Der IT-Boom ist vorbei: Für Berufseinsteiger wird der Jobmarkt enger

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Grzegorz Walczak

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Der deutsche Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte hat sich innerhalb weniger Jahre deutlich verändert. Nach einer Phase mit hoher Nachfrage schreiben Unternehmen weniger Stellen aus, zugleich steigt die Zahl arbeitslos gemeldeter IT-Fachkräfte. Besonders deutlich zeigt sich die Verschiebung bei Berufseinsteigern. Für erfahrene Spezialisten und einzelne gefragte Kompetenzfelder sieht die Lage dagegen günstiger aus.

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Damit ergibt sich beim IT-Arbeitsmarkt Deutschland 2026 ein widersprüchliches Bild. Der oft beschriebene Fachkräftemangel ist nicht vollständig verschwunden. Gleichzeitig können Bewerber nicht mehr davon ausgehen, bereits mit einer allgemeinen IT-Qualifikation zahlreiche Stellenangebote zur Auswahl zu haben.

Arbeitsagentur registriert deutlich weniger offene IT-Stellen

Die Bundesagentur für Arbeit verzeichnete 2025 im Jahresdurchschnitt rund 13.000 gemeldete Stellenangebote für Fachkräfte in Informations- und Kommunikationstechnologie. Das waren 22 Prozent weniger als ein Jahr zuvor und der niedrigste Bestand seit 2015. Im Laufe des Jahres wurden rund 39.000 neue Stellen gemeldet, elf Prozent weniger als 2024.

Gleichzeitig stieg die Zahl der arbeitslos gemeldeten IKT-Fachkräfte. Im Jahresdurchschnitt 2025 waren es rund 54.000 Menschen und damit etwa 27 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote erreichte 4,5 Prozent. Bei hochqualifizierten IKT-Experten lag sie mit 3,5 Prozent weiterhin niedriger.

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Auch im laufenden Jahr zeigt sich die Nachfrage schwach. Der Hays Fachkräfte Index für IT fiel im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem ersten Quartal deutlich. Besonders IT-Beratung, Entwicklung und IT-Sicherheit verzeichneten in dieser Erhebung Rückgänge. Die Entwicklung fällt allerdings je nach Tätigkeit erheblich unterschiedlich aus.

Die 40-Prozent-Marke braucht einen Vergleichsmaßstab

Von einem pauschalen Rückgang sämtlicher IT-Stellen um genau 40 Prozent kann nicht gesprochen werden. Die Größenordnung taucht vor allem bei bestimmten Berufsfeldern, Erfahrungsstufen und längeren Vergleichszeiträumen auf.

Daten der Jobplattform Indeed zeigen beispielsweise, dass die Zahl der ausgeschriebenen Stellen in der Softwareentwicklung in Deutschland gegenüber 2020 um rund 37 Prozent zurückging. Noch wesentlich stärker betroffen sind Juniorpositionen. Bei Stellen für Junior-Softwareentwickler lag das Angebot 54 Prozent unter dem Niveau von 2020. Bei Seniorpositionen betrug der Rückgang lediglich 15 Prozent.

Auch in IT-Infrastruktur und Support gingen Juniorausschreibungen gegenüber 2020 um mehr als 40 Prozent zurück. Stellen für erfahrene Kräfte entwickelten sich dort dagegen deutlich besser. Der Arbeitsmarkt verschiebt sich damit nicht nur mengenmäßig, sondern auch nach Berufserfahrung.

Berufseinsteiger spüren die Abkühlung besonders deutlich

Die Entwicklung beschränkt sich nicht auf die IT. Stepstone stellte bereits für das erste Quartal 2025 fest, dass der Anteil ausgeschriebener Einstiegsstellen über alle untersuchten Bereiche 45 Prozent unter dem Durchschnitt der vorhergehenden fünf Jahre lag.

Für junge Informatiker trifft diese allgemeine Entwicklung auf eine zusätzliche Veränderung innerhalb der Technologieberufe. Unternehmen suchen häufiger Bewerber, die bereits Berufserfahrung oder spezialisierte Kenntnisse mitbringen. Gerade klassische Junioraufgaben stehen deshalb stärker unter Druck.

Aus den Daten lässt sich allerdings nicht ableiten, dass künstliche Intelligenz allein für diese Entwicklung verantwortlich ist. Der Rückgang setzte teilweise bereits vor der breiten Einführung generativer KI ein. Hinzu kommen die schwache Konjunktur, geringere Investitionen und eine Normalisierung nach den außergewöhnlich starken Einstellungsjahren der Digitalisierungsphase.

Auch die Deutsche Industrie- und Handelskammer verweist auf die Konjunkturschwäche und zurückgestellte Investitionen. Daneben könnten stärker spezialisierte Anforderungen und die Automatisierung standardisierter Tätigkeiten eine Rolle spielen.

Gute IT-Gehälter verschwinden nicht mit der Jobflaute

Die schwächere Nachfrage bedeutet zugleich nicht, dass die Gehälter in der Technologiebranche generell niedrig geworden wären. Der Stepstone Gehaltsreport 2026 basiert auf mehr als 1,3 Millionen Vergütungsdatensätzen. Das Mediangehalt aller untersuchten Vollzeitbeschäftigten in Deutschland liegt demnach bei 53.900 Euro brutto im Jahr.

Innerhalb der IT unterscheiden sich die Werte erheblich nach Tätigkeit und Spezialisierung. Stepstone nennt für Softwareentwickler aktuell ein Mediangehalt von rund 51.200 Euro brutto im Jahr und ein Einstiegsgehalt von etwa 48.000 Euro. Bei spezialisierten Tätigkeiten kann der Berufseinstieg deutlich höher vergütet werden. Im Gehaltsreport werden beispielsweise Cloud Architects mit 67.500 Euro und Machine Learning Engineers mit 66.500 Euro unter den Berufen mit besonders hohen Einstiegsgehältern geführt.

Diese Zahlen sind Orientierungswerte. Region, Unternehmensgröße, Abschluss, Berufserfahrung und konkrete Aufgaben können das tatsächliche Gehalt erheblich verändern.

Fachkräftemangel und schwacher Stellenmarkt bestehen gleichzeitig

Dass weniger Stellen ausgeschrieben werden, bedeutet auch nicht, dass der langfristige Bedarf an IT-Kompetenz verschwunden ist. Der Branchenverband Bitkom bezifferte die Zahl unbesetzter IT-Stellen für 2025 auf rund 109.000. Diese Zahl stammt aus einer Unternehmensbefragung und ist deshalb nicht unmittelbar mit den gemeldeten offenen Stellen der Bundesagentur für Arbeit vergleichbar.

Die unterschiedlichen Kennzahlen machen deutlich, wie stark sich der Markt ausdifferenziert hat. Unternehmen können zugleich Schwierigkeiten haben, erfahrene Spezialisten zu finden, während Absolventen für allgemeiner ausgerichtete Einstiegsstellen deutlich mehr Konkurrenz erleben.

Ein ähnliches Muster war bereits international zu beobachten. Indeed stellte für den US-Technologiesektor zwischen 2020 und Anfang 2025 einen wesentlich stärkeren Rückgang bei Juniorstellen als bei Positionen für erfahrene Fachkräfte fest.

Für Berufseinsteiger verändert sich deshalb vor allem die Ausgangslage. Ein Informatikabschluss oder eine IT-Ausbildung bleibt eine gefragte Qualifikation, garantiert aber nicht mehr den schnellen Einstieg, der während des vorherigen Beschäftigungsbooms vielfach möglich war. Größere Bedeutung gewinnen praktische Erfahrung, Spezialisierung und Kenntnisse in Bereichen, in denen Unternehmen weiterhin konkret investieren.

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