
Der Börsengang von Jio Platforms sorgt in Indien für eine außergewöhnlich hohe Nachfrage. Am Freitag, 23. Oktober 2026, endet die Zeichnungsfrist für die Aktien der Digitalsparte des Reliance-Konzerns. Bereits am Freitagmorgen war das öffentlich angebotene Aktienkontingent mehr als sechsfach überzeichnet. Das Unternehmen will mit dem Börsengang bis zu 302 Milliarden indische Rupien einnehmen, umgerechnet rund 3,2 Milliarden US-Dollar. Gemessen am Emissionsvolumen in Rupien handelt es sich um den bislang größten Börsengang Indiens.
Die öffentliche Zeichnungsfrist begann am 21. Oktober. Schon am ersten Tag war die Emission innerhalb von etwa zwei Stunden vollständig gezeichnet. Bis zum Donnerstagabend erreichte die Nachfrage das 5,57-Fache der angebotenen Aktien. Institutionelle Investoren hatten ihre vorgesehene Quote zu diesem Zeitpunkt bereits 13,29-fach gezeichnet. Bei Privatanlegern lag die Quote beim 1,54-Fachen. Am Freitagmorgen stieg die gesamte Überzeichnung auf mehr als das Sechsfache.
Reliance Jio gibt für den Börsengang bis zu 270 Millionen neue Aktien aus. Die Preisspanne liegt zwischen 1.065 und 1.119 Rupien je Anteilsschein. Bei vollständiger Platzierung zum Höchstpreis ergibt sich ein Emissionsvolumen von rund 3,2 Milliarden Dollar. Die daraus abgeleitete Unternehmensbewertung erreicht bis zu 108,3 Milliarden Dollar. Der endgültige Ausgabepreis stand zunächst noch nicht fest.
Bereits vor Beginn der öffentlichen Zeichnung sicherte sich Jio Platforms umfangreiche Zusagen institutioneller Investoren. Am 19. Oktober wurden rund 72,5 Millionen Aktien im Wert von umgerechnet etwa 854 Millionen Dollar an sogenannte Ankerinvestoren vergeben. Zu ihnen gehören unter anderem BlackRock, Fidelity, die Abu Dhabi Investment Authority und der indische Versicherungskonzern Life Insurance Corporation of India.
Auch unter den bisherigen Anteilseignern befinden sich internationale Konzerne. Vor dem Börsengang hielt Reliance Industries laut Emissionsprospekt rund 66,43 Prozent der Aktien. Eine Tochtergesellschaft des Facebook-Mutterkonzerns Meta war mit 9,98 Prozent beteiligt, Google International mit 7,73 Prozent. Zu den weiteren Investoren gehören der saudi-arabische Staatsfonds sowie internationale Beteiligungsgesellschaften. Durch die Ausgabe zusätzlicher Aktien werden sich die prozentualen Beteiligungsverhältnisse verändern.
Jio Platforms gehört zu den wichtigsten Unternehmen der indischen Digitalwirtschaft. Über die Tochtergesellschaft Reliance Jio Infocomm betreibt der Konzern ein landesweites Mobilfunknetz und bietet Breitbandanschlüsse an. Hinzu kommen Streamingangebote, Cloud-Dienste und Anwendungen mit künstlicher Intelligenz. Zum 30. Juni 2026 versorgte die Mobilfunktochter nach Unternehmensangaben rund 533,3 Millionen Kunden in Indien.
Auch wirtschaftlich verfügt der Konzern über eine erhebliche Größenordnung. Im Geschäftsjahr bis Ende März 2026 erreichte Jio Platforms einen konsolidierten Umsatz von rund 1,47 Billionen Rupien. Der Jahresüberschuss lag bei rund 300 Milliarden Rupien. Den überwiegenden Teil der Einnahmen erwirtschaftet weiterhin das Telekommunikationsgeschäft.
Anders als bei einem Verkauf bestehender Aktien fließt das Geld aus der Emission unmittelbar dem Unternehmen zu. Jio Platforms plant, bis zu 275 Milliarden Rupien aus dem Nettoerlös für die vollständige oder teilweise vorzeitige Rückzahlung von Verbindlichkeiten der Telekommunikationstochter Reliance Jio Infocomm einzusetzen. Weitere Mittel sind für allgemeine Unternehmenszwecke vorgesehen.
Für Reliance Industries unter der Führung des indischen Unternehmers Mukesh Ambani ist die Platzierung zugleich ein wichtiger Schritt zur eigenständigen Börsennotierung des Digitalgeschäfts. Der Konzern ist außerdem in der Energiebranche, im Handel und weiteren Wirtschaftsbereichen tätig. Jio Platforms wird von Akash Ambani geführt.
Der erste Handelstag der Jio-Aktien an den indischen Börsen NSE und BSE ist für Mittwoch, 28. Oktober 2026, vorgesehen. Dann wird sich zeigen, wie der Markt das Unternehmen nach Abschluss der Emission bewertet. Trotz der starken Zeichnungsnachfrage ist die spätere Kursentwicklung offen.
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