
Robert Habeck hat bei „Caren Miosga“ seinen Rückzug aus der aktiven Politik bekräftigt und zugleich ausführlich über die Ursachen für den Vertrauensverlust in die politische Mitte gesprochen. Der frühere Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister räumte Fehler der früheren Ampelregierung ein, warnte aber davor, den Erfolg politischer Ränder allein mit einzelnen Streitthemen der vergangenen Jahre zu erklären. Spekulationen über die Gründung einer neuen Partei wies er zurück.
Habeck war am Sonntagabend, 27. September 2026, alleiniger Gast der ARD-Talkshow. Die Sendung stand unter dem Titel „Zerbricht die politische Ordnung, Herr Habeck?“. Hintergrund waren unter anderem die jüngsten Landtagswahlen und die Veränderungen im deutschen Parteiensystem. Habeck betrachtet die deutsche Politik inzwischen aus größerer Distanz. Sein Bundestagsmandat hatte er zum 31. August 2025 niedergelegt.
Mit Blick auf die Regierungszeit von SPD, Grünen und FDP übernahm Habeck einen Teil der Verantwortung für den Vertrauensverlust. Er sei selbst Teil der Auseinandersetzungen innerhalb der Koalition gewesen. Der Regierung sei es nicht gelungen, Antworten zu entwickeln, die der Größe der damaligen Herausforderungen ausreichend gerecht geworden seien.
Gleichzeitig wandte sich Habeck gegen die Vorstellung, einzelne Streitfragen wie die Heizungsdebatte, die Rente mit 63 oder das Steuersystem könnten das Erstarken politischer Ränder allein erklären. Nach seiner Darstellung handelt es sich vielmehr um eine Entwicklung, die in zahlreichen westlichen Demokratien zu beobachten sei. Die Schwächung traditioneller Parteien sei deshalb nicht auf einzelne deutsche Entscheidungen oder bestimmte Regionen zu reduzieren.
Habecks Argumentation zielte vor allem auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen. In vielen Industriegesellschaften gerate das über Jahrzehnte geltende Versprechen unter Druck, dass wirtschaftliches Wachstum automatisch zu mehr Wohlstand und Sicherheit für breite Teile der Bevölkerung führe. Wenn Menschen Belastungen wahrnähmen, mögliche Vorteile von Veränderungen aber nicht bei ihnen ankämen, könne dies Vertrauen in politische Institutionen schwächen.
Dabei übte Habeck auch Selbstkritik am politischen Umgang mit sozialen Problemen. Es reiche nicht aus, staatliche Leistungen zu verteilen. Menschen wollten nach seiner Auffassung zugleich erleben, dass eigene Leistung anerkannt werde und Veränderungen als gerecht empfunden würden.
Der frühere Grünen-Vorsitzende beschrieb die Entwicklung des Parteiensystems in deutlich besorgten Worten. Seine Warnung bezog sich nicht allein auf die AfD oder Deutschland, sondern auf eine breitere Entwicklung in westlichen Demokratien.
Für die etablierten Parteien sieht Habeck die Aufgabe deshalb nicht nur darin, bestehende Strukturen zu verteidigen. Sie müssten nach seiner Darstellung eine Vorstellung davon entwickeln, wie wirtschaftliche Sicherheit, gesellschaftlicher Zusammenhalt und politische Gestaltung in einer veränderten Welt aussehen sollen.
Auch die CDU nahm Habeck dabei in den Blick. Die Partei habe angesichts der Veränderungen im Parteiensystem Anlass zur Sorge, sagte er. Zugleich kritisierte er Bundeskanzler Friedrich Merz und stellte dessen innerparteilichen Rückhalt infrage. Diese Aussagen waren eine politische Bewertung Habecks und keine Feststellung über die tatsächlichen Mehrheitsverhältnisse innerhalb der CDU.
Die politische Bedeutung seiner Aussagen liegt damit vor allem in der Perspektive, aus der Habeck inzwischen auf die deutsche Parteienlandschaft blickt. Anders als während seiner Zeit als Minister spricht er nicht mehr als Mitglied einer Bundesregierung oder als führender Repräsentant seiner Partei. Die Grünen hatten bereits im August 2025 seinen Rückzug aus dem Bundestag und aus der aktiven deutschen Politik bestätigt. Mitglied der Partei ist Habeck weiterhin.
Ein weiterer Teil des Gesprächs befasste sich mit Antisemitismus und dem Krieg im Gazastreifen. Habeck äußerte Sorge über wachsenden Antisemitismus in Deutschland und erklärte, auch Teile der politischen Linken seien davon nicht frei.
Zugleich bezeichnete er Handlungen Israels im Gazastreifen als Kriegsverbrechen. Dabei handelt es sich um Habecks eigene rechtliche und politische Bewertung. Er verband diese Aussage ausdrücklich mit einem Bekenntnis zum Existenzrecht Israels und der besonderen deutschen Verantwortung gegenüber dem jüdischen Staat. Die Existenz Israels infrage zu stellen, bezeichnete er als nicht akzeptabel. Gleichzeitig müsse Kritik an der israelischen Regierung möglich sein.
Damit versuchte Habeck im Gespräch zwei Positionen miteinander zu verbinden: eine klare Zurückweisung antisemitischer Positionen und die Möglichkeit, das Vorgehen der israelischen Regierung zu kritisieren.
Besonders eindeutig äußerte sich Habeck zu Spekulationen über seine eigene politische Zukunft. In Berlin war über die Möglichkeit gesprochen worden, er könne gemeinsam mit dem früheren FDP-Politiker und Bundesverkehrsminister Volker Wissing ein neues politisches Projekt aufbauen.
Habeck wies dies zurück. Auf die Frage nach einer möglichen Parteigründung antwortete er: „Da ist nichts dran.“ Auch ein unmittelbares Comeback in die aktive Politik kündigte er nicht an. Es gebe derzeit weder Pläne noch eine Strategie oder den Wunsch, in die Politik zurückzukehren. Auf die Frage, ob er den Grünen treu bleibe, antwortete er mit Ja.
Eine spätere Rückkehr schloss Habeck allerdings nicht ausdrücklich für alle Zukunft aus. Auf die Frage nach einem politischen Comeback erklärte er, er könne sich dies im Moment nicht vorstellen. Damit bestätigte er seinen gegenwärtigen Rückzug, ohne eine endgültige Aussage über die kommenden Jahre zu treffen.
Seit seinem Ausscheiden aus dem Bundestag besitzt Habeck kein parlamentarisches Mandat mehr. Bei „Caren Miosga“ trat er entsprechend nicht als Vertreter einer Regierung oder einer Grünen-Fraktion auf. Die ARD stellte ihn als ehemaligen Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister sowie als Senior Analyst am Danish Institute for International Studies vor.
Sein Auftritt unterschied sich damit deutlich von früheren Fernsehinterviews als Minister oder Kanzlerkandidat. Habeck verteidigte Teile seiner damaligen Politik, räumte zugleich Fehler der Ampel ein und formulierte eine breitere Erklärung dafür, warum traditionelle Parteien in mehreren westlichen Demokratien unter Druck stehen.
Eine konkrete Rückkehrstrategie präsentierte er nicht. Seine deutlichste persönliche Festlegung des Abends betraf vielmehr das Gegenteil: Für eine neue Partei gebe es keine Grundlage, und für ein Comeback in die aktive deutsche Politik habe er derzeit keine Pläne.






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