
Ob belegtes Brötchen beim Bäcker, Fleischkäse im Supermarkt, Hotdog im Möbelhaus oder Mittagessen an der Tankstelle: Gastronomische Angebote im deutschen Einzelhandel haben 2025 einen neuen Umsatzhöchststand erreicht. Nach Berechnungen des EHI Retail Institute lag der Bruttoumsatz der Handelsgastronomie in Deutschland im vergangenen Jahr bei 13,29 Milliarden Euro. Für 2024 weist das Handelsforschungsinstitut 12,41 Milliarden Euro aus. Daraus ergibt sich ein nominales Umsatzplus von 7,1 Prozent.
Die Zahlen stammen aus der neuen EHI-Studie Handelsgastronomie in Deutschland 2026. Sie sind nicht mit einer Vollerhebung des Statistischen Bundesamtes gleichzusetzen. Das EHI befragte von März bis Juni 2026 insgesamt 29 Entscheiderinnen, Entscheider und Gastronomieverantwortliche aus Handelsunternehmen und von Shopping-Center-Betreibern. Die Teilnehmer repräsentieren zusammen 6.084 Filialen. Die Ergebnisse zum Gesamtmarkt wurden vom Institut auf die Branche hochgerechnet.
Der deutliche Umsatzanstieg fällt in eine Zeit, in der die klassische Gastronomie wirtschaftlich unter Druck steht. Nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes stiegen die Umsätze der Gastronomie in Deutschland 2025 nominal um 1,8 Prozent gegenüber 2024. Preisbereinigt gingen sie dagegen um 2,2 Prozent zurück. Das zeigt, dass höhere Preise einen wesentlichen Anteil an der nominalen Entwicklung der Gastronomie hatten.
Für die Handelsgastronomie veröffentlicht das EHI dagegen ein nominales Wachstum von 7,1 Prozent. Eine direkt vergleichbare preisbereinigte Wachstumsrate liegt für diesen Markt nicht vor. Aus den 7,1 Prozent lässt sich deshalb nicht ableiten, dass auch die tatsächlich verkaufte Menge oder die Zahl der Mahlzeiten in gleichem Umfang gestiegen ist. Nach Einschätzung des EHI haben sowohl höhere Kundenfrequenzen als auch gestiegene Preise zur Umsatzentwicklung beigetragen.
Der Abstand zur Gastronomie insgesamt fällt dennoch deutlich aus. Während Restaurants, Cafés und andere gastronomische Betriebe 2025 real weniger Umsatz erzielten als im Vorjahr, konnte der Handel seine gastronomischen Angebote nach der EHI-Hochrechnung weiter ausbauen. Gegenüber 2019 sind die Umsätze der Handelsgastronomie nach Angaben des Instituts um nahezu ein Drittel gestiegen.
Den größten Teil des Marktes stellt der Lebensmitteleinzelhandel. Auf Supermärkte und andere Unternehmen dieses Bereichs entfallen nach der EHI-Auswertung 62,7 Prozent des Umsatzes der Handelsgastronomie. Shopping-Center kommen auf einen Anteil von 18,6 Prozent, Tankstellen auf 9,5 Prozent. Der Möbelhandel erreicht 3,8 Prozent, Baumärkte und Gartencenter zusammen 3,5 Prozent.
Zur Handelsgastronomie gehören dabei unterschiedliche Geschäftsmodelle. Erfasst werden gastronomische Angebote, die unmittelbar mit dem stationären Handel verbunden sind. Dazu zählen etwa Bäckerei-Cafés, Metzgereien mit Imbissangebot, heiße Theken und Bistros im Lebensmittelhandel, Restaurants in Möbelhäusern, Gastronomie in Einkaufszentren sowie Speisenangebote an Tankstellen oder in Baumärkten.
Der Lebensmitteleinzelhandel verfügt laut EHI zugleich über die mit Abstand größte Zahl entsprechender Standorte. Mehr als 29.000 Standorte und damit über drei Viertel der vom Institut erfassten beziehungsweise hochgerechneten Handelsgastronomie-Standorte entfallen auf diesen Bereich.
Ein wesentlicher Vorteil der Handelsgastronomie liegt aus Sicht des EHI in vergleichsweise günstigen Angeboten und der Verbindung mit ohnehin stattfindenden Einkäufen. Kunden können fertige Mahlzeiten, Snacks oder Getränke kaufen, ohne zusätzlich ein klassisches Restaurant besuchen zu müssen. Besonders stark ist das Geschäft zur Mittagszeit und mit Produkten zum Mitnehmen.
Zu den nach Angaben der befragten Unternehmen häufig verkauften Speisen gehören Frikadellen, Wurst und Currywurst, belegte Brötchen, Schnitzel sowie Fleischkäse und Leberkäse. Der durchschnittliche Bruttobon je Gast liegt laut EHI bei 5,78 Euro. Auch dieser Wert beruht auf der Branchenstudie und nicht auf amtlichen Kassendaten für sämtliche Anbieter in Deutschland.
Für Handelsunternehmen erfüllt Gastronomie zudem nicht ausschließlich die Funktion eines eigenständigen Umsatzbringers. In der Befragung nannten 60,7 Prozent die Steigerung der Kundenfrequenz als strategisches Ziel. 57,1 Prozent wollen mit gastronomischen Angeboten Kunden gewinnen oder stärker binden, 53,6 Prozent sehen darin eine Möglichkeit, sich vom Wettbewerb abzuheben. Rund jeder zweite befragte Händler verfolgt nach Angaben des EHI außerdem das Ziel, die Gastronomie als eigenständiges Profitcenter zu betreiben.
Für die kommenden Jahre sehen die befragten Unternehmen insbesondere bei schnell verfügbaren Speisen weiteres Potenzial. 63 Prozent der Befragten nannten das To-go- und Snackgeschäft als Bereich mit den stärksten erwarteten Wachstumsimpulsen. Convenience- und Ready-to-Eat-Produkte stehen laut Studie bereits für 17,5 Prozent des Umsatzes der Handelsgastronomie.
Auch Take-away-Angebote und das Mittagessen werden von den Unternehmen häufig als Wachstumsfelder genannt. Diese Einschätzungen sind Erwartungen der befragten Marktteilnehmer und keine gesicherten Prognosen für die tatsächliche Entwicklung.
Das gilt ebenfalls für den Gesamtmarkt 2026. Die befragten Gastronomieverantwortlichen erwarten im Durchschnitt ein Umsatzplus von 4,3 Prozent. Würde sich diese Erwartung erfüllen, könnte der Bruttoumsatz nach Berechnungen des EHI auf rund 13,86 Milliarden Euro steigen. Ob dieses Niveau tatsächlich erreicht wird, hängt unter anderem von Konsumverhalten, Preisen, Kundenfrequenz und der weiteren Ausweitung der Angebote ab.
Der Rekordwert für 2025 zeigt damit vor allem, dass Essen und Trinken für viele Handelsunternehmen zu einem größeren Geschäftsfeld geworden sind. Die Entwicklung hebt sich nominal deutlich von der Gastronomie insgesamt ab. Gleichzeitig muss der Rekord richtig eingeordnet werden: Die 13,29 Milliarden Euro sind eine Hochrechnung des EHI Retail Institute auf Basis einer Unternehmensbefragung, und das ausgewiesene Wachstum von 7,1 Prozent ist nicht preisbereinigt.
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