Deutsche Industrieproduktion steigt im September trotz schwacher Quartalsbilanz

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Die deutsche Industrie hat im September 2026 mehr produziert als im Vormonat. Besonders deutlich fiel der Anstieg bei den Automobilherstellern aus. Auch die Pharmaindustrie legte zu, während der Maschinenbau einen erheblichen Rückgang verzeichnete. Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen damit eine positive Monatsentwicklung, allerdings noch keine durchgehende Erholung der deutschen Industrie.

Anzeige

Industrieproduktion in Deutschland steigt im September deutlich

Die gesamte Produktion im Produzierenden Gewerbe stieg im September 2026 gegenüber August preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,7 Prozent. Das geht aus den vorläufigen Daten hervor, die das Statistische Bundesamt am Freitag, 6. November 2026, veröffentlichte. Gegenüber September 2025 lag die Produktion kalenderbereinigt um 0,4 Prozent höher.

Die eigentliche Industrieproduktion, bei der Energieerzeugung und Baugewerbe nicht berücksichtigt werden, entwickelte sich noch stärker. Sie stieg gegenüber August um 1,7 Prozent. Damit fiel die Entwicklung günstiger aus als von Ökonomen erwartet. Analysten hatten im Vorfeld mit einer Stagnation der gesamten Produktion gerechnet.

Die aktuellen Ergebnisse zeigen allerdings erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Wirtschaftszweigen. Während bestimmte Industriebereiche ihre Fertigung deutlich ausweiteten, ging die Produktion in anderen Branchen zurück.

Anzeige

Autoindustrie mit Produktionsplus von 17,1 Prozent

Besonders stark entwickelte sich im September die deutsche Automobilindustrie. Ihre Produktion stieg gegenüber dem Vormonat um 17,1 Prozent. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hatte die Fertigung in den beiden vorangegangenen Monaten unter anderem wegen Werksferien und Produktionsumstellungen auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau gelegen.

Auch die Pharmaindustrie verzeichnete nach zwei schwächeren Monaten einen kräftigen Anstieg. Dort erhöhte sich die Produktion im September um 8,0 Prozent.

Anders verlief die Entwicklung im Maschinenbau. In dieser für die deutsche Exportwirtschaft wichtigen Branche ging die Produktion gegenüber August um 6,5 Prozent zurück. Im August hatte sie noch um 5,8 Prozent zugelegt. Die Bauproduktion sank im September um 2,6 Prozent, während die Energieerzeugung um 1,2 Prozent zurückging.

Innerhalb der Industrie nahm die Herstellung von Investitionsgütern um 3,0 Prozent zu. Bei Konsumgütern lag das Plus bei 0,8 Prozent und bei Vorleistungsgütern bei lediglich 0,1 Prozent.

Augustzahlen deutlich nach unten korrigiert

Der aktuelle Produktionsanstieg fällt mit einer erheblichen Korrektur der Augustdaten zusammen. Ursprünglich hatte das Statistische Bundesamt für August ein Plus von 2,0 Prozent gegenüber Juli gemeldet. Nach der Überarbeitung der vorläufigen Ergebnisse lag der tatsächliche Zuwachs nur noch bei 1,0 Prozent.

Als Grund für diese deutliche Korrektur nennt die Behörde zusätzliche Unternehmensangaben aus dem Baugewerbe, die auf Umsatzsteuervoranmeldungen beruhen. Damit fällt die bisher angenommene Produktionsentwicklung im August schwächer aus als zunächst veröffentlicht.

Auch die Zahlen für das gesamte dritte Quartal zeichnen ein zurückhaltenderes Bild. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2026 lag die Produktion im Produzierenden Gewerbe um 0,4 Prozent niedriger. Der Septemberanstieg konnte den Rückgang über den gesamten Dreimonatszeitraum somit nicht ausgleichen.

Energieintensive Unternehmen bleiben unter Vorjahresniveau

In den energieintensiven Industriezweigen stieg die Produktion im September gegenüber August um 0,8 Prozent. Dazu gehören Branchen, deren Fertigung besonders große Mengen an Energie benötigt.

Die längerfristige Entwicklung fiel jedoch schwächer aus. Im dritten Quartal lag die Produktion dieser Wirtschaftszweige um 3,5 Prozent unter dem Niveau des zweiten Quartals. Im Vergleich zum September 2025 wurde ein Rückgang von 1,9 Prozent verzeichnet.

Die Industrieproduktion in Deutschland zeigt damit weiterhin erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Branchen und Betrachtungszeiträumen. Während die Automobilindustrie im September einen kräftigen Zuwachs erzielte, blieb die Lage in mehreren anderen Industriebereichen angespannt.

Neue Aufträge geben weitere Hinweise auf die Konjunktur

Bereits am Donnerstag hatte das Statistische Bundesamt einen deutlichen Anstieg der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe gemeldet. Im September gingen preis-, saison- und kalenderbereinigt 4,4 Prozent mehr Bestellungen ein als im August. Ohne Großaufträge lag das Plus bei 5,1 Prozent.

Auch bei den Bestellungen spielte die Automobilindustrie eine wichtige Rolle. Dort stiegen die Auftragseingänge gegenüber August um 10,5 Prozent. Im Maschinenbau erhöhten sie sich um 8,3 Prozent.

Die Entwicklung ist auch für Deutschlands internationale Wirtschaftsbeziehungen von Bedeutung. Die Auftragseingänge aus dem Ausland stiegen im September um 2,8 Prozent. Bestellungen aus der Eurozone nahmen um 4,5 Prozent zu, während die Nachfrage aus Ländern außerhalb der Eurozone um 1,6 Prozent wuchs.

Für das gesamte dritte Quartal fiel die Auftragsentwicklung allerdings wesentlich verhaltener aus. Gegenüber dem Vorquartal lag der Zuwachs lediglich bei 0,2 Prozent.

Deutsche Wirtschaft wächst im dritten Quartal leicht

Die unterschiedlichen Entwicklungen innerhalb der Industrie stehen einer insgesamt leicht wachsenden deutschen Wirtschaft gegenüber. Nach einer ersten Berechnung des Statistischen Bundesamtes erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent.

Während die privaten und staatlichen Konsumausgaben zusammen leicht zunahmen, gingen die Investitionen nach vorläufigen Erkenntnissen zurück. Zudem schwächte sich die zuvor kräftige Exportentwicklung im dritten Quartal merklich ab.

Der Produktionsanstieg im September liefert damit ein positives Monatsergebnis für die deutsche Industrie. Die rückläufige Quartalsproduktion, die nach unten korrigierten Augustzahlen und die deutlichen Unterschiede zwischen den Branchen zeigen zugleich, dass die industrielle Entwicklung weiterhin uneinheitlich verläuft.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu