Holocaust-Überlebende Irene Butter stirbt mit 95 Jahren

12-Jähriger stirbt nach schwerem Unfall in Bünde
Symbolfoto

Teilen:

Die Holocaust-Überlebende und Friedensaktivistin Irene Butter ist tot. Die gebürtige Berlinerin starb am Freitag, 2. Oktober 2026, im Alter von 95 Jahren in den USA. Sie sei im Kreis ihrer Familie und ihrer Freunde gestorben, bestätigte ihre Agentin Mary Bisbee-Beek dem NDR. Angaben zu einer Todesursache wurden zunächst nicht bekannt.

Butter gehörte zu den Zeitzeuginnen der nationalsozialistischen Judenverfolgung, die ihre persönlichen Erfahrungen über Jahrzehnte an Schülerinnen und Schüler weitergaben. Als Jugendliche überlebte sie das Durchgangslager Westerbork und das Konzentrationslager Bergen-Belsen. Später arbeitete sie als Wissenschaftlerin an der University of Michigan und engagierte sich für Holocaust-Bildung, Menschenrechte und jüdisch-arabischen Dialog.

Von Berlin über Amsterdam nach Bergen-Belsen

Irene Butter wurde am 11. Dezember 1930 als Irene Hasenberg in Berlin geboren. Ihre Familie verließ Deutschland 1937 und ging nach Amsterdam. Dort lebten die Hasenbergs in einem Viertel, in dem auch die Familie von Anne Frank wohnte.

Nach der deutschen Besetzung der Niederlande verschärfte sich die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Irene Butter wurde von ihrer Schule ausgeschlossen, für jüdische Menschen galten immer mehr Verbote und Einschränkungen. 1943 wurde die Familie in das Durchgangslager Westerbork deportiert.

Butters Vater hatte sich zuvor um ecuadorianische Dokumente für seine Familie bemüht. Sie sollten die Möglichkeit eröffnen, als ausländische Staatsangehörige für einen Gefangenenaustausch infrage zu kommen. Dennoch wurde die Familie zunächst nach Bergen-Belsen gebracht.

Dort war Irene Butter zeitweise gleichzeitig mit Anne Frank inhaftiert. Die beiden kannten sich bereits aus Amsterdam. Butter berichtete später, Anne Frank in Bergen-Belsen noch einmal begegnet zu sein.

Der Vater überlebte die Befreiung nicht

Anfang 1945 konnte die Familie Bergen-Belsen im Rahmen eines Austauschs verlassen. Butters Vater John Hasenberg war durch Haft, Misshandlungen und die Lebensbedingungen im Konzentrationslager schwer geschwächt. Er starb kurz nach der Abreise aus dem Lager.

In der Schweiz wurden Irene Butter, ihre Mutter Gertrude und ihr Bruder Werner getrennt. Mutter und Bruder mussten medizinisch behandelt werden, während Irene allein weiterreiste. Über ein Flüchtlingslager in Algerien gelangte sie Ende 1945 im Alter von 15 Jahren in die Vereinigten Staaten. Einige Monate später wurde sie dort wieder mit ihrer Mutter und ihrem Bruder vereint.

In den USA besuchte Butter zunächst die Schule und studierte anschließend. Sie promovierte in Wirtschaftswissenschaften an der Duke University. 1962 wechselte sie mit ihrem Mann Charles Butter nach Ann Arbor zur University of Michigan. Dort lehrte sie bis 1996 im Bereich Health Management and Policy der School of Public Health.

Jahrzehntelang schwieg Irene Butter über den Holocaust

Nach ihrer Ankunft in den Vereinigten Staaten sprach Butter lange kaum öffentlich über das Erlebte. Angehörige hatten ihr nach dem Krieg geraten, die Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Erst Jahrzehnte später begann sie, ihre Geschichte vor größerem Publikum zu erzählen. Einen wichtigen Anstoß gab nach ihren eigenen Erinnerungen zunächst ein Schulprojekt ihrer Tochter. Später nahm sie an einer Veranstaltung über Anne Frank teil. Butter beschrieb diese Erfahrung als entscheidenden Moment für ihre Arbeit als Zeitzeugin.

Fortan besuchte sie Schulen, Universitäten und Gedenkveranstaltungen und berichtete von ihrer Kindheit unter dem Nationalsozialismus, von Deportation und Konzentrationslager. Auch im hohen Alter setzte sie diese Arbeit fort. Noch 2025 reiste sie nach Deutschland und nahm an Veranstaltungen zum 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen teil.

Ihre Erinnerungen erschienen unter anderem in dem Buch „Shores Beyond Shores: From Holocaust to Hope“. Die deutschsprachige Ausgabe trägt den Titel „Wir hatten Glück, noch am Leben zu sein. Entkommen aus Bergen-Belsen“.

Einsatz für Verständigung und Menschenrechte

Butters Engagement ging über die Erinnerung an den Holocaust hinaus. An der University of Michigan gehörte sie zu den Mitbegründerinnen der Raoul Wallenberg Medal and Lecture. Das Programm erinnert an den schwedischen Diplomaten und früheren Michigan-Studenten Raoul Wallenberg, der während des Holocaust Tausenden verfolgten Juden in Ungarn half.

In Ann Arbor gründete Butter außerdem die Dialoggruppe Zeitouna mit. Dort kamen jüdische und palästinensische Frauen zusammen, um trotz politischer und gesellschaftlicher Konflikte miteinander im Gespräch zu bleiben.

Für ihr Engagement erhielt Butter mehrere Auszeichnungen. Im Juni 2024 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen. 2025 erhielt sie den Anne Frank Award for Human Dignity and Tolerance der niederländischen Botschaft in Washington. Mit der Auszeichnung wurde ihr langjähriger Einsatz gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung gewürdigt.

Bis ins hohe Alter trat Irene Butter öffentlich auf und sprach insbesondere mit jungen Menschen. Ihre eigene Überlebensgeschichte verband sie dabei mit dem Appell, bei Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit nicht wegzusehen. Nun ist die Berliner Jüdin, Wissenschaftlerin, Holocaust-Zeitzeugin und Friedensaktivistin im Alter von 95 Jahren in den Vereinigten Staaten gestorben.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu