
Die Preise im deutschen Großhandel haben im August deutlich angezogen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Veränderungsrate gegenüber August 2025 bei 6,8 Prozent. Im Vergleich zum Juli 2026 lag das Plus bei 0,9 Prozent. Damit verstärkte sich der Preisauftrieb erneut. Im Juli hatte die Jahresrate bei 5,3 Prozent gelegen, im Juni bei 4,9 Prozent. Einen stärkeren Anstieg innerhalb eines Jahres hatte Destatis zuletzt im Februar 2023 mit 9,5 Prozent festgestellt.
Die Großhandelspreise im August 2026 wurden vor allem von Energie und Rohstoffen nach oben gezogen. Das Statistische Bundesamt führt die Entwicklung insbesondere auf die Kriegshandlungen im Iran und im Nahen Osten und die damit verbundenen Preissteigerungen bei Energieprodukten und Rohstoffen zurück. Gleichzeitig zeigen mehrere Warengruppen, vor allem aus dem Lebensmittelbereich, deutlich niedrigere Preise als vor einem Jahr.
Der mit Abstand wichtigste Preistreiber waren Mineralölerzeugnisse. Im Vergleich mit August 2025 lag der Preisanstieg hier bei 36,1 Prozent. Gegenüber Juli 2026 lag das Plus bei 4,8 Prozent. Auch Nicht-Eisen-Erze, Nicht-Eisen-Metalle und daraus hergestelltes Halbzeug verteuerten sich kräftig. Die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat lag bei 27,4 Prozent, im Monatsvergleich lag sie bei 1,3 Prozent.
Bei chemischen Erzeugnissen lag der Preisanstieg innerhalb eines Jahres bei 13,6 Prozent. Gegenüber Juli lag die Veränderung bei plus 0,3 Prozent. Auch Datenverarbeitungsgeräte und periphere Geräte waren deutlich teurer. Hier lag die Jahresrate bei 11,1 Prozent und das Plus gegenüber dem Vormonat bei 1,5 Prozent. Die Zahlen zeigen damit, dass sich der Preisdruck nicht allein auf Mineralöl beschränkte, sondern auch mehrere für Unternehmen wichtige Rohstoffe, Vorprodukte und technische Güter erfasste.
In einigen Lebensmittelbereichen entwickelte sich das Preisniveau dagegen in die andere Richtung. Bei lebenden Tieren lag der Rückgang gegenüber August 2025 bei 18,3 Prozent. Zum Vormonat lag das Minus bei 1,0 Prozent. Für Milch, Milcherzeugnisse, Eier, Speiseöle und Nahrungsfette lag die Jahresveränderung bei minus 10,3 Prozent und die Monatsveränderung bei minus 0,6 Prozent. Fleisch und Fleischwaren waren ebenfalls günstiger. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr lag bei 6,7 Prozent, gegenüber Juli bei 0,9 Prozent.
Parallel zu den höheren Kosten auf der Großhandelsstufe bleibt die Stimmung im deutschen Einzelhandel gedämpft. Das ifo Institut meldet für August ein Geschäftsklima von minus 29,0 Punkten. Im Juli hatte der Wert bei minus 28,7 Punkten gelegen, nachdem er sich von minus 32,4 Punkten im Juni erholt hatte. Die Verbesserung, die seit Mai zu beobachten gewesen war, setzte sich damit im August nicht fort. Nach Angaben des ifo Instituts bewerteten die befragten Einzelhändler ihre aktuelle Geschäftslage schlechter als einen Monat zuvor.
Auch die Preiserwartungen der Unternehmen liefern kein einheitliches Signal für die weitere Entwicklung der Verbraucherpreise. Nach der ifo-Konjunkturumfrage vom 1. September lag der gesamtwirtschaftliche Indikator der Preiserwartungen im August bei 21,2 Punkten, nach saisonbereinigt korrigierten 21,6 Punkten im Juli. Im Handel insgesamt lag der Wert im August bei 30,0 Punkten, nach korrigierten 31,4 Punkten im Vormonat. Damit planten etwas weniger Unternehmen Preiserhöhungen als zuvor. Der Indikator sagt jedoch nichts darüber aus, wie stark einzelne Preise tatsächlich verändert werden.
Steigende Großhandelspreise können die Kosten von Einzelhändlern und anderen Unternehmen erhöhen und damit mittelbar auch Verbraucherpreise beeinflussen. Ein automatischer oder gleich hoher Anstieg der Preise für private Haushalte lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Zwischen Großhandel und Endverbrauch liegen je nach Produkt weitere Stufen der Wertschöpfung. Zudem können Unternehmen höhere Einkaufskosten teilweise über ihre Margen auffangen, durch längerfristige Verträge zeitversetzt weitergeben oder aufgrund schwacher Nachfrage auf Preiserhöhungen verzichten.
Auch die Zusammensetzung der Preisindizes unterscheidet sich erheblich. Der Großhandelspreisindex erfasst die Verkaufspreise von Waren im Großhandel. Der Verbraucherpreisindex bildet dagegen den Warenkorb privater Haushalte ab und enthält neben Waren auch zahlreiche Dienstleistungen, Mieten und weitere Ausgabenbereiche. Deshalb können beide Indizes zeitweise deutlich voneinander abweichen.
Für denselben Berichtsmonat liegen bereits endgültige Verbraucherpreisdaten vor. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Inflationsrate in Deutschland im August 2026 bei 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Gegenüber Juli lag der Anstieg der Verbraucherpreise bei 0,2 Prozent. Im Juli hatte die Jahresrate bei 2,8 Prozent gelegen.
Auch auf Verbraucherebene spielten Energiepreise eine wichtige Rolle. Bei Energieprodukten lag der Anstieg gegenüber August 2025 bei 10,5 Prozent, bei Kraftstoffen bei 27,7 Prozent. Nahrungsmittel verteuerten sich dagegen im Durchschnitt kaum. Hier lag die Jahresrate bei 0,1 Prozent. Die Kerninflation ohne Nahrungsmittel und Energie lag bei 2,4 Prozent.
Die gleichzeitig höheren Großhandelspreise und die schwache Stimmung im Einzelhandel verdeutlichen damit zwei gegenläufige Faktoren. Auf der Beschaffungsseite sind insbesondere Energie und Rohstoffe erheblich teurer geworden. Auf der Absatzseite berichten Händler weiterhin von einem schwierigen Geschäftsumfeld. Ob und in welchem Umfang die höheren Kosten in kommenden Monaten an Verbraucher weitergegeben werden, hängt deshalb unter anderem von der weiteren Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise, der Nachfrage, bestehenden Verträgen und den Preissetzungsmöglichkeiten der Unternehmen ab.
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