
Der jahrelang besonders aufnahmefähige Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte in Deutschland hat sich spürbar abgekühlt. Unternehmen schreiben deutlich weniger Stellen aus, die Arbeitslosigkeit in den einschlägigen Berufen ist gestiegen und bei einzelnen hochqualifizierten Tätigkeiten ist die Nachfrage besonders stark zurückgegangen. Dennoch ist von einem Ende des Fachkräftemangels keine Rede. Mehr als eine Million Menschen arbeiten inzwischen sozialversicherungspflichtig in Informations- und Kommunikationstechnik-Berufen, und gut qualifizierte Spezialisten bleiben vergleichsweise selten arbeitslos.
Der Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte in Deutschland 2026 ist damit von zwei gegenläufigen Entwicklungen geprägt. Die schwache Konjunktur bremst Einstellungen und Investitionen. Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz erhöhen gleichzeitig die Anforderungen an Beschäftigte und schaffen Bedarf an spezialisierten Kompetenzen.
Eine pauschale Aussage, wonach rund 40 Prozent aller ausgeschriebenen IT-Stellen verschwunden seien, lässt sich durch die verfügbaren Gesamtmarktdaten nicht belegen. Die Bundesagentur für Arbeit hatte 2025 im Jahresdurchschnitt rund 13.000 gemeldete Stellen für IKT-Fachkräfte im Bestand. Das waren 22 Prozent weniger als 2024 und so wenige wie seit 2015 nicht mehr. Bei den neu gemeldeten Stellen wurden im Gesamtjahr rund 39.000 Angebote registriert, elf Prozent weniger als im Vorjahr.
Andere Erhebungen zeigen für bestimmte Berufsgruppen deutlich stärkere Einbrüche. Das Institut der deutschen Wirtschaft hatte bereits für 2024 festgestellt, dass die durchschnittliche Zahl offener Stellen in 37 untersuchten IT-Berufen gegenüber 2023 um 26,2 Prozent auf 46.431 gesunken war. Bei Stellen für IT-Experten betrug das Minus 33,7 Prozent. Besonders stark gingen Angebote für Experten der Informatik mit 46,2 Prozent und der Wirtschaftsinformatik mit 38,2 Prozent zurück.
Dieser Trend setzte sich anschließend fort. Im vierten Quartal 2025 registrierte der vom Institut der deutschen Wirtschaft erstellte Ingenieurmonitor bei Informatikberufen 33 Prozent weniger offene Stellen als ein Jahr zuvor. Im dritten Quartal hatte der Rückgang sogar 37,7 Prozent betragen. Die häufig genannte Größenordnung von rund 40 Prozent trifft damit auf einzelne Zeiträume oder Berufsgruppen zu, nicht jedoch auf den gesamten deutschen IT-Arbeitsmarkt.
Eine zentrale Ursache ist die wirtschaftliche Schwäche in Deutschland. Das Institut der deutschen Wirtschaft führt den Rückgang unter anderem auf geringere Investitionsbudgets und verschobene Innovationsprojekte zurück. Werden größere Digitalisierungsprojekte nicht begonnen oder später umgesetzt, sinkt auch der kurzfristige Personalbedarf.
Das zeigt sich besonders in industrieabhängigen Bereichen. Für 2024 ermittelte das IW bei qualifizierten IT-Stellen in der Automobilbranche einen Rückgang um 36,8 Prozent. Auch IT-Dienstleister verzeichneten eine deutlich geringere Nachfrage. Der aktuelle Ingenieurmonitor weist zudem auf besonders ausgeprägte Stellenrückgänge in Bayern und Baden-Württemberg hin, wo der Fahrzeugbau einen hohen wirtschaftlichen Stellenwert besitzt.
Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Stellenabbau und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz ist dagegen bislang nicht belegt. Die Bundesagentur beschreibt KI vielmehr als Teil eines Strukturwandels, der Qualifikationsanforderungen verändert. Unternehmen benötigen zunehmend Beschäftigte auf Spezialisten- und Expertenniveau. Von den rund 39.000 neu gemeldeten IKT-Stellen im Jahr 2025 richteten sich mehr als 40 Prozent an Experten und etwa jede dritte an Spezialisten.
Die Abkühlung zeigt sich inzwischen auch bei der Arbeitslosigkeit. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit stieg die berufsspezifische Arbeitslosenquote in IKT-Berufen 2025 von 3,7 auf 4,5 Prozent. Bei hochqualifizierten Experten lag sie mit 3,5 Prozent niedriger.
Gleichzeitig wuchs die Beschäftigung weiter. 2025 waren rund 1,15 Millionen IKT-Fachkräfte sozialversicherungspflichtig beschäftigt, zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Das macht deutlich, dass weniger Stellenanzeigen nicht automatisch einen schrumpfenden IT-Arbeitsmarkt bedeuten. Vielmehr werden Neueinstellungen selektiver, während Unternehmen vorhandene Beschäftigte weiter einsetzen und stärker nach spezialisierten Qualifikationen suchen.
Auch die frühere Engpasslage hat sich verändert. Die Bundesagentur stellte für 2025 bei Softwareentwicklung keinen allgemeinen Fachkräfteengpass mehr fest. In einigen Spezialistenberufen bestanden jedoch weiterhin Besetzungsprobleme, weitere IT-Berufe standen unter Beobachtung.
Trotz der schwächeren Stellennachfrage bleibt das Gehaltsniveau in der Informationstechnologie hoch. Der Stepstone-Gehaltsreport 2026 weist für IT-Berufe ein Bruttomediangehalt von 66.750 Euro im Jahr aus. Über sämtliche untersuchten Berufsgruppen hinweg beträgt der Median 53.900 Euro. Grundlage des Reports sind rund 1,33 Millionen Vergütungsdaten. Die ausgewiesenen Werte beziehen sich auf das Gehaltsniveau des Jahres 2025 bei Vollzeitbeschäftigung.
Das Einkommen hängt erheblich von Berufserfahrung und Tätigkeit ab. Laut Stepstone liegt das Medianentgelt in der IT bei weniger als einem Jahr Berufserfahrung bei 53.000 Euro. Bei sechs bis zehn Jahren sind es 70.500 Euro, bei mehr als 25 Jahren 83.250 Euro. Für Softwareentwickler weist der Report beispielsweise 65.250 Euro aus.
Der Vergleich mit dem Gehaltsreport 2025 ist allerdings nur eingeschränkt möglich. Damals hatte Stepstone für die Berufsgruppe IT einen Median von 58.000 Euro ausgewiesen. Für den Report 2026 wurde die Methodik verändert und die Klassifikation der Berufe neu ausgerichtet. Aus dem rechnerischen Unterschied zwischen 58.000 und 66.750 Euro lässt sich deshalb kein entsprechender tatsächlicher Gehaltssprung innerhalb eines Jahres ableiten.
Die aktuellen Zahlen sprechen deshalb eher für eine Verschiebung als für einen grundlegenden Bedeutungsverlust von IT-Berufen. Routineprofile und allgemein gehaltene Stellenangebote treffen auf einen schwierigeren Markt, während Unternehmen stärker nach Spezialisten und Experten suchen. Gleichzeitig verändern Cloud-Technologien, Cybersecurity, Datenverarbeitung, Automatisierung und KI die benötigten Kompetenzen.
Auch ausländische Fachkräfte spielen dabei eine wachsende Rolle. Ihre Zahl in sozialversicherungspflichtigen IKT-Berufen hat sich nach Angaben der Bundesagentur seit 2015 mehr als verdreifacht und erreichte 2025 mit 171.000 einen neuen Höchststand.
Damit bleibt der deutsche IT-Arbeitsmarkt groß, aber deutlich selektiver als in den Jahren besonders hoher Nachfrage. Für Bewerber bedeutet das mehr Konkurrenz um manche Positionen. Unternehmen wiederum suchen weniger breit, dafür stärker nach konkreten Kompetenzen und höherem Qualifikationsniveau.
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