten ansteigt, ist derzeit offen.
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