
Der ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland ist im September 2026 stärker gestiegen als erwartet. Das Konjunkturbarometer kletterte auf 89,9 Punkte nach 88,8 Punkten im August. Unternehmen bewerteten sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch die kommenden Monate günstiger. Damit setzt sich die Aufwärtsbewegung der vergangenen Monate fort.
Von Reuters befragte Ökonomen hatten im Durchschnitt lediglich mit einem Anstieg auf 89,0 Punkte gerechnet. Tatsächlich legte der ifo-Geschäftsklimaindex September 2026 um 1,1 Punkte zu. Der Index steht damit so hoch wie seit Mai 2023 nicht mehr und verbesserte sich den fünften Monat in Folge.
Auch die beiden Komponenten des Barometers legten zu. Die Bewertung der aktuellen Geschäftslage stieg von 88,5 auf 89,5 Punkte. Der Erwartungsindex verbesserte sich deutlicher von 89,1 auf 90,4 Punkte. Die Unternehmen blicken damit weniger skeptisch auf die kommenden Monate als noch im August.
Im Verarbeitenden Gewerbe verbesserte sich das Geschäftsklima erneut. Ausschlaggebend waren vor allem deutlich günstigere Erwartungen. Besonders in der Elektroindustrie nahm die Zuversicht zu. Die aktuelle Geschäftslage wurde in der Industrie dagegen etwas schlechter eingeschätzt. Zudem bleibt die Unzufriedenheit mit dem Auftragsbestand bestehen, während die Automobilindustrie weiterhin unter schwierigen Rahmenbedingungen arbeitet.
Bei den Dienstleistern kehrte das Geschäftsklima in den positiven Bereich zurück. Die Unternehmen bewerteten vor allem ihre laufenden Geschäfte besser und korrigierten zugleich ihre Erwartungen nach oben. Auch im Handel verbesserte sich der Indikator. Einzelhändler bleiben angesichts der höheren Inflation jedoch zurückhaltend.
Im Bauhauptgewerbe gab es dagegen kaum Bewegung. Die Unternehmen zeigten sich mit ihrer aktuellen Geschäftslage etwas zufriedener, die Erwartungen verschlechterten sich geringfügig. Innerhalb der Branche entwickelt sich der Tiefbau weiterhin günstiger als der Hochbau.
Die unterschiedlichen Entwicklungen zeigen, dass die konjunkturelle Erholung nicht alle Wirtschaftsbereiche gleichermaßen erfasst. Während die Erwartungen in Teilen der Industrie und bei den Dienstleistern steigen, bleiben schwache Auftragsbestände, höhere Kosten und eine verhaltene Konsumnachfrage Belastungsfaktoren.
Der bessere Stimmungswert fällt mit einer vorsichtigen Aufhellung des gesamtwirtschaftlichen Ausblicks zusammen. Die fünf führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen in ihrer am Donnerstag veröffentlichten Gemeinschaftsdiagnose für 2026 mit einem Wachstum des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent. Im Frühjahr hatten sie lediglich 0,6 Prozent erwartet. Für 2027 prognostizieren sie ein Plus von 1,1 Prozent.
Im dritten Quartal dürfte die Wirtschaft allerdings nur um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen sein. Industrieproduktion und Warenausfuhren entwickelten sich zuletzt schwächer. Zusätzlich belasten hohe Energiepreise und niedrige Wasserstände wichtige Teile der Industrie. Die Bundesbank erwartet ebenfalls, dass die Konjunktur im dritten Quartal vorübergehend an Fahrt verliert, der grundsätzliche Erholungskurs aber bestehen bleibt.
Der Septemberwert deutet damit auf eine zunehmende Zuversicht der Unternehmen hin, ohne bereits einen kräftigen Wirtschaftsaufschwung zu belegen. Geschäftsklimaindizes erfassen Einschätzungen und Erwartungen der Unternehmen und können sich deshalb früher verändern als Produktion, Investitionen oder Beschäftigung.
Die Gemeinschaftsdiagnose verweist zugleich auf weiterhin schwache Unternehmensinvestitionen und einen verhaltenen privaten Konsum. Für die kommenden Monate rechnen die Institute jedoch mit stärkeren Impulsen durch öffentliche Investitionen, eine robuste Weltwirtschaft und eine Belebung der Nachfrage. Der höhere ifo-Index fügt sich damit in ein Bild einer schrittweisen, bislang aber begrenzten Erholung der deutschen Wirtschaft ein.
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