
Die italienische Großbank Intesa Sanpaolo hat ein Übernahmeangebot für Banca Monte dei Paschi di Siena vorgelegt. Das Angebot hat ein Gesamtvolumen von rund 30,6 Milliarden Euro. Für jede Aktie von Monte dei Paschi bietet Intesa einen Euro in bar und 1,6 eigene Aktien. Damit greift Italiens größte Bank nach dem traditionsreichen Institut aus Siena, das in den vergangenen Jahren mehrfach im Mittelpunkt staatlicher Rettungsmaßnahmen stand.
Die Ankündigung verändert das Kräfteverhältnis im italienischen Bankenmarkt. Eine fusionierte Bank käme auf eine Marktkapitalisierung von rund 126 Milliarden Euro und würde damit in der Eurozone hinter der spanischen Santander auf Rang zwei vorrücken. Auch eine Konkurrenzbewegung von Banco BPM, das bereits Anteile an Monte dei Paschi hält, drängt nun in den Vordergrund.
Das Angebot von Intesa kombiniert eine Barzahlung mit einem Aktientausch. Damit setzt die Bank nicht allein auf Liquidität, sondern bindet die Aktionäre von Monte dei Paschi auch an die Entwicklung des fusionierten Instituts. Nach Darstellung von Intesa würde der neue Konzern auf eine Marktkapitalisierung von rund 126 Milliarden Euro kommen.
Für Intesa wäre die Übernahme ein weiterer Schritt, um die eigene Stellung im europäischen Bankensektor auszubauen. Der Zusammenschluss wäre einer der größten Bankendeals in Italien seit der Entstehung von Intesa Sanpaolo selbst. Der Vollzug hängt jedoch nicht allein von der Zustimmung der Aktionäre ab. Auch aufsichtsrechtliche und wettbewerbsrechtliche Hürden spielen eine zentrale Rolle.
Der Vorstoß von Intesa folgt auf eine konkurrierende Bewegung von Banco BPM. Die Bank hatte zuvor angekündigt, Monte dei Paschi Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss vorzuschlagen. Konkrete Angebotsbedingungen wurden dabei zunächst nicht genannt. Eine Kombination aus Banco BPM und Monte dei Paschi käme auf einen deutlich geringeren Börsenwert als das von Intesa angestrebte Institut, hätte aber ebenfalls erhebliches Gewicht im italienischen Markt.
Banco BPM hält bereits einen Anteil an Monte dei Paschi. Damit ist das Institut nicht nur ein außenstehender Interessent, sondern bereits als Aktionär mit dem Haus aus Siena verbunden. Ob Monte dei Paschi auf Gespräche mit Banco BPM setzt oder das Angebot von Intesa bevorzugt behandelt, war zunächst nicht endgültig entschieden.
Intesa Sanpaolo hat zugleich Schritte vorgesehen, um mögliche Bedenken der Wettbewerbshüter zu begrenzen. Im Fall einer erfolgreichen Übernahme sollen Teile des Geschäfts von Monte dei Paschi weitergegeben werden. Dazu zählen nach bisherigen Angaben 635 Filialen sowie die Marke Monte dei Paschi. Käufer wäre ein Verbund um den Versicherer Unipol und BPER Banca.
Diese Konstruktion soll verhindern, dass Intesa im italienischen Privatkundengeschäft zu stark wird. Zugleich bliebe die Marke Monte dei Paschi als sichtbarer Name im Markt erhalten. Für die Behörden dürfte entscheidend sein, ob die geplanten Abgaben ausreichen, um Wettbewerb in den betroffenen Regionen zu sichern.
An der Börse sorgte das Angebot für deutliche Bewegungen. Die Aktie von Monte dei Paschi legte nach Bekanntwerden des Vorstoßes kräftig zu. Die Intesa-Aktie geriet dagegen unter Druck. Solche Reaktionen sind bei großen Übernahmeangeboten nicht ungewöhnlich. Aktionäre des Zielunternehmens bewerten häufig den gebotenen Aufschlag, während Investoren des Käufers die Kosten, Integrationsrisiken und regulatorischen Auflagen einpreisen.
Die genauen prozentualen Ausschläge unterschieden sich je nach Handelszeitpunkt und Datenquelle. Belastbar ist jedoch die Richtung: Monte dei Paschi profitierte deutlich von der Übernahmefantasie, Intesa wurde nach der Ankündigung zunächst schwächer gehandelt.
Der Fall Monte dei Paschi steht für eine breitere Neuordnung im italienischen Bankensektor. In den vergangenen Jahren gab es mehrere Übernahmeversuche und Zusammenschlüsse. Dazu gehörten Schritte von UniCredit, BPER, Banco BPM und Monte dei Paschi selbst. Hintergrund ist ein Markt, in dem größere Institute Skaleneffekte, höhere Profitabilität und stärkere Positionen im Vermögensgeschäft anstreben.
International ist der Vorgang deshalb bedeutsam, weil Italien damit eine Bankengruppe hervorbringen könnte, die auch im europäischen Vergleich zur Spitzengruppe zählt. Der mögliche Zusammenschluss würde nicht nur das italienische Filialgeschäft betreffen, sondern auch Vermögensverwaltung, Firmenkundengeschäft und Beteiligungen an wichtigen Finanzinstituten.
Bis zu einem Vollzug bleiben mehrere Schritte offen. Intesa benötigt unter anderem die aktienrechtliche Grundlage für neue Aktien, die im Rahmen des Angebots ausgegeben werden sollen. Dafür ist eine außerordentliche Hauptversammlung vorgesehen. Zudem müssen die Aktionäre von Monte dei Paschi entscheiden, ob sie das Angebot annehmen.
Offen blieb zunächst, ob Banco BPM sein Interesse konkretisiert und ein formelles Gegenangebot vorlegt. Eine unabhängige Bestätigung für verbindliche Angebotsbedingungen von Banco BPM lag zunächst nicht vor. Damit liegt vorerst das konkrete Angebot von Intesa Sanpaolo auf dem Tisch. Es könnte Italiens Bankenlandschaft grundlegend verändern.
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