
Ein Espresso für weniger als 2,50 Euro oder ein Latte Macchiato für mehr als vier Euro: Die Kaffeepreise in Deutschland unterscheiden sich von Stadt zu Stadt, allerdings weniger stark als die Wahl des Getränks vermuten lässt. Eine aktuelle Auswertung von 1.232 Cafés in zehn deutschen Großstädten kommt für einen Espresso auf durchschnittlich 2,58 Euro. Ein Cappuccino liegt bei 3,80 Euro, ein Latte Macchiato bei 4,33 Euro. Besonders günstig schneiden die untersuchten Cafés in Köln ab. Die höchsten Durchschnittspreise weist Bremen auf.
Für die Untersuchung des Kaffeehändlers Coffee Friend wurden im Juni 2026 öffentlich zugängliche Preise aus Cafés in Berlin, Bremen, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, Leipzig, München und Stuttgart ausgewertet. Grundlage waren unter anderem die Webseiten der Betriebe, digitale Speisekarten und aktuelle Aufnahmen von Getränkekarten. Insgesamt flossen 1.232 Cafés in die Berechnung ein.
Am günstigsten war Köln. Dort kostete ein Espresso im Mittel 2,44 Euro, ein Cappuccino 3,65 Euro und ein Latte Macchiato 4,11 Euro. Beim Espresso folgten Leipzig mit 2,48 Euro und Stuttgart mit 2,50 Euro. Am oberen Ende lag Bremen mit durchschnittlich 2,78 Euro je Espresso. Frankfurt kam auf 2,65 Euro, Dresden auf 2,63 Euro. In Düsseldorf und Berlin wurden jeweils durchschnittlich 2,62 Euro ermittelt.
Auch bei den Milchgetränken lag Köln in der Auswertung vorn. Auffällig ist zugleich Berlin: Trotz eines Espressopreises im Mittelfeld kostete der Cappuccino dort im Durchschnitt 3,70 Euro und damit weniger als in fast allen anderen untersuchten Städten. Für einen Latte wurden dort im Schnitt 4,25 Euro ermittelt.
Der Städtevergleich zeigt vor allem, dass die Entscheidung zwischen Espresso, Cappuccino und Latte Macchiato finanziell stärker ins Gewicht fällt als die Frage, in welcher der zehn Großstädte der Kaffee bestellt wird. Zwischen der günstigsten und teuersten Stadt lag der Abstand nach Angaben der Untersuchung bei keinem der drei Getränke über 37 Cent.
Deutlich größer fällt der Unterschied zwischen den Getränken aus. Ein Cappuccino kostete mit durchschnittlich 3,80 Euro rund 1,22 Euro oder 47 Prozent mehr als ein Espresso. Beim Latte Macchiato waren es mit durchschnittlich 4,33 Euro rund 1,75 Euro beziehungsweise knapp 68 Prozent mehr. Zwischen Cappuccino und Latte lagen dagegen nur noch durchschnittlich 53 Cent.
Der Preisaufschlag lässt sich nicht allein mit der zusätzlich verwendeten Milch erklären. Milchgetränke sind meist größer und benötigen weitere Arbeitsschritte wie Erhitzen und Aufschäumen. Wie stark Zutaten, Personalaufwand, Miete oder andere Kosten tatsächlich in die Kalkulation einzelner Cafés eingehen, wurde in der Untersuchung allerdings nicht erhoben.
Ein niedriger Preis bedeutet außerdem nicht automatisch, dass Kaffee gemessen am Einkommen besonders erschwinglich ist. Die Untersuchung setzte deshalb die Espressopreise zu durchschnittlichen monatlichen Nettoeinkommen der jeweiligen Städte ins Verhältnis. Danach kam Stuttgart rechnerisch auf 1.447 Espressi je durchschnittlichem Monatsnettoeinkommen. Für Stuttgart wurde dabei ein Einkommen von etwa 3.617 Euro angesetzt.
