Anthropic legt vor Börsengang Milliardenverluste offen

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der US-KI-Entwickler Anthropic bereitet seinen Börsengang vor und hat erstmals umfassende Finanzzahlen veröffentlicht. Das Unternehmen hinter dem KI-Assistenten Claude reichte am Montag, 26. Oktober 2026, einen Börsenprospekt bei der US-Börsenaufsicht SEC ein. Die Unterlagen zeigen ein starkes Umsatzwachstum, erhebliche bilanzielle Verluste und eine Unternehmensstruktur, die den Gründern auch nach dem Börsengang großen Einfluss sichern soll.

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Anthropic strebt Notierung an der Nasdaq an

Der geplante Börsengang von Anthropic soll an der US-Technologiebörse Nasdaq stattfinden. Das Unternehmen möchte seine Aktien der Klasse A unter dem Börsenkürzel ANT handeln lassen. Mit Goldman Sachs und Morgan Stanley begleiten zwei große US-Investmentbanken die geplante Aktienausgabe.

Der am Montag veröffentlichte S-1-Prospekt enthält erstmals ausführliche Angaben zur Geschäftsentwicklung, zur Finanzierung und zu den Eigentumsverhältnissen. Weder die Zahl der angebotenen Aktien noch die vorgesehene Preisspanne stehen bislang fest. Auch eine offizielle Bewertung für den Börsengang wurde noch nicht veröffentlicht.

Anthropic hatte bereits am 1. Juni 2026 einen vertraulichen Entwurf seiner Börsenanmeldung bei der SEC eingereicht. Mit der öffentlichen Veröffentlichung beginnt nun eine weitere Phase der Vorbereitung.

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Umsatz steigt auf mehr als 16 Milliarden Dollar

Besonders deutlich wird das Wachstum des Unternehmens beim Umsatz. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 erzielte Anthropic Erlöse von rund 16,3 Milliarden US-Dollar. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es noch etwa 1,16 Milliarden Dollar. Damit hat das Unternehmen seinen Halbjahresumsatz innerhalb eines Jahres ungefähr vervierzehnfacht.

Auch die Entwicklung der vergangenen Geschäftsjahre zeigt das Wachstum. Während Anthropic 2024 einen Jahresumsatz von 386 Millionen Dollar erwirtschaftete, waren es 2025 bereits rund 4,59 Milliarden Dollar.

Einen wesentlichen Teil seiner Einnahmen erzielt Anthropic mit der kommerziellen Nutzung seiner Claude-KI-Modelle. Unternehmen bezahlen unter anderem für die Verarbeitung von Daten und die Verwendung der Systeme in eigenen Anwendungen.

Ende September 2026 verfügte Anthropic nach eigenen Angaben über mehr als 11.900 Kunden, die innerhalb der vorangegangenen zwölf Monate jeweils mindestens 100.000 Dollar Umsatz generiert hatten.

Warum Anthropic 80,7 Milliarden Dollar Verlust ausweist

Dem starken Umsatzwachstum steht ein außergewöhnlich hoher bilanzieller Nettoverlust gegenüber. Für das erste Halbjahr 2026 weist Anthropic einen Fehlbetrag von rund 80,7 Milliarden Dollar aus. Im Vorjahreszeitraum lag der Nettoverlust bei etwa 13 Milliarden Dollar.

Die Zahl bedeutet allerdings nicht, dass Anthropic innerhalb von sechs Monaten 80,7 Milliarden Dollar für seinen laufenden Geschäftsbetrieb ausgegeben hat.

Rund 72,4 Milliarden Dollar des ausgewiesenen Verlusts entfallen auf bilanzielle Wertveränderungen bei Wandelanleihen und weiteren Finanzinstrumenten. Diese hängen insbesondere mit der gestiegenen Unternehmensbewertung zusammen und stellen überwiegend keinen unmittelbaren Mittelabfluss dar.

Das operative Ergebnis fällt deutlich anders aus. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete Anthropic einen operativen Verlust von 693 Millionen Dollar. Ein Jahr zuvor waren es noch rund 2,1 Milliarden Dollar gewesen.

Trotz dieser Verbesserung bleibt der Aufbau und Betrieb leistungsfähiger KI-Systeme kostenintensiv. Vor allem Rechenleistung, Rechenzentren und technische Infrastruktur verursachen erhebliche Ausgaben.

Gründer behalten Mehrheit der Stimmrechte

Eine Besonderheit des geplanten Börsengangs ist die Stimmrechtsstruktur. Anthropic sieht vor, seinen sieben Mitgründern über eine eigens gegründete Gesellschaft namens Founder LLC insgesamt 50,1 Prozent der allgemeinen Stimmrechte zu sichern.

Zu den Gründern gehören Unternehmenschef Dario Amodei und seine Schwester Daniela Amodei, die als Präsidentin des Unternehmens tätig ist. Die Kontrolle soll über eine einzelne Aktie einer besonderen Anteilsklasse mit entsprechend gewichteten Stimmrechten ausgeübt werden.

Daneben behält der sogenannte Long-Term Benefit Trust eine zentrale Rolle. Dieses unabhängige Gremium kann über besondere Aktienrechte die Mehrheit der Mitglieder des Verwaltungsrats bestimmen.

Für künftige Aktionäre bedeutet das eine eingeschränkte Einflussmöglichkeit auf grundlegende Unternehmensentscheidungen. Zwar sollen die öffentlich angebotenen Aktien der Klasse A jeweils ein Stimmrecht besitzen, die besondere Konstruktion sichert jedoch den bisherigen Führungsgremien entscheidenden Einfluss.

Anthropic ist als Public Benefit Corporation organisiert. Diese Rechtsform verpflichtet das Unternehmen, neben wirtschaftlichen Interessen auch seinen festgelegten gesellschaftlichen Zweck zu berücksichtigen. Bei Anthropic steht dabei die verantwortungsvolle Entwicklung leistungsfähiger künstlicher Intelligenz im Mittelpunkt.

Börsengang könnte noch im November stattfinden

Ein verbindlicher Termin für den ersten Handelstag steht bislang nicht fest. Nach Informationen des Wall Street Journal vom 26. Oktober wird ein Börsendebüt in der Woche ab dem 16. November 2026 angestrebt. Dieser Zeitplan ist jedoch nicht offiziell bestätigt und kann sich noch verändern.

Vor der Aktienausgabe müssen weitere Schritte abgeschlossen werden. Dazu gehören die Festlegung der Angebotspreise, die Vermarktung der Aktien bei institutionellen Investoren und das Wirksamwerden der Registrierung bei der US-Börsenaufsicht.

Der geplante Börsengang fällt in eine Phase hoher Investitionen in künstliche Intelligenz. Anthropic konkurriert unter anderem mit OpenAI und Google um Unternehmenskunden, leistungsfähige KI-Modelle und die dafür benötigte Rechenkapazität.

Mit der geplanten Börsennotierung könnte Anthropic zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten erhalten. Gleichzeitig würden die veröffentlichten Geschäftszahlen und die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens stärker im Blickpunkt des Aktienmarkts stehen.

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