
Eine Fliegerbombe in Hamburg-Bahrenfeld hat am Mittwoch zu einer Evakuierung und erheblichen Einschränkungen im Bahnverkehr geführt. Der Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg wurde bei Bauarbeiten im Bereich Schleswiger Straße und Plöner Straße nahe der S-Bahnstation Diebsteich entdeckt. Der Kampfmittelräumdienst richtete rund um die Fundstelle einen Sperrbereich ein. Betroffen sind nicht nur Anwohner und Betriebe, sondern auch wichtige Bahnverbindungen innerhalb Hamburgs sowie in Richtung Schleswig-Holstein und Dänemark.
Nach Angaben der Feuerwehr handelt es sich um eine britische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg mit Langzeitzünder. Am frühen Mittwochabend liefen die Vorbereitungen für die Entschärfung. Ein genauer Zeitpunkt, zu dem der Blindgänger unschädlich gemacht werden kann, stand zunächst nicht fest.
Der Kampfmittelräumdienst legte um die Fundstelle einen Sperrbereich mit einem Radius von 400 Metern fest. Dieser Bereich muss vollständig von Menschen verlassen werden. Betroffen sind mehrere Betriebe und auch Wohngebäude. Zusätzlich gilt ein Warnbereich von 1.000 Metern rund um den Fundort. Menschen innerhalb dieser Zone sollen sich in geschützte, von der Fundstelle abgewandte Bereiche ihrer Wohnungen zurückziehen sowie Fenster und Türen geschlossen halten.
Für Menschen, die ihre Wohnungen verlassen müssen und keine andere Unterkunft haben, wurde nach Angaben der Polizei eine Notunterkunft im Gymnasium Allee an der Max-Brauer-Allee eingerichtet. Zudem steht die Behördennummer 115 für Fragen zur Verfügung. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, das betroffene Gebiet zu meiden und den Anweisungen der Einsatzkräfte zu folgen.
Solche Sicherheitszonen werden vom Kampfmittelräumdienst abhängig von Art, Größe und Zustand eines gefundenen Sprengkörpers festgelegt. Die Hamburger Behörden weisen grundsätzlich darauf hin, dass insbesondere während der eigentlichen Entschärfung ein Gefahrenbereich vollständig geräumt sein muss. Erst wenn die erforderlichen Schutzmaßnahmen umgesetzt sind, können die Spezialisten mit den entscheidenden Arbeiten am Blindgänger beginnen.
Besonders weitreichend sind die Folgen des Bombenfundes für den Bahnverkehr. Die Fundstelle befindet sich unmittelbar an einem für den Verkehr im Hamburger Westen wichtigen Schienenkorridor. Am Mittwochabend waren die S-Bahn-Linien S2, S3 und S5 betroffen. Züge konnten auf Abschnitten zwischen Altona beziehungsweise Holstenstraße und Eidelstedt nicht verkehren.
Für Fahrgäste wurde unter anderem ein Ersatzverkehr mit Bussen zwischen Pinneberg und Altona eingerichtet. Zwischen Eidelstedt und Langenfelde sollten zusätzlich besonders gekennzeichnete Taxis eingesetzt werden. Auch mehrere Regionalverbindungen waren von der Streckensperrung betroffen. Genannt wurden unter anderem die Linien RB6, RB60 und RB71 sowie Verbindungen der Linien RE7 und RE70 in Richtung Kiel und Flensburg.
Damit beschränkten sich die Auswirkungen nicht auf den Hamburger Nahverkehr. Auch der Fernverkehr wurde unterbrochen. Die Bundespolizei bestätigte erhebliche Ausfälle bei Verbindungen aus Richtung Norden. Unter anderem konnten Züge aus Richtung Kiel und aus Dänemark zeitweise nicht auf dem üblichen Weg nach Hamburg fahren. Am Hauptbahnhof mussten sich zahlreiche Reisende deshalb auf Ausfälle und Verzögerungen einstellen.
Die Lage der Fundstelle verstärkt die verkehrlichen Auswirkungen. Die S-Bahnstation Diebsteich liegt nördlich des Bahnhofs Altona und damit an einer Strecke, über die zahlreiche Verbindungen aus Schleswig-Holstein in Richtung Hamburger Zentrum führen. Wird dieser Abschnitt gesperrt, betrifft das deshalb neben dem städtischen S-Bahn-Netz auch den Regional- und Fernverkehr.
Wann die Strecken wieder vollständig freigegeben werden können, hing am Mittwochabend vom weiteren Verlauf des Einsatzes ab. Zunächst mussten der Sperrbereich geräumt und sämtliche Sicherheitsmaßnahmen abgeschlossen werden. Ein verbindlicher Zeitpunkt für die Entschärfung der Bombe war zunächst nicht bekannt. Entsprechend ließen sich auch für die Wiederaufnahme des regulären Bahnverkehrs noch keine belastbaren Zeiten nennen.
Der Fund in Bahrenfeld ist eine Folge der massiven Luftangriffe auf Hamburg während des Zweiten Weltkriegs. Nach Angaben der Feuerwehr Hamburg wurde die Stadt zwischen Mai 1940 und April 1945 bei 213 strategischen Luftangriffen bombardiert. Rund 102.000 Sprengbomben und etwa 1,6 Millionen Brandbomben gingen demnach auf das Hamburger Stadtgebiet nieder. Ein Teil der Sprengkörper detonierte nicht und verblieb als Blindgänger im Boden.
Deshalb werden bei Bauarbeiten auch mehr als acht Jahrzehnte nach Kriegsende weiterhin Kampfmittel entdeckt. In Hamburg ist vor Eingriffen in den Baugrund eine Prüfung erforderlich, wenn für ein Grundstück ein konkreter Kampfmittelverdacht besteht. Luftbilder und historische Unterlagen spielen bei der Suche nach möglichen Abwurfstellen eine wichtige Rolle. Trotzdem können Blindgänger weiterhin unerwartet bei Erdarbeiten zum Vorschein kommen.
Der Fund in Bahrenfeld macht zugleich deutlich, warum Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg bis heute Auswirkungen weit über den eigentlichen Fundort hinaus haben können. In diesem Fall reicht die Folge bis in den überregionalen und internationalen Bahnverkehr. Erst nach Abschluss der Arbeiten des Kampfmittelräumdienstes und der Aufhebung der Sperren kann sich der Verkehr rund um Diebsteich wieder normalisieren.
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