
Fast ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland gibt an, Schwierigkeiten beim Hören zu haben. Das zeigt eine neu veröffentlichte Auswertung des Robert Koch-Instituts auf Basis der Studie Gesundheit in Deutschland aktuell, kurz GEDA. Insgesamt berichteten 32,5 Prozent der Erwachsenen über eine Hörbeeinträchtigung. Männer lagen mit 33,2 Prozent etwas über Frauen mit 31,7 Prozent. Die Zahlen beschreiben jedoch keine ärztlich oder audiometrisch gesicherte Schwerhörigkeit, sondern die subjektive Einschätzung der Befragten.
Für die Querschnittsanalyse wurden Angaben von 22.708 Erwachsenen aus GEDA 2019/2020 ausgewertet. Die zugrunde liegende GEDA-Welle wurde als telefonische Befragung zwischen April 2019 und September 2020 durchgeführt. Die Veröffentlichung ist damit aktuell, die zentralen Befragungsdaten stammen jedoch aus den Jahren 2019 und 2020. Für die Entwicklung der Hörgerätenutzung griff das RKI zusätzlich auf 109.330 Teilnehmende aus fünf GEDA-Erhebungswellen seit 2009 zurück.
Neben den 32,5 Prozent mit selbst wahrgenommenen Hörschwierigkeiten gaben 5,4 Prozent an, ein Hörgerät zu tragen. 0,5 Prozent beschrieben sich als hochgradig schwerhörig oder gehörlos. Das RKI weist ausdrücklich darauf hin, dass subjektiv wahrgenommene Einschränkungen und objektiv gemessene Hörschwellen nicht dasselbe sind. Die Werte können deshalb nicht mit der Häufigkeit einer medizinisch diagnostizierten Schwerhörigkeit gleichgesetzt werden.
Mit dem Alter nahm der Anteil der Befragten mit Hörschwierigkeiten stark zu. Bei den 18 bis 49-Jährigen lag er bei 23,3 Prozent, bei den 50 bis 79-Jährigen bei 37,6 Prozent. Unter den mindestens 80-Jährigen waren es 50,5 Prozent. Hörprobleme bei Erwachsenen sind damit in allen Altersgruppen vorhanden, die Häufigkeit steigt jedoch im höheren Lebensalter deutlich an.
Der Unterschied zwischen Männern und Frauen fiel wesentlich kleiner aus. Die aktuelle Auswertung nennt 33,2 Prozent bei Männern und 31,7 Prozent bei Frauen. Aus diesen Querschnittsdaten lässt sich nicht ableiten, warum Männer etwas häufiger Hörschwierigkeiten angaben. Eine frühere deutsche Studie mit audiometrischen Messungen bei 1.866 Erwachsenen aus Oldenburg und Emden fand bei Männern häufiger berufliche Lärmbelastung. Wurde dieser Faktor statistisch berücksichtigt, waren die durchschnittlichen Hörschwellen von Männern und Frauen annähernd gleich. Die regionale Untersuchung liefert damit einen möglichen Kontext, erklärt den Unterschied in der aktuellen RKI-Auswertung aber nicht.
Hörverlust kann unterschiedliche Ursachen haben. Die Weltgesundheitsorganisation nennt für das Erwachsenenalter unter anderem altersbedingten sensorineuralen Hörverlust, chronische Erkrankungen, Otosklerose und plötzlich auftretenden sensorineuralen Hörverlust. Über die gesamte Lebensspanne können außerdem starke Lärmbelastung, bestimmte gehörschädigende Medikamente und Chemikalien, Verletzungen von Ohr oder Kopf, Ohrenschmalzpfropfen, Virusinfektionen und genetische Faktoren eine Rolle spielen.
Für Lärm ist ein direkter Schädigungsmechanismus belegt. Wiederholte oder lang andauernde Belastung durch hohe Schallpegel kann empfindliche Strukturen des Innenohrs dauerhaft schädigen. Die Folge kann eine irreversible lärmbedingte Hörminderung oder Tinnitus sein. Welche Ursachen bei den einzelnen Teilnehmenden der GEDA-Auswertung eine Rolle spielten, lässt sich aus der veröffentlichten Querschnittsanalyse nicht bestimmen.