München folgte mit rechnerisch 1.439 Espressi, Frankfurt mit 1.361. Hamburg kam auf 1.195. Am unteren Ende lag Bremen mit 1.018 Espressi bei einem in der Untersuchung verwendeten durchschnittlichen Monatsnettoeinkommen von 2.835 Euro.
Diese Kaufkraftwerte sind allerdings nur als Orientierung zu verstehen. Die Studie verwendete dafür die Ende Juli 2026 abgerufenen durchschnittlichen Nettogehälter der Plattform Numbeo. Dabei handelt es sich nicht um amtliche Einkommensdaten. Auch individuelle Einkommen, Haushaltsgrößen oder unterschiedliche Lebenshaltungskosten innerhalb einer Stadt werden durch den Vergleich nicht berücksichtigt.
Warum Kaffee in Cafés heute mehrere Euro kostet, lässt sich nicht auf einen einzelnen Faktor reduzieren. Einen deutlichen Kostenschub gab es bereits auf den vorgelagerten Handelsstufen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren die Einfuhrpreise für ungeröstete Kaffeebohnen im April 2025 um 53,1 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Destatis nannte unter anderem Ernteausfälle infolge extremer Wetterlagen als Einflussfaktor. Die Verbraucherpreise für Bohnenkaffee lagen damals 12,2 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Auch in der weiteren Verarbeitung zeigte sich der Preisdruck. Im Jahresdurchschnitt 2025 lagen die deutschen Erzeugerpreise für Kaffee nach Destatis-Angaben um 30,1 Prozent über dem Vorjahr. Im Großhandel verteuerten sich Kaffee, Tee, Kakao und Gewürze 2025 zusammen um 26,2 Prozent. Wie stark solche Veränderungen und mit welcher Verzögerung bei einzelnen Cafés ankommen, hängt unter anderem von Lieferverträgen, Kaffeemischung und Einkaufsstrategie ab.
Hinzu kommen die allgemeinen Kosten des Gastgewerbes. Gaststättendienstleistungen waren im Juli 2026 laut Statistischem Bundesamt 2,9 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Damit können neben Kaffee und Milch auch Personal, Energie, Miete, Ausstattung und weitere Betriebskosten die Kalkulation beeinflussen. Eine direkte Zerlegung des Verkaufspreises eines Cappuccinos oder Espressos liefert die aktuelle Caféstudie jedoch nicht.
Trotz höherer Preise bleibt Kaffee außer Haus in Deutschland stark gefragt. Der Deutsche Kaffeeverband bezifferte den Außer-Haus-Verbrauch für 2025 auf 125.500 Tonnen. Das war nach Angaben des Branchenverbandes der höchste bisher gemessene Wert und lag geringfügig über dem vorherigen Höchststand aus dem Jahr 2018.
Für den gesamten deutschen Röstkaffeemarkt meldete der Verband 2025 rund 456.000 Tonnen Absatz. Die Menge ging damit gegenüber dem Vorjahr um 1,5 Prozent zurück, während der Umsatz um 23,5 Prozent auf 8,98 Milliarden Euro stieg. Die Zahlen spiegeln damit auch die deutlich höheren Preise im Kaffeemarkt wider.
Der aktuelle Städtevergleich erlaubt allerdings keinen vollständigen Rückschluss auf sämtliche Cafés in Deutschland. Untersucht wurden zehn ausgewählte Großstädte und ausschließlich Betriebe, deren aktuelle Preise öffentlich auffindbar waren. Die Zahl der berücksichtigten Cafés reichte von 70 in Bremen bis 166 in Berlin. Zudem wurde bei mehreren angebotenen Größen jeweils der niedrigste angegebene Standardpreis verwendet. Die Ergebnisse zeigen deshalb vor allem, auf welchem Preisniveau sich Espresso, Cappuccino und Latte Macchiato derzeit in großen deutschen Stadtmärkten bewegen.
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