
Die Lage an der Straße von Hormus hat sich am Mittwoch, 19. August 2026, erneut verschärft. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihre Handelsbeziehungen und Finanztransaktionen mit Iran bis auf Weiteres ausgesetzt. Vorausgegangen war die Meldung des emiratischen Verteidigungsministeriums, zwei aus Iran gestartete ballistische Raketen seien registriert worden. Nach Angaben der VAE stürzten beide Raketen ins Meer. Iran weist die Darstellung zurück.
Gleichzeitig bleibt die Schifffahrt durch die Meerenge deutlich eingeschränkt. Zahlreiche Reedereien und Tankerbetreiber meiden die Route weiterhin. Saudi Aramco hat unterdessen einzelne Ölverladungen von Terminals innerhalb des Persischen Golfs wieder aufgenommen. Damit entsteht ein widersprüchliches Bild: Die Straße von Hormus ist nicht vollständig ohne Verkehr, von einem normalen Betrieb kann jedoch weiterhin keine Rede sein.
Die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate erklärte, sämtliche Handelsaktivitäten, kommerziellen Austauschbeziehungen und Finanztransaktionen mit Iran würden bis auf Weiteres ausgesetzt. Die Maßnahme folgte auf den Raketenalarm vom Dienstag.
Nach Darstellung des Verteidigungsministeriums der Emirate wurden zwei ballistische Raketen registriert, deren Ursprung in Iran gelegen habe. Die Behörden erklärten später, die Flugkörper hätten nach ihrer Bewertung den Schiffsverkehr zum Ziel gehabt. Beide seien ins Meer gestürzt. Angaben über Schäden an Land oder Verletzte wurden nicht gemeldet.
Iran widersprach der Darstellung. Außenministeriumssprecher Esmaeil Baghaei bezeichnete die emiratischen Angaben als unbegründet. Eine unabhängige Bestätigung dafür, dass die beiden Raketen tatsächlich von iranischen Streitkräften abgefeuert wurden, lag zunächst nicht vor.
Damit ist offiziell bestätigt, dass die VAE einen Raketenalarm auslösten und anschließend ihre Wirtschaftsbeziehungen zu Iran stoppten. Umstritten bleibt die Urheberschaft der Raketen.
Auch unabhängig von dem neuen Zwischenfall bleibt die Straße von Hormus im Iran-Krieg einer der wichtigsten wirtschaftlichen Brennpunkte. Schiffsbewegungsdaten zeigen weiterhin deutlich weniger Verkehr als vor der Eskalation des Konflikts.
Am Dienstag passierten nach Daten des Analyseunternehmens Kpler sechs Handelsschiffe die Meerenge. Am Vortag waren es neun gewesen. Der Durchschnitt der vorausgegangenen zehn Tage lag bei elf Schiffen täglich. Damit wird die Passage zwar weiterhin genutzt, große Teile der kommerziellen Schifffahrt halten sich jedoch zurück.
Besonders deutlich zeigt sich die Unsicherheit bei großen Tankerflotten. Zwei bedeutende chinesische Reedereien, die vor dem Krieg einen erheblichen Anteil der chinesischen Ölimporte aus dem Nahen Osten transportierten, hielten ihre Tanker zuletzt sowohl aus der Straße von Hormus als auch aus der Meerenge Bab al-Mandab heraus.
Die Bedeutung der Route ist außergewöhnlich groß. Vor dem Krieg liefen ungefähr ein Fünftel der weltweiten Transporte von Rohöl und Flüssigerdgas durch die Straße von Hormus. Daten der US-Energiebehörde EIA zeigen zugleich, wie stark die tatsächlichen Energieströme eingebrochen sind. Im zweiten Quartal 2026 wurden durchschnittlich rund 4,9 Millionen Barrel Öl pro Tag durch die Meerenge transportiert. Im vierten Quartal 2025 waren es noch rund 21,6 Millionen Barrel täglich.
Saudi-Arabiens staatlicher Ölkonzern Saudi Aramco hat unterdessen begonnen, wieder größere Rohölmengen von Terminals innerhalb der Straße von Hormus zu verladen.
Zwischen dem 12. und 16. August nahmen drei sehr große Rohöltanker jeweils rund zwei Millionen Barrel an den saudischen Terminals Juaymah und Ras Tanura auf. Zuvor hatte es dort nach Schiffsbewegungsdaten rund drei Wochen lang keine vergleichbaren Verladungen gegeben.
Weitere Tanker könnten im Verlauf des Monats folgen. Gleichzeitig bietet Aramco asiatischen Abnehmern einzelne Rohölladungen über Umladungen vor Fujairah in den Vereinigten Arabischen Emiraten an. Der Hafen liegt außerhalb der eigentlichen Engstelle.
Die Wiederaufnahme einzelner Verladungen bedeutet jedoch keine vollständige Normalisierung. Saudi-Arabiens Ausfuhren bleiben durch die Sicherheitslage auf mehreren Routen beeinträchtigt. Auch alternative Transportwege über das Rote Meer und den ägyptischen Mittelmeerhafen Sidi Kerir können die früheren Mengen bislang nur teilweise ersetzen.
Zusätzliche politische Spannungen entstehen durch Aussagen von US-Präsident Donald Trump. Trump erklärte am Dienstag, die Straße von Hormus sei geöffnet. Iran vertritt dagegen weiterhin die Position, dass die Meerenge für die reguläre Schifffahrt geschlossen bleibe.
Die tatsächlichen Schiffsbewegungen liegen zwischen diesen beiden Darstellungen. Einzelne Schiffe passieren die Route, zugleich bleibt der Verkehr weit unter dem früheren Niveau.
Trump ging zudem weiter und brachte öffentlich die Idee ins Spiel, die Straße von Hormus zum Gebiet der Vereinigten Staaten zu erklären. Zugleich behauptete er, die USA hätten die vollständige Kontrolle über die Meerenge.
Ein solcher politischer Anspruch verändert den völkerrechtlichen Status der Wasserstraße nicht. Die Straße von Hormus verbindet internationale Seegebiete und gehört zu den Meerengen, die für die internationale Schifffahrt genutzt werden. Das internationale Seerecht sieht für solche Passagen grundsätzlich das Recht der Transitdurchfahrt vor.
Die Küstengebiete der Meerenge gehören zu Iran und Oman. Eine einseitige territoriale Übernahme durch einen dritten Staat ergibt sich daraus nicht.
Oman spielt in der Auseinandersetzung eine besondere Rolle. Das Sultanat grenzt unmittelbar an die Straße von Hormus und hat in den vergangenen Monaten mehrfach versucht, zwischen Iran, den Vereinigten Staaten und anderen Staaten der Region zu vermitteln.
Bereits im Juni hatten Oman und Iran erklärt, die Meerenge als sichere und offene Route für die internationale Schifffahrt erhalten zu wollen. Beide Länder vereinbarten eine gemeinsame Arbeitsgruppe zur künftigen Organisation des Schiffsverkehrs.
Oman arbeitete zudem mit der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation IMO an einem vorübergehenden Transitkorridor. Ziel war es, Schiffen eine Durchfahrt ohne zusätzliche Transitgebühren zu ermöglichen.
Die Rolle Maskats ist damit sowohl diplomatisch als auch praktisch. Oman verfügt über direkte Kontakte zu Teheran und Washington und liegt gleichzeitig an einer der beiden Küsten der Meerenge.
Die jüngsten Spannungen erschweren diese Vermittlungsbemühungen. Dennoch bleibt Oman einer der wenigen Staaten der Region, die weiterhin direkte Gesprächskanäle zu mehreren Konfliktparteien offenhalten.
Die Entwicklungen vom 19. August zeigen vor allem, dass die Straße von Hormus weder vollständig geschlossen noch wieder normal geöffnet ist. Einzelne Tanker und Frachter fahren, große Reedereien vermeiden die Strecke weiterhin.
Die erneute Aufnahme saudischer Ölverladungen zeigt, dass Transporte unter bestimmten Bedingungen möglich sind. Gleichzeitig verdeutlicht der Handelsstopp der Vereinigten Arabischen Emirate gegenüber Iran, wie schnell neue militärische Zwischenfälle politische und wirtschaftliche Folgen auslösen können.
Für den internationalen Energiemarkt bleibt deshalb nicht allein entscheidend, ob einzelne Schiffe die Meerenge passieren. Entscheidend ist, ob Reedereien, Versicherer und Energieunternehmen wieder in größerem Umfang bereit sind, die Route regelmäßig zu nutzen.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu