
Der Hamburger Musikmanager Horst Fascher ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Als Mitgründer und Geschäftsführer des Star-Clubs auf St. Pauli holte er die Beatles für das Eröffnungsprogramm an die Große Freiheit und brachte zahlreiche internationale Rock- und Beatmusiker nach Hamburg.
Unterschiedliche Angaben gibt es zum genauen Todestag und Sterbeort. Der Norddeutsche Rundfunk meldete am Sonntag, 1. November, unter Berufung auf den Familienkreis den Tod Faschers, nannte zunächst aber kein Datum. Die Deutsche Presse-Agentur berichtete, sein Bruder habe ihr gesagt, Fascher sei am Freitag, 30. Oktober, im Krankenhaus gestorben. Die Bild-Zeitung hatte zuvor den Bruder mit einer abweichenden Angabe zitiert: Fascher sei am Samstag, 31. Oktober, in einem Heim eingeschlafen. Eine Todesursache wurde nicht genannt.
Fascher wurde 1936 in Hamburg geboren und erlernte den Beruf des Bootsbauers und Schiffszimmermanns. Ende der 1950er-Jahre arbeitete er im Kaiserkeller, wo er mit Rock ’n‘ Roll und Live-Musik in Berührung kam. Aus dieser Zeit stammte seine Idee, in Hamburg einen Club für internationale Rock- und Beatbands zu eröffnen. Für die Umsetzung gewann er den Unternehmer Manfred Weissleder, der das frühere Stern-Kino an der Großen Freiheit 39 besaß und den Umbau finanzierte. Fascher brachte die Idee und seine Kontakte in die Musikszene ein. Am 13. April 1962 öffnete der Star-Club. Fascher wurde Geschäftsführer und Booking-Manager.
Die Beatles waren 1962 keine Unbekannten mehr in Hamburg. Sie hatten bereits im August 1960 ihren ersten Auftritt in der Stadt absolviert und danach unter anderem im Indra, im Kaiserkeller und im Top Ten gespielt. Fascher kannte die Musiker von früheren Auftritten und verpflichtete sie für den neuen Club. Der Vertrag mit Beatles-Manager Brian Epstein wurde im Januar 1962 geschlossen.
Bei der Eröffnung des Star-Clubs am 13. April standen John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Pete Best auf der Bühne. In den folgenden Wochen spielten die Beatles ein längeres Engagement. Im November kehrten sie für weitere Auftritte zurück, im Dezember folgte eine weitere Konzertserie. Bis Ende 1962 standen sie nach Angaben des NDR insgesamt 79-mal im Star-Club auf der Bühne. Die langen Abende und der direkte Vergleich mit anderen Bands trugen dazu bei, dass die Beatles ihre Routine als Livegruppe festigten.
Faschers Beitrag lag nicht darin, die Beatles erstmals nach Hamburg gebracht zu haben. Das war bereits 1960 geschehen. Er verschaffte ihnen jedoch eine weitere wichtige Bühne und band sie in das Programm eines Clubs ein, der zu einem internationalen Treffpunkt der Beatmusik wurde.
Der Star-Club lebte nicht allein von den Beatles. Auf der Bühne standen unter anderem Little Richard, Bill Haley, Gene Vincent, Jerry Lee Lewis, Fats Domino, Ray Charles, Chuck Berry und die Everly Brothers. Auch Jimi Hendrix trat dort auf. Deutsche Bands wie The Rattles erhielten ebenfalls Auftrittsmöglichkeiten. Als Booking-Manager trug Fascher dazu bei, amerikanischen Rock ’n‘ Roll, britischen Beat und die entstehende deutsche Rockszene an einem Ort zusammenzubringen.
Der Club bot jungen Menschen in einer Zeit, in der Schlager und traditionelle Unterhaltung das öffentliche Musikangebot prägten, einen Raum für eine neue, international geprägte Jugendkultur. Mehrere Bands spielten an einem Abend, oft bis in die frühen Morgenstunden. Die Große Freiheit wurde dadurch zu einer Adresse, die auch international mit der Entwicklung der Beatmusik verbunden blieb.
Nach dem Ende des Star-Clubs blieb Fascher der Musikbranche verbunden. Er arbeitete unter anderem als Manager des Musikers Tony Sheridan und war in den späten 1960er-Jahren an der musikalischen Betreuung amerikanischer Soldaten in Vietnam beteiligt. In den 1970er-Jahren versuchte er, das frühere Konzept mit einem Star-Club II am Hamburger Großneumarkt wieder aufleben zu lassen. Der neue Club erreichte jedoch nicht die Bedeutung des Originals. Fascher hielt die Erinnerung an seine Zeit als Clubmacher und Musikpromoter später auch in seiner Autobiografie „Let the good times roll!“ fest.
Der ursprüngliche Star-Club schloss am Silvesterabend 1969. Das Gebäude an der Großen Freiheit wurde 1983 durch ein Feuer zerstört. Heute erinnert eine Gedenktafel an den Musikclub. Fascher war nicht allein für den Aufstieg der Beatles verantwortlich, deren Entwicklung viele Einflüsse hatte und in Hamburg bereits vor dem Star-Club begann. Sein Beitrag war dennoch prägend: Er half, eine Bühne zu schaffen, auf der die Band und zahlreiche andere Musiker regelmäßig vor einem aufgeschlossenen Publikum spielen konnten. Mit ihm verliert die Hamburger Musikgeschichte einen ihrer bekanntesten Vermittler der Beat- und Rockmusik.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu