
Die deutschen Automarken gehören zu den großen Verlierern einer neuen internationalen Markenbewertung. Mercedes-Benz, BMW, Audi, Porsche und Volkswagen verlieren im Vergleich zum Vorjahr zwischen 17,5 und 23 Prozent ihres Markenwerts. Gleichzeitig ist die Entertainmentbranche im weltweiten Vergleich an der Automobilindustrie vorbeigezogen. Das geht aus dem am Mittwoch, 28. Oktober 2026, veröffentlichten Ranking der Markenberatung Interbrand hervor.
Besonders deutlich fällt der Rückgang bei Volkswagen aus. Der geschätzte Markenwert der Marke lag bei 11,6 Milliarden US-Dollar und damit 23 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Im weltweiten Ranking fiel Volkswagen von Platz 56 auf Platz 71 zurück.
Auch die beiden international besonders wertvollen deutschen Automarken verlieren erheblich. Der Markenwert von Mercedes-Benz lag bei 40,8 Milliarden US-Dollar, ein Rückgang um 18,6 Prozent. Die Marke rutschte von Rang zehn auf Rang 20 ab. BMW verlor 17,9 Prozent und landete mit einem Markenwert von 38,4 Milliarden US-Dollar auf Platz 22, nach Rang 14 im Vorjahr.
Für Audi ermittelte Interbrand einen Rückgang um 19,5 Prozent auf 12,4 Milliarden US-Dollar. Porsche verlor 17,5 Prozent und erreichte ebenfalls einen Markenwert von 12,4 Milliarden US-Dollar. Die beiden Marken belegen die Plätze 65 und 66.
Zusammengerechnet lag der geschätzte Markenwert dieser fünf deutschen Automarken bei 115,6 Milliarden US-Dollar. Im Vorjahr lag er noch bei 142,3 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Rückgang um rund 18,8 Prozent.
Die Entwicklung betrifft nicht ausschließlich deutsche Hersteller. Im Interbrand-Ranking 2026 verzeichnete die Automobilindustrie unter den untersuchten Branchen den stärksten Rückgang.
Toyota bleibt mit einem Markenwert von 59,5 Milliarden US-Dollar die weltweit wertvollste Automarke. Allerdings verlor der japanische Hersteller gegenüber 2025 rund 20 Prozent seines Markenwerts. Toyota belegt damit Platz neun der Gesamtrangliste.
Noch deutlicher fiel der Rückgang bei Tesla aus. Die US-amerikanische Elektroautomarke verlor 37,8 Prozent ihres Markenwerts und rutschte von Rang 25 auf Platz 50 ab. Ihr geschätzter Markenwert lag bei 18,3 Milliarden US-Dollar.
Nicht alle Automobilmarken entwickelten sich negativ. Hyundai verbesserte seinen Markenwert um 1,6 Prozent auf 25 Milliarden US-Dollar. Ferrari legte um 14,7 Prozent auf 17,7 Milliarden US-Dollar zu. Auch die chinesische Marke BYD verzeichnete einen Zuwachs von 4,5 Prozent auf 8,5 Milliarden US-Dollar.
Eine weitere Veränderung zeigt sich beim Vergleich der Branchen. Nach dem aggregierten Markenwert der im Ranking vertretenen Unternehmen liegt die Entertainmentbranche inzwischen vor der Automobilindustrie. Sie nimmt damit den zweiten Platz unter den Branchen ein.
Zu den Gewinnern zählen mehrere international erfolgreiche Digital- und Unterhaltungsmarken. YouTube steigerte seinen geschätzten Markenwert um 21,7 Prozent auf 58,9 Milliarden US-Dollar und erreichte damit Platz zehn.
Netflix verbesserte sich um ebenfalls 21,7 Prozent auf 34,1 Milliarden US-Dollar. Der Streaminganbieter belegt nun Rang 23. Besonders kräftig legte Spotify zu. Der Markenwert des Musikstreamingdienstes stieg um 37,8 Prozent auf 20,5 Milliarden US-Dollar. Spotify erreichte damit Platz 39.
Die Entwicklung verlief allerdings auch innerhalb der Entertainmentbranche unterschiedlich. Disney verlor 2,4 Prozent seines Markenwerts und landete mit 40,4 Milliarden US-Dollar auf Platz 21.
Auch der weltweite Aufstieg von Unternehmen rund um Künstliche Intelligenz schlägt sich im Ranking nieder. Besonders deutlich zeigt sich das bei Nvidia. Der US-amerikanische Chipentwickler steigerte seinen Markenwert um 71,5 Prozent auf 74 Milliarden US-Dollar und kletterte auf Platz sechs. Damit gehört Nvidia erstmals zu den zehn wertvollsten Marken der Interbrand-Liste.
An der Spitze bleibt Apple. Der geschätzte Markenwert lag bei 514,6 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 9,3 Prozent. Microsoft folgt mit 443,7 Milliarden US-Dollar auf Rang zwei. Google erreichte nach einem Zuwachs von 22,8 Prozent einen Markenwert von 389,3 Milliarden US-Dollar und liegt damit auf Platz drei. Amazon belegt Platz vier, Samsung Platz fünf.
Insgesamt stieg der geschätzte Markenwert der 100 untersuchten Unternehmen beziehungsweise Marken um 8,1 Prozent auf rund 3,87 Billionen US-Dollar. Die Entwicklung zeigt, dass die Verluste der Automobilhersteller mit deutlichen Zuwächsen anderer Branchen zusammenfallen.
Interbrand veröffentlicht seine Liste der weltweit wertvollsten Marken jährlich. Für die Bewertung berücksichtigt die Unternehmensberatung unter anderem die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der jeweiligen Markenprodukte und Dienstleistungen, den Einfluss der Marke auf Kaufentscheidungen sowie ihre Wettbewerbsstärke.
Die Bewertung enthält neben aktuellen Geschäftszahlen auch Erwartungen über die künftige wirtschaftliche Entwicklung. Der ausgewiesene Markenwert ist deshalb kein unmittelbar am Markt beobachtbarer Preis und nicht mit dem Börsenwert eines Unternehmens gleichzusetzen.
Ein Rückgang des Markenwerts um beispielsweise 20 Prozent bedeutet somit nicht, dass der Umsatz, der Gewinn oder der Unternehmenswert im gleichen Umfang gesunken ist.
Das Ranking verdeutlicht vielmehr, wie unterschiedlich sich die wirtschaftlich bewertete Stärke internationaler Marken entwickelt. Während zahlreiche traditionelle Automarken Einbußen hinnehmen müssen, steigern vor allem mehrere Technologie- und digitale Unterhaltungsmarken ihre Position.
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