
Auf dem Markt für Computerprozessoren deutet sich eine weitere Preisrunde an. Intel soll die Einkaufspreise für ausgewählte CPUs bereits im September 2026 um bis zu 20 Prozent angehoben haben. Auch Qualcomm hat demnach seine Preise für bestimmte Notebook-Chips erhöht. Der Konkurrent AMD könnte folgen. Die Berichte über CPU-Preiserhöhungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Computerhersteller bereits mit erheblich gestiegenen Kosten für Arbeitsspeicher und Speicherlaufwerke rechnen müssen.
Grundlage der aktuellen Angaben ist ein Bericht der taiwanischen Wirtschaftszeitung Commercial Times vom 12. Oktober, der sich auf Quellen aus der Halbleiterlieferkette stützt. Öffentliche Bestätigungen der genannten Preisaufschläge durch Intel, AMD und Qualcomm lagen zunächst nicht vor.
Besonders deutlich fallen die gemeldeten Aufschläge bei leistungsstarken Notebook-Prozessoren aus Intels Panther-Lake-Familie aus. Für Varianten mit leistungsfähiger integrierter Grafikeinheit sollen Hersteller seit dem 1. September zwischen 15 und 20 Prozent mehr bezahlen müssen. Nicht sämtliche Modelle dieser Prozessorfamilie sind betroffen.
Auch bei älteren beziehungsweise anderen Produktgenerationen werden Preisanpassungen genannt. Für Meteor Lake und Arrow Lake liegen die berichteten Erhöhungen zwischen fünf und zehn Prozent. Bei Alder Lake und Twin Lake sollen es teilweise zehn bis 20 Prozent sein.
Damit würden die Veränderungen sowohl leistungsstarke Computer als auch günstigere Geräteklassen betreffen. Entscheidend ist allerdings, dass sich die Prozentangaben auf bestimmte Prozessoren und Einkaufskonditionen beziehen. Eine entsprechende Erhöhung sämtlicher Ladenpreise lässt sich daraus nicht ableiten.
Neben Intel steht auch Qualcomm im Mittelpunkt der aktuellen Entwicklung. Das amerikanische Unternehmen soll seine Prozessorplattformen Snapdragon X und Snapdragon X2 Elite seit Anfang Oktober um ungefähr zehn Prozent verteuert haben. Diese Chips kommen insbesondere in Windows-Notebooks mit ARM-Architektur zum Einsatz.
Bei AMD ist die Situation weniger konkret. Das Unternehmen soll ebenfalls Preisanpassungen für ausgewählte Prozessoren vorbereiten. Als mögliche betroffene Produktreihen werden Ryzen für Privatkunden und EPYC für Server genannt.
Ein verbindlicher Zeitpunkt wurde jedoch nicht bekannt. Auch die genaue Höhe und der Umfang möglicher Erhöhungen sind nicht bestätigt. Damit unterscheidet sich die Nachrichtenlage bei AMD von den bereits mit konkreten Daten und Prozentsätzen beschriebenen Veränderungen bei Intel und Qualcomm.
Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung spielt der taiwanische Auftragsfertiger TSMC, der für zahlreiche Technologieunternehmen moderne Halbleiter produziert. Auch Intel nutzt für Teile seiner Prozessoren Fertigungskapazitäten des Unternehmens.
Bei bestimmten Panther-Lake-Modellen entsteht beispielsweise der Grafikbaustein im N3E-Verfahren von TSMC. Der eigentliche Rechenbaustein wird dagegen mit Intels eigener 18A-Technologie hergestellt. Die Kombination verschiedener Fertigungsprozesse macht die Herstellung moderner Prozessoren aufwendig.
Für 2027 rechnen Branchenanalysten mit weiteren Preissteigerungen bei TSMC. Nach Angaben der taiwanischen Nachrichtenagentur Central News Agency werden für fortschrittliche Fertigungsverfahren Aufschläge von fünf bis zehn Prozent erwartet. Bei modernen Verpackungs- und Verbindungstechnologien für Halbleiter liegen die Prognosen sogar zwischen zehn und 15 Prozent.
Diese Werte sind Analystenerwartungen und keine bestätigten neuen Preislisten von TSMC. Als Einflussfaktoren gelten unter anderem gestiegene Material- und Anlagenkosten sowie die hohe Nachfrage nach fortschrittlichen Chips für Anwendungen mit künstlicher Intelligenz.
Die möglichen höheren CPU-Einkaufspreise treffen auf einen Markt, in dem auch andere zentrale Computerkomponenten deutlich teurer geworden sind.
Nach einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens TrendForce machten Prozessoren, Arbeitsspeicher und SSDs bei einem Notebook der 900-Dollar-Klasse im dritten Quartal 2026 rund 68 Prozent der gesamten Materialkosten aus. Anfang 2025 hatte der entsprechende Anteil noch bei etwa 45 Prozent gelegen.
Die gestiegenen Kosten stellen Hersteller vor mehrere Möglichkeiten. Sie können ihre Verkaufspreise anheben, niedrigere Gewinnmargen akzeptieren oder die Ausstattung einzelner Geräte verändern. TrendForce sieht deshalb auch für 2027 Risiken für die Nachfrage nach neuen Notebooks.
Für Käufer neuer Desktop-PCs und Notebooks bedeutet die Entwicklung zunächst ein zusätzliches Preisrisiko. Werden höhere Einkaufskosten an den Handel weitergegeben, könnten einzelne Geräte teurer werden.
Wie stark dieser Effekt tatsächlich ausfällt, hängt jedoch von der jeweiligen Prozessorvariante, den bestehenden Lieferverträgen, den Lagerbeständen und der Preispolitik der Computerhersteller ab. Höhere CPU-Kosten führen deshalb nicht automatisch zu einer gleich hohen Verteuerung kompletter Rechner.
Ein genereller Preisanstieg um 20 Prozent für neue PCs ist bislang nicht belegt. Die Berichte zeigen jedoch, dass nach Arbeitsspeicher und SSDs auch bei weiteren wichtigen Computerkomponenten erhöhter Kostendruck besteht.
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