InnoTrans 2026 bringt mehr als 3.100 Aussteller nach Berlin

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Wenn am Dienstag die InnoTrans 2026 in Berlin beginnt, trifft sich dort für vier Tage ein großer Teil der internationalen Bahnindustrie. Vom 22. bis 25. September präsentieren Hersteller, Betreiber, Zulieferer und Technologieunternehmen neue Züge, Infrastrukturtechnik und digitale Systeme. Nach Angaben der Messe Berlin sind mehr als 3.100 Aussteller vertreten. Der Veranstalter zählt zudem 180 angekündigte Weltpremieren. Besonders deutlich zeichnen sich drei Schwerpunkte ab: künstliche Intelligenz und Automatisierung, alternative Antriebe sowie die Modernisierung und Digitalisierung der Schieneninfrastruktur.

Die InnoTrans 2026 ist die 15. Ausgabe der Messe und fällt zugleich in deren 30. Jubiläumsjahr. Die Veranstaltung findet alle zwei Jahre statt und belegt sämtliche 42 Hallen des Berliner Messegeländes. Hinzu kommt das Frei- und Gleisgelände mit insgesamt 3.500 Metern Gleis. Zum Vergleich: Bei der vorherigen InnoTrans 2024 registrierte die Messe 2.946 Aussteller aus 59 Ländern und 169.214 Fachbesucher aus 128 Staaten.

113 Fahrzeuge aus 17 Ländern auf dem Gleisgelände

Besonders sichtbar wird die internationale Ausrichtung auf dem Außengelände. Dort sollen in diesem Jahr 113 Fahrzeuge aus 17 Ländern gezeigt werden. Insgesamt sind nach Angaben der Messe 130 Aussteller auf rund 20.000 Quadratmetern im Frei- und Gleisbereich vertreten. 30 Unternehmen nehmen dort erstmals teil.

Das Spektrum reicht von Hochgeschwindigkeitszügen über Lokomotiven bis zu Fahrzeugen mit Batterie-, Wasserstoff- und Hybridantrieben. Unter anderem werden Fahrzeuge aus China und Südkorea gezeigt. Hyundai Rotem bringt seinen Hochgeschwindigkeitszug EMU 320 nach Berlin, Hitachi den ETR1000 Frecciarossa. Beide Fahrzeugtypen sind für Geschwindigkeiten von mehr als 300 Kilometern pro Stunde ausgelegt. CRRC kündigt eine Wasserstoff-Brennstoffzellen-Hybridlokomotive an. Stadler ist mit sieben Fahrzeugen vertreten, darunter ein Wasserstofffahrzeug und ein batteriebetriebener Regionalzug.

Auch neue Nachtzugkonzepte spielen eine Rolle. Mehrere Anbieter zeigen Kabinen-, Liege- und Raumkonzepte, mit denen Nachtzüge komfortabler und zugleich wirtschaftlich betreibbar werden sollen.

KI und Automatisierung werden zum zentralen Messethema

Noch stärker als bei früheren Ausgaben rücken Software und künstliche Intelligenz in den Vordergrund. Nach Angaben der Messe drehen sich zahlreiche der 180 Weltpremieren um KI, Robotik und Automatisierung. Systeme sollen beispielsweise Infrastruktur inspizieren, Wartungsbedarf erkennen, Verkehrsströme steuern oder den Energieverbrauch reduzieren.

Das AI Mobility Lab bündelt Anbieter aus den Bereichen künstliche Intelligenz, Robotik, Cybersicherheit und Datenverarbeitung. Vom 23. bis 25. September veranstaltet die InnoTrans außerdem erstmals den Hackathon AI on Track. Etwa 60 bis 80 Teilnehmer sollen dort an Aufgaben aus der Mobilitätsbranche arbeiten. Zu den Hauptsponsoren gehören Alstom, Wabtec und Siemens Mobility.

Wie stark sich die Erwartungen der Hersteller inzwischen auf Software richten, zeigt der Messeauftritt von Siemens Mobility. Das Unternehmen stellt in Berlin unter anderem die neue Lokomotivplattform Vectron X vor. Siemens beschreibt sie als softwaredefinierte Lokomotive, die digitale Dienste und Anwendungen stärker mit dem Fahrzeug verknüpfen soll. Rund 45 Exponate zeigt das Unternehmen auf mehr als 1.000 Quadratmetern Standfläche, zusätzlich stehen mehr als 300 Meter Gleisfläche zur Verfügung.

Für Betreiber steht hinter solchen Technologien vor allem die Frage, ob sich vorhandene Netze besser auslasten, Fahrzeuge zuverlässiger einsetzen und Wartungskosten reduzieren lassen. Angaben über konkrete Kapazitätssteigerungen einzelner Softwarelösungen stammen dabei von den jeweiligen Herstellern und hängen vom Einsatzgebiet ab.

Infrastrukturgeschäft gewinnt an Bedeutung

Neben Fahrzeugen und Software nimmt die klassische Infrastruktur einen großen Teil der Messe ein. Knapp 600 Aussteller aus den Bereichen Railway Infrastructure und Tunnel Construction belegen nach Angaben der Messe mehr als 32.000 Quadratmeter. Die Zahl der Unternehmen in diesen Bereichen liegt damit fünf Prozent über dem Stand der InnoTrans 2024.

Auch das Segment Railway Technology wächst. Mehr als 1.200 Aussteller aus Europa, Asien, Afrika, Australien und Nordamerika gehören nach Angaben vom 28. Juli dazu. Rund 60 neue Aussteller beschäftigen sich insbesondere mit Elektrotechnik. Im Mittelpunkt stehen Leistungselektronik, Batteriesysteme, Elektrifizierung und robuste Dateninfrastrukturen.

Damit trifft die Messe auf eine Branche, in der hohe Auftragsbestände mit einem erheblichen Modernisierungsbedarf zusammenkommen. Der Verband der Bahnindustrie in Deutschland bezifferte den Umsatz seiner Branche für 2025 im Juni 2026 auf 15,6 Milliarden Euro. Der Auftragseingang lag bei 21,8 Milliarden Euro. Direkt beschäftigte die Branche dem Verband zufolge 57.700 Menschen. Der deutsche Heimatmarkt erreichte 2025 ein Volumen von 9,8 Milliarden Euro und wuchs gegenüber dem Vorjahr um 7,7 Prozent.

Milliardenbedarf im deutschen Schienennetz

Die technischen Neuheiten der Messe stehen zugleich vor einem schwierigen infrastrukturellen Hintergrund. Für Deutschland weist der Zustandsbericht der DB InfraGO für 2025 weiterhin einen erheblichen Investitionsbedarf aus. Die Allianz pro Schiene bezifferte diesen unter Berufung auf den Bericht im Mai 2026 auf 124 Milliarden Euro für Schienenwege und Verkehrsstationen. Davon entfielen rund 40 Milliarden Euro auf dringliche Arbeiten an Schienenwegen und Bahnsteigen.

Gleichzeitig sind die staatlichen Investitionen gestiegen. Für 2025 errechneten Allianz pro Schiene und SCI Verkehr Bundesausgaben von 222 Euro je Einwohner für die Schieneninfrastruktur.

Für Hersteller eröffnet der Modernisierungsbedarf einen großen Markt für Stellwerke, Elektrifizierung, digitale Leit- und Sicherungstechnik sowie neue Fahrzeuge. Betreiber stehen dagegen vor der Aufgabe, neue Technik in bestehende Netze zu integrieren und dabei den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten.

Öffentlicher Verkehr wird stärker digital

Auch Busse, Verkehrsunternehmen und digitale Mobilitätsangebote gehören zur InnoTrans. Im Segment Public Transport präsentieren 414 Aussteller ihre Produkte auf rund 20.000 Quadratmetern. Nach Angaben der Messe kommen 62 Prozent dieser Unternehmen aus dem Ausland. Im Mittelpunkt stehen unter anderem digitales Ticketing, Verkehrsplanung, barrierefreie Navigation, autonome Fahrzeuge sowie KI-gestützte Anwendungen.

Damit verschieben sich die Grenzen zwischen Fahrzeugbau, Infrastruktur und IT zunehmend. Hersteller verkaufen nicht mehr ausschließlich Züge oder einzelne technische Komponenten. Software, Datenplattformen, Wartungsdienste und digitale Steuerungssysteme werden zu einem immer größeren Teil der Angebote.

Branche diskutiert Wachstum, Resilienz und Kapazität

Eröffnet wird die Messe am Dienstagvormittag unter dem Titel Mobility on a global scale, shaping projects and growth opportunities. Im aktuellen Programm der Messe sind unter anderem EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas sowie die Vorstandschefs von Alstom, Siemens Mobility und Škoda Group angekündigt. Auch der Chef der California High Speed Rail Authority soll teilnehmen.

Die Themen zeigen, worum es der Bahnbranche 2026 geht: mehr Kapazität in teilweise überlasteten Netzen, schnellere Modernisierung, geringere Energie- und Lebenszykluskosten und eine höhere Zuverlässigkeit. Zugleich wächst der technologische Anteil der Branche. KI, Software und Automatisierung ergänzen den klassischen Fahrzeugbau zunehmend.

Für die vier Messetage in Berlin bedeutet das: Die größten Züge dürften weiterhin die auffälligsten Exponate sein. Für Betreiber und Hersteller könnten jedoch die weniger sichtbaren Technologien entscheidender werden, die darüber bestimmen, wie effizient diese Fahrzeuge künftig fahren, gewartet und in immer stärker belastete Netze integriert werden.

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