Magna will Elektronikwerk am Hochrhein schließen: 255 Beschäftigte betroffen

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

Teilen:

Der Automobilzulieferer Magna plant die Schließung seines Werks in Waldshut-Tiengen in Baden-Württemberg. Bis Ende März 2027 soll die Produktion eingestellt werden. Von der Entscheidung sind 255 Beschäftigte betroffen. Die Gewerkschaft IG Metall widerspricht der wirtschaftlichen Begründung des Konzerns und fordert, Möglichkeiten zum Erhalt des Standorts zu prüfen. Auch aus der Politik kommt Kritik an den Schließungsplänen.

Anzeige

Magna bestätigt geplante Werksschließung bis März 2027

Das Magna-Werk in Waldshut-Tiengen soll nach den Plänen des Unternehmens bis zum Ende des ersten Quartals 2027 geschlossen werden. Ein Unternehmenssprecher bestätigte den Zeitplan und die Zahl der betroffenen Beschäftigten gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Die Belegschaft war bereits am Dienstag, 3. November 2026, über die Entscheidung informiert worden.

Magna begründet den Schritt mit einer Überprüfung der langfristigen Perspektiven des Standorts. Angesichts veränderter Bedingungen in der Automobilbranche und der allgemeinen Geschäftsaussichten sehe der Konzern keine ausreichende wirtschaftliche Grundlage für eine Fortführung des Werks.

Konkrete betriebswirtschaftliche Kennzahlen zur Begründung der Entscheidung wurden zunächst nicht veröffentlicht. Das Unternehmen erklärte, die Umsetzung der geplanten Schließung solle im Austausch mit den Beschäftigten und dem Betriebsrat erfolgen.

Anzeige

IG Metall kritisiert den Umgang mit der Belegschaft

Die angekündigte Schließung stößt bei der IG Metall auf deutlichen Widerstand. Holger Bertsch von der IG Metall Lörrach stellte die Entscheidung gegenüber dem SWR infrage. Nach Darstellung der Gewerkschaft hätten zahlreiche langjährig Beschäftigte dazu beigetragen, dass der Standort profitabel arbeite.

Besonders kritisch bewertet die Gewerkschaft die Kommunikation des Unternehmens. Nach ihrer Darstellung seien Befürchtungen innerhalb der Belegschaft über längere Zeit relativiert worden. Bertsch sprach deshalb von einem erheblichen Vertrauensverlust zwischen Beschäftigten und Unternehmensführung.

Die IG Metall kündigte an, die Schließungspläne zu prüfen und Alternativen einzufordern. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob sich die Produktion am bisherigen Standort fortführen lässt. Eine unabhängige Bestätigung für die von der Gewerkschaft angeführte Profitabilität des Werks lag zunächst nicht vor.

Werk in Tiengen produziert Technik für modernes Autofahren

Am Standort Waldshut-Tiengen fertigt Magna elektronische Komponenten für die Automobilindustrie. Dazu gehören nach Angaben des SWR Kamera- und Radartechnik, die unter anderem in Fahrerassistenzsystemen und beim automatisierten Fahren eingesetzt wird.

Diese Produkte sind Bestandteil moderner Fahrzeugtechnik. Kameras und Radarsensoren ermöglichen beispielsweise die Erkennung anderer Verkehrsteilnehmer und unterstützen verschiedene Sicherheits- und Assistenzfunktionen.

Die IG Metall sieht deshalb weiterhin wirtschaftliche Perspektiven für den Standort. Sie stellt insbesondere infrage, weshalb eine Fertigung in diesem Technologiebereich keine Zukunft haben soll. Der Konzern bewertet die langfristigen Aussichten des Werks dagegen negativ. Welche konkreten wirtschaftlichen Entwicklungen für diese unterschiedliche Einschätzung ausschlaggebend sind, blieb zunächst offen.

Weitere Magna-Standorte in Deutschland vom Stellenabbau betroffen

Die geplante Werksschließung in Waldshut-Tiengen ist nicht die erste entsprechende Entscheidung des internationalen Automobilzulieferers in Deutschland.

Bereits im Juli 2026 kündigte Magna an, auch seinen Standort in Dorfprozelten im bayerischen Unterfranken schließen zu wollen. Dort sind nach Unternehmensangaben 216 Beschäftigte betroffen. Die Einstellung des Betriebs ist für die Mitte des Jahres 2027 vorgesehen.

Für beide Standorte verweist Magna auf veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen und die Geschäftsaussichten. Zudem hatte der Konzern bereits 2025 Stellen am Standort Untergruppenbach bei Heilbronn abgebaut.

Magna International hat seinen Hauptsitz in Kanada und gehört zu den großen weltweit tätigen Unternehmen der Automobilzulieferindustrie. Der Konzern produziert unter anderem Fahrzeugkomponenten, Elektroniksysteme und Technologien für automatisiertes Fahren. Die Entscheidungen in Deutschland betreffen damit Standorte eines international aufgestellten Zulieferers, dessen Geschäftsmodell eng mit der Entwicklung der weltweiten Automobilindustrie verbunden ist.

Politik fordert Alternativen zur Schließung

Auch Vertreter der Bundespolitik äußerten Kritik an der Entscheidung. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Felix Schreiner forderte, zusätzliche Geschäftsfelder und andere industrielle Nutzungsmöglichkeiten für den Standort zu untersuchen. Aus seiner Sicht dürfe die schwierige Lage der Automobilbranche nicht zwangsläufig zur Aufgabe bestehender Produktionsstandorte führen.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter verlangte einen angemessenen Sozialplan für die betroffenen Beschäftigten.

Waldshut-Tiengens Oberbürgermeister Martin Gruner zeigte sich ebenfalls überrascht von der Ankündigung. Nach seinen Angaben war die Stadtverwaltung zuvor nicht über die Schließungsabsicht informiert worden. Gruner kündigte an, Gespräche mit der lokalen Geschäftsführung zu suchen und mögliche Perspektiven für den Standort zu erörtern.

Zukunft der 255 Beschäftigten noch offen

Für die Beschäftigten sind mit der angekündigten Schließung zahlreiche Fragen verbunden. Welche konkreten Möglichkeiten für eine Weiterbeschäftigung bestehen und ob Arbeitsplätze innerhalb des Konzerns angeboten werden können, war zunächst nicht bekannt.

Auch zu möglichen Abfindungen, einer Transfergesellschaft oder den Einzelheiten eines Sozialplans lagen zunächst keine gesicherten Angaben vor.

Magna hält bislang an seinem angekündigten Zeitplan fest. Demnach soll der Betrieb in Waldshut-Tiengen spätestens mit Ablauf des ersten Quartals 2027 eingestellt werden. Die IG Metall fordert dagegen eine Prüfung von Alternativen, mit denen Arbeitsplätze und industrielle Fertigung erhalten werden könnten.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu