
Der deutsche Schlagersänger und Entertainer Peter Petrel ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Seine Ehefrau Tina bestätigte seinen Tod. Petrel starb am Freitag, 18. September, in seiner Wahlheimat Koblenz im Kreis seiner Familie. Mit der Nachricht, dass Peter Petrel gestorben ist, endet eine Karriere, die sich über mehr als sechs Jahrzehnte erstreckte und weit über den klassischen deutschen Schlager hinausreichte.
Peter Petrel wurde am 14. April 1940 als Peter Sauer in Bad Frankenhausen geboren. Seine musikalischen Anfänge lagen nicht im Schlager, sondern im Skiffle und Jazz. Bereits 1958 stand er öffentlich auf der Bühne. Ab 1960 trat er mit Johnny’s New Orleans Jatzband in Jazzclubs und auf Festivals auf. Diese Herkunft blieb für seine spätere Karriere wichtig. Auch als er längst einem Millionenpublikum aus Rundfunk und Fernsehen bekannt war, kehrte Petrel regelmäßig zu Jazz, Dixieland, Swing und Blues zurück.
1968 erhielt er das Goldene Mikrophon als Jazzsänger. Im selben Jahr erschien bei Polydor seine erste Single „Viel zu spät“, damals noch unter seinem bürgerlichen Namen Peter Sauer. Zwei Jahre später nahm er am Internationalen Songfestival in Tokio teil und erreichte dort den achten Platz unter 46 Teilnehmern. Damit hatte Petrel schon vor seinen großen deutschen Schlagererfolgen internationale Bühnenerfahrung gesammelt.
Der entscheidende Durchbruch folgte Anfang der 1970er Jahre. Zusammen mit der Sängerin Jeannie McKinlay bildete Petrel das Duo Windows. 1972 erreichte die deutschsprachige Version von „How Do You Do?“ Platz eins der deutschen Hitparade. Der Titel hielt sich acht Wochen an der Spitze und wurde zum mit Abstand bekanntesten Lied des Duos.
„How Do You Do?“ war eine deutschsprachige Adaption des international erfolgreichen Titels des niederländischen Duos Mouth & MacNeal. Während deren englischsprachige Aufnahme in mehreren Ländern erfolgreich war, trafen Windows mit ihrer deutschen Version besonders den Geschmack des damaligen westdeutschen Schlagermarktes. Weitere Titel des Duos wie „Tell Me Baby“, „Alright, Okay, I Love You“ und „Hast du keine anderen Sorgen?“ schafften ebenfalls den Einstieg in die deutschen Charts, erreichten aber nicht mehr den Erfolg des Nummer eins Hits.
Für Petrel wurde das Lied zum musikalischen Erkennungszeichen. Gleichzeitig blieb seine Karriere nicht auf diesen einen Erfolg beschränkt. Gerade diese Mischung aus populärem Schlager, Unterhaltungsmusik und seinen ursprünglichen Jazzwurzeln prägte seinen weiteren Weg.
Mitte der 1970er Jahre gehörte Peter Petrel zur Hamburger Rentnerband, in der Musiker aus unterschiedlichen Bereichen der damaligen Hamburger Szene zusammenkamen. Mit „Hamburger Deern“, einer deutschen Version von „Liverpool Lou“, gelang der Gruppe 1974 ein weiterer Charterfolg. Die Single stieg Anfang Dezember in die deutsche Hitparade ein, erreichte Platz 20 und blieb 16 Wochen in der Wertung.
Parallel entwickelte Petrel seine Solokarriere weiter. Zu seinen bekannten Titeln gehörten „Ich bin viel zu bescheiden“ und „Ich fahr so gerne Rad“. Seine Auftritte führten ihn regelmäßig ins Fernsehen. Im ZDF war er unter anderem in der Hitparade präsent. Der Sender produzierte zudem eigene Unterhaltungssendungen rund um Petrel und seine Musik.
Damit gehörte er zu jener Generation deutscher Sänger, deren Karriere in den 1970er und 1980er Jahren stark durch große Samstagabendshows, Musiksendungen und die damals besonders reichweitenstarke Fernsehunterhaltung geprägt wurde. Petrel verband dabei den für diese Zeit typischen deutschsprachigen Unterhaltungsschlager mit einer deutlich hörbaren Vorliebe für amerikanisch geprägten Jazz und Swing.
Auch während seiner größten Schlagererfolge verlor Petrel den Jazz nicht aus den Augen. 1979 entstand gemeinsam mit Barry Sarluis das Album „Jazz und Ähnliches“. Zwei Jahre später wurde die Aufnahme „Happy Music Every Day“ mit der Sir Gusche Band mit dem Deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnet. Später arbeitete Petrel unter anderem mit eigenen Jazzformationen und zahlreichen Dixieland Musikern zusammen.
Seine Verbindungen zur Jazzszene reichten auch ins Ausland. Seit den 1980er Jahren war er mit unterschiedlichen Formationen auf Festivals und Konzertreisen zu erleben. Im Jahr 2000 wurde er nach Angaben langjähriger musikalischer Wegbegleiter in New Orleans als Ehrenbürger geehrt. Seit 2006 engagierte er sich zudem als Vizepräsident der Old Jazz Union Deutschland.
Noch Jahrzehnte nach seinen ersten Erfolgen trat Petrel öffentlich auf. 2021 war er beispielsweise in der Fernsehsendung „Schlager-Spaß mit Andy Borg“ zu sehen. Seine Diskografie umfasst neben Schlagerproduktionen zahlreiche Aufnahmen aus Jazz, Dixieland, Swing, Folk und Unterhaltungsmusik.
Peter Petrels Bedeutung für die deutsche Unterhaltungsmusik lässt sich deshalb nicht allein an einem einzelnen Hit festmachen. „How Do You Do?“ brachte ihm Anfang der 1970er Jahre den größten kommerziellen Erfolg und machte seine Stimme einem breiten Publikum bekannt. Gleichzeitig blieb er über Jahrzehnte in musikalischen Bereichen aktiv, die außerhalb des klassischen Schlagers lagen.
Diese Verbindung unterschied seine Laufbahn von vielen reinen Schlagerkarrieren seiner Generation. Petrel konnte auf großen Fernseh- und Unterhaltungsbühnen auftreten und wenig später mit Jazzmusikern in deutlich kleineren Besetzungen arbeiten. Aus einem Sänger, der Ende der 1950er Jahre mit Skiffle und Jazz begonnen hatte, wurde so ein Entertainer, dessen Karriere mehr als 60 Jahre deutscher Musikgeschichte umspannte.
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