In der RKI-Auswertung berichteten Menschen mit geringer sozialer Unterstützung, schlechter eingeschätzter allgemeiner Gesundheit oder depressiven Symptomen häufiger über Hörbeeinträchtigungen. Das Studiendesign erlaubt daraus keine Aussage über Ursache und Wirkung. Es ist somit nicht belegt, dass die Hörschwierigkeiten diese Merkmale ausgelöst haben oder dass der Zusammenhang in die andere Richtung verläuft.
Unbehandelter Hörverlust kann nach Angaben der WHO die Kommunikation und gesellschaftliche Teilhabe erschweren und steht mit sozialer Isolation und Einsamkeit in Verbindung. Die WHO nennt außerdem ein erhöhtes Demenzrisiko und einen beschleunigten kognitiven Abbau im Zusammenhang mit unbehandeltem Hörverlust. Solche statistischen Zusammenhänge bedeuten nicht, dass eine Hörminderung bei einer einzelnen Person zwangsläufig zu diesen Folgen führt.
Die RKI-Trendanalyse zeigt, dass die Nutzung von Hörgeräten über die untersuchten Erhebungswellen leicht zugenommen hat und zuletzt bei rund fünf Prozent aller Befragten lag. Aus dem Abstand zwischen 32,5 Prozent selbst berichteten Hörschwierigkeiten und 5,4 Prozent Hörgerätenutzung lässt sich jedoch keine Versorgungslücke entsprechender Größe berechnen. Nicht jede subjektiv wahrgenommene Schwierigkeit erfüllt die medizinischen Voraussetzungen für ein Hörgerät. Zudem enthält die Erhebung keine individuelle audiometrische Indikationsprüfung.
Die gesetzliche Krankenversicherung arbeitet bei Hörhilfen mit Festbeträgen. Diese sollen eine ausreichende, zweckmäßige, wirtschaftliche und qualitätsgesicherte Versorgung ermöglichen. Nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes haben Versicherte Anspruch auf eine medizinisch notwendige Versorgung, ohne über die gesetzlich vorgesehene Kostenbeteiligung hinaus zusätzliche Ausgaben übernehmen zu müssen. Werden Ausstattungen gewählt, die über die erstattete Versorgung hinausgehen, können Mehrkosten entstehen.
Wie häufig solche zusätzlichen Ausgaben vorkommen, zeigen aktuelle Abrechnungsdaten für 2025. Der GKV-Spitzenverband weist für die Produktgruppe Hörhilfen 976.368 Versorgungsfälle aus. Bei 420.477 davon, entsprechend 43,07 Prozent, wurden Mehrkosten dokumentiert. Bei diesen Fällen lagen die zusätzlichen Ausgaben im Durchschnitt bei 1.656,99 Euro. Insgesamt entfielen nach der GKV-Auswertung rund 696,7 Millionen Euro an Mehrkosten auf die Produktgruppe Hörhilfen.
Diese Zahlen benötigen eine klare Abgrenzung. Ein Versorgungsfall ist nicht mit einer einzelnen Person gleichzusetzen. Zudem beweisen zusätzliche Ausgaben nicht, dass eine ausreichende Versorgung ohne diese Kosten nicht verfügbar gewesen wäre. Der GKV-Spitzenverband führt Mehrkosten grundsätzlich auf Entscheidungen für Leistungen zurück, die über die medizinisch notwendige und wirtschaftliche Versorgung hinausgehen können. Die Abrechnungsdaten zeigen deshalb vor allem, dass zusätzliche Ausgaben bei Hörhilfen vergleichsweise häufig und im Durchschnitt hoch sind.
Die neue RKI-Auswertung macht damit zwei Ebenen sichtbar. Selbst wahrgenommene Hörschwierigkeiten sind in Deutschland weit verbreitet und nehmen mit dem Alter deutlich zu. Die Daten belegen aber nicht, dass 32,5 Prozent der Erwachsenen eine medizinisch diagnostizierte Schwerhörigkeit haben oder ein Hörgerät benötigen. Wie groß der tatsächlich noch ungedeckte Versorgungsbedarf ist, lässt sich aus der Erhebung allein nicht bestimmen.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu