
Der FC Augsburg stellt sich nach rassistischen Beleidigungen und Todesdrohungen gegen seinen Verteidiger Juma Bah entschieden hinter den 20-Jährigen. Auch Angehörige des Nationalspielers aus Sierra Leone sollen bedroht worden sein. Trainer Manuel Baum setzt auf die Unterstützung innerhalb der Mannschaft und plant weiterhin mit Bah für das DFB-Pokalspiel am Dienstag gegen die SG Sonnenhof Großaspach. Gleichzeitig hat das DFB-Sportgericht den Abwehrspieler nach seinem Platzverweis gegen Union Berlin für zwei Bundesligaspiele gesperrt.
Auslöser der Ereignisse war das Bundesliga-Heimspiel des FC Augsburg gegen den 1. FC Union Berlin am Samstag, 24. Oktober 2026. Bah hatte in der 63. Minute nach einem groben Foulspiel die Rote Karte gesehen. Die Begegnung endete 1:1. Noch am selben Abend machte der FC Augsburg öffentlich, dass der Verteidiger anschließend auf Instagram rassistisch beleidigt und mit dem Tod bedroht worden sei.
Nach Darstellung des Bundesligisten richteten sich weitere Drohungen gegen Bahs Familie. Der Verein veröffentlichte um 21 Uhr eine deutliche Stellungnahme, verurteilte die Anfeindungen und erklärte seine Solidarität mit dem Spieler.
Unter dem Leitsatz „Wir schauen nicht weg“ machte der FCA deutlich, dass rassistische Angriffe und Einschüchterungen nicht toleriert würden. Zugleich kündigte der Klub an, den Vorfall zur Anzeige zu bringen und zusätzliche rechtliche Schritte zu prüfen.
Ob die angekündigte Strafanzeige inzwischen tatsächlich erstattet wurde, blieb zunächst unklar. Auch zu möglichen Ermittlungen von Polizei oder Staatsanwaltschaft lagen zunächst keine gesicherten Angaben vor. Wer hinter den Anfeindungen steckt, war ebenfalls nicht bekannt.
Unterstützung erhielt Bah auch über den eigenen Verein hinaus. Union Berlin verbreitete die Stellungnahme des FCA über seine sozialen Netzwerke und unterstützte die Position des Klubs. Augsburgs Mannschaftskapitän Jeffrey Gouweleeuw stellte sich ebenfalls öffentlich gegen Rassismus und veröffentlichte dazu ein Bild seines Mitspielers.
Am Montag, 26. Oktober, äußerte sich Augsburgs Trainer Manuel Baum auf der Pressekonferenz vor dem Pokalspiel ausführlicher zu der Situation. Bereits am Sonntag hatten sich Verantwortliche und Mannschaft mit den Vorfällen beschäftigt.
Nach Baums Schilderung sprach Sportdirektor Benni Weber in der Kabine über den Umgang mit den Anfeindungen. Die Botschaft sei gewesen, dass die Verantwortlichen und Spieler zusammenhalten und rassistische Angriffe nicht ignorieren würden.
Besonders positiv bewertete Baum die Reaktion des 20-Jährigen. Bah habe bei der gemeinsamen Besprechung gelächelt, weil er den Rückhalt innerhalb des Vereins wahrgenommen habe. Der Trainer beschrieb den Innenverteidiger zudem als mental stabil.
Baum hofft, dass die Solidarität dem jungen Fußballer zusätzliche Sicherheit geben könnte. Er kündigte allerdings auch an, persönlich mit Bah sprechen zu wollen, um dessen Situation genauer einzuschätzen.
Sportliche Konsequenzen in Form eines freiwilligen Verzichts auf den Verteidiger plant der Trainer zunächst nicht. Nach Angaben des Sport-Informations-Dienstes erklärte Baum, dass er nicht zögern werde, Bah im Pokal einzusetzen. Eine endgültige Entscheidung über die Startaufstellung war damit noch nicht verbunden.
Sportrechtlich hat der Platzverweis gegen Union Berlin bereits konkrete Folgen. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes verhängte am Montag eine Sperre von zwei Meisterschaftsspielen der Lizenzligen.
Das Urteil erging wegen eines rohen Spiels gegen den Gegner und ist nach Angaben des DFB rechtskräftig. Bah darf damit in den kommenden beiden Bundesligapartien nicht eingesetzt werden.
Das Pokalspiel gegen Großaspach ist von dieser Sperre jedoch nicht betroffen. Der Verteidiger steht seinem Trainer für die Begegnung am Dienstag grundsätzlich zur Verfügung.
Damit ist ein Einsatz von Juma Bah im DFB-Pokal trotz der Sperre möglich. Die sportrechtliche Sanktion betrifft ausschließlich sein Verhalten während des Spiels gegen Union Berlin und steht nicht mit den anschließenden rassistischen Anfeindungen in Zusammenhang.
Juma Bah wurde am 11. April 2006 in Freetown in Sierra Leone geboren. Der 1,95 Meter große Innenverteidiger ist Nationalspieler seines Heimatlandes und zählt zu den jüngeren Spielern im Augsburger Aufgebot.
Seine bisherige Karriere führte ihn über Real Valladolid in Spanien zu Manchester City. Der englische Klub verpflichtete ihn im Januar 2025. Anschließend sammelte Bah über Leihgeschäfte Spielpraxis bei den französischen Erstligisten RC Lens und OGC Nizza.
In der Saison 2025/26 absolvierte er für Nizza insgesamt 41 Pflichtspiele, davon 26 in der Ligue 1. In der französischen Meisterschaft blieb er ohne Tor und ohne Vorlage.
Zum 1. September 2026 wechselte Bah auf Leihbasis zum FC Augsburg. Der Vertrag umfasst die Saison 2026/27 und beinhaltet eine Kaufoption. Über deren finanzielle Bedingungen sowie weitere Vertragsdetails vereinbarten die beteiligten Klubs Stillschweigen.
In der laufenden Bundesligasaison stand Bah bis einschließlich 24. Oktober dreimal auf dem Platz. Seine Einsätze absolvierte er gegen Bayern München, die SV Elversberg und Union Berlin. Ein Tor oder eine Vorlage gelang ihm dabei nicht.
Für Augsburg ist der Verteidiger auch wegen seiner internationalen Erfahrung interessant. Bereits vor seinem Wechsel in die Bundesliga hatte er in der spanischen und französischen höchsten Spielklasse gespielt und internationale Vereinswettbewerbe kennengelernt.
Das Pokalspiel gegen die SG Sonnenhof Großaspach findet am Dienstag, 27. Oktober 2026, um 18 Uhr in der WIRmachenDRUCK Arena statt. Es handelt sich um die zweite Runde des DFB-Pokals. Die Begegnung wird bei Sky übertragen.
Großaspach ist nach zwei aufeinanderfolgenden Aufstiegen inzwischen wieder in der 3. Liga vertreten. In der ersten Pokalrunde hatte der Außenseiter bereits für eine Überraschung gesorgt und Zweitligist Arminia Bielefeld nach einem 2:2 im Elfmeterschießen ausgeschaltet.
Allerdings steckt der Drittligist aktuell in einer schwierigen sportlichen Phase. Am vergangenen Wochenende verlor die Mannschaft von Trainer Pascal Reinhardt mit 1:7 beim SV Wehen Wiesbaden und rutschte auf Tabellenplatz 16 ab.
Auch beim FC Augsburg ist die sportliche Ausgangslage angespannt. Nach fünf Bundesligaspielen ohne Sieg soll der Pokal für ein Erfolgserlebnis sorgen. Gleichzeitig muss Baum mehrere personelle Fragen lösen.
Innenverteidiger Calvin Brackelmann fällt nach seiner Kopfverletzung aus dem Union-Spiel definitiv aus. Nach Angaben des Trainers muss der Spieler ein vorgeschriebenes Gehirnerschütterungsprotokoll durchlaufen. Auch für das anschließende Bundesligaspiel gegen den SC Freiburg steht er nicht zur Verfügung.
Offensivspieler Alexis Claude-Maurice ist ebenfalls noch nicht wieder vollständig einsatzfähig. Darüber hinaus berichtete Baum von weiteren muskulären Beschwerden innerhalb der Mannschaft. Ob zusätzliche Spieler geschont werden müssen, war zunächst offen.
Sportdirektor Benni Weber sieht Augsburg ungeachtet der personellen Schwierigkeiten in der Favoritenrolle. Der Bundesligist will das Achtelfinale erreichen und den DFB-Pokal als Möglichkeit nutzen, eine bislang wechselhafte Saison mit einem Erfolg im nationalen Wettbewerb aufzuwerten.
Für Juma Bah könnte die Partie zugleich die nächste Gelegenheit sein, auf dem Platz wieder eine Rolle zu spielen. Der Verein hat seine Unterstützung ausdrücklich zugesichert. Ob der Verteidiger von Beginn an aufläuft, entscheidet Trainer Baum mit Blick auf die sportlichen und persönlichen Voraussetzungen.
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