Deutschlands Kartoffelernte schrumpft deutlich

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Kartoffelernte 2026 in Deutschland fällt erheblich kleiner aus als im vergangenen Jahr. Nach vorläufigen amtlichen Ergebnissen werden bundesweit rund 10,4 Millionen Tonnen erwartet. Damit fehlen gegenüber der außergewöhnlich großen Ernte 2025 etwa 3,5 Millionen Tonnen. Trotzdem bedeutet der Rückgang nicht automatisch, dass Kartoffeln für Verbraucher deutlich teurer werden.

Im vergangenen Jahr waren knapp 13,9 Millionen Tonnen eingefahren worden. Das war die größte deutsche Kartoffelernte seit 1990. Die für 2026 erwartete Menge liegt damit fast ein Viertel unter dem Vorjahreswert. Auch der Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025 wird um rund 13 Prozent unterschritten.

Hitze und Trockenheit drücken die Erträge

Für das schwächere Ergebnis kommen mehrere Faktoren zusammen. Starke Niederschläge im Februar verzögerten zunächst den Beginn der Saison. Im weiteren Jahresverlauf belasteten Hitze und Trockenheit die Bestände.

Das zeigt sich vor allem beim Flächenertrag. Bundesweit wurden im Durchschnitt rund 38 Tonnen Kartoffeln je Hektar erzielt. Das sind etwa 15 Prozent weniger als im sehr guten Vorjahr und rund elf Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025.

Gleichzeitig wurde weniger Fläche mit Kartoffeln bestellt. Die vorläufig ermittelte Anbaufläche beträgt rund 268.300 Hektar. Gegenüber dem hohen Niveau von 2025 entspricht das einem Rückgang von etwa elf Prozent. Auch im Vergleich zum sechsjährigen Mittel ist die Fläche rund zwei Prozent kleiner.

Besonders wichtig für den deutschen Kartoffelanbau sind Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Auf diese drei Länder entfallen zusammen etwa drei Viertel der Anbaufläche. In allen drei Ländern wurde die Fläche gegenüber dem vergangenen Jahr reduziert.

Rekordernte 2025 verzerrt den direkten Vergleich

Der Rückgang um fast ein Viertel wirkt besonders groß, weil das Ausgangsniveau ungewöhnlich hoch war. 2025 wurden in Deutschland knapp 13,9 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet. Neben einer größeren Anbaufläche hatten auch hohe Hektarerträge zu diesem Ergebnis beigetragen.

Dass die Ernte 2026 nicht nur gegenüber diesem außergewöhnlichen Vorjahr schwach ausfällt, zeigt jedoch der längerfristige Vergleich. Mit rund 10,4 Millionen Tonnen liegt die erwartete Menge auch 13 Prozent unter dem Mittel der Jahre 2020 bis 2025.

Die Zahl ist allerdings noch nicht endgültig. Die Schätzung beruht auf der Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung. Zum Zeitpunkt der vorläufigen Berechnung waren 49 Prozent von knapp 631 vorgesehenen Probeflächen ausgewertet. Das endgültige Ergebnis kann deshalb noch von der derzeit genannten Menge abweichen.

Warum Kartoffeln nicht automatisch deutlich teurer werden

Für Verbraucher ist vor allem die Frage entscheidend, ob die kleinere Ernte die Preise im Supermarkt steigen lässt. Ein unmittelbarer Zusammenhang lässt sich daraus derzeit nicht ableiten.

Deutschland produziert normalerweise deutlich mehr Kartoffeln als im Inland benötigt werden. Für das Wirtschaftsjahr 2024/25 weist die Versorgungsbilanz eine Inlandsverwendung von rund 7,9 Millionen Tonnen und einen Selbstversorgungsgrad von 145 Prozent aus. Deutschland konnte seinen Bedarf damit vollständig aus heimischer Erzeugung decken und darüber hinaus erhebliche Mengen exportieren.

Allein die für 2026 erwartete Erntemenge von 10,4 Millionen Tonnen bedeutet deshalb noch keine Versorgungsknappheit. Das Bundeslandwirtschaftsministerium geht angesichts des hohen Selbstversorgungsgrades und eines sich abzeichnenden ausgeglichenen Verhältnisses von Angebot und Nachfrage davon aus, dass Versorgung und Preisniveau für Verbraucher mittelfristig stabil bleiben können.

Auch die Ausgangslage bei den landwirtschaftlichen Preisen unterscheidet sich deutlich vom Eindruck einer akuten Verknappung. Im Mai 2026 lagen die Erzeugerpreise für Speisekartoffeln nach Angaben des Statistischen Bundesamtes noch 53,5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Bereits 2025 waren die Kartoffelpreise auf Erzeugerebene deutlich zurückgegangen.

Am Markt gibt es dennoch preisstützende Faktoren

Ganz ohne Folgen bleibt die schwächere Ernte für den Markt nicht. Ende September lagen die Erzeugerpreise für lose Speisekartoffeln in Schleswig-Holstein je nach Sortengruppe beispielsweise bei etwa 25 bis 28 Euro je 100 Kilogramm. Die dortige Landwirtschaftskammer beschrieb die Erzeugerpreise als stabil, verwies aber zugleich auf preisstützende Einflüsse durch trockenheitsbedingte Ernteausfälle in südlicheren Regionen und die kleinere Anbaufläche.

Solche Erzeugerpreise lassen sich allerdings nicht eins zu eins auf die Preise im Supermarkt übertragen. Zwischen landwirtschaftlichem Erzeugerpreis und Ladenpreis liegen unter anderem Sortierung, Verpackung, Lagerung, Transport und Handel. Auch Aktionspreise und längerfristige Lieferverträge beeinflussen, was Verbraucher tatsächlich bezahlen.

Hinzu kommt, dass sich die Situation regional unterscheiden kann. Während manche Anbaugebiete deutlich unter Trockenheit und Hitze litten, fielen die Erträge andernorts günstiger aus.

Kartoffelmarkt bleibt stark vom Außenhandel geprägt

Deutschland gehört zu den größten Kartoffelproduzenten Europas und ist zugleich eng in den europäischen Markt eingebunden. Im Wirtschaftsjahr 2024/25 wurden nach der deutschen Versorgungsbilanz rund 6,2 Millionen Tonnen Kartoffeln und Kartoffelerzeugnisse ausgeführt. Die Einfuhren beliefen sich auf etwa 2,7 Millionen Tonnen.

Deshalb bestimmen nicht allein die deutsche Erntemenge und die heimische Nachfrage den Markt. Auch Ernten in anderen europäischen Ländern, die Nachfrage der Verarbeitungsindustrie, Exporte sowie Lagerfähigkeit und Qualität der Kartoffeln wirken sich auf Angebot und Preise aus.

Für einen allgemeinen kräftigen Preisanstieg bei Speisekartoffeln gibt es Anfang Oktober trotz der deutlich kleineren deutschen Ernte noch keinen belastbaren Hinweis. Die Erntemenge fällt zwar klar unterdurchschnittlich aus. Deutschlands hohe Eigenversorgung und der europäische Kartoffelhandel begrenzen jedoch das Risiko, dass aus dem Produktionsrückgang unmittelbar eine breite Knappheit im Einzelhandel entsteht.

